Warum der neue Lustenauer Musikschuldirektor mit Handicap startet

Dietmar Nigsch übernimmt die Rheintalische Musikschule. Doch er sieht sich zu seinem Amtsantritt mit Vorwürfen konfrontiert. Gde
Vorwurf mangelnder pädagogischer Qualifikation. Bürgermeister Kurt Fischer verteidigt Dietmar Nigsch.
Darum geht’s:
- Nigsch wird mangelnde Qualifikation als Musikschuldirektor vorgeworfen.
- Es fehlen anerkannte Bestätigungen über seine pädagogische Ausbildung.
- Es droht das Risiko des Verlusts der Landesförderung von 1,2 Millionen Euro.
Lustenau Die Begrüßung hätte schöner nicht sein können. Er kam voller Tatendrang und Freude, Bürgermeister und Vizebürgermeister spielten ihm ein Ständchen, die Willkommensstimmung schien perfekt. Und jetzt das. Dietmar Nigsch (45), frischgebackener Direktor der Rheintalischen Musikschule in Lustenau, wird in einer „alternativen Form der Begrüßung“ von Musikschulkreisen mangelnde Qualifikation für seine neue Position vorgeworfen. Er verfüge nicht über eine anerkannte notwendige pädagogische Ausbildung, erfülle daher nicht die geforderten Voraussetzungen für die Leitungsposition der Musikschule.

Rotterdam
Tatsächlich hat Nigsch Teile seiner Musikschulausbildung in Rotterdam absolviert – unter anderem auch eine pädagogische. „Doch das war vor Einführung der EU-einheitlichen Bologna-Kriterien. Es fehlen bei Nigsch noch anerkannte Bestätigungen über Curricula, Studienpläne und Studieninhalte“, bestätigt Mathias Lang (43), Geschäftsführer des Musikschulwerks, der übergeordneten Stelle aller 18 Musikschulen im Land und als solche Schnittstelle zwischen Fördergeber Land und den Gemeinden als Schulerhalter. „Wir empfehlen ihm einen Antrag auf Nostrifizierung seiner pädagogischen Qualifikation an einer der drei Musikuniversitäten in Österreich“, so Lang weiter.

Fischer empört
Im schlimmsten Fall droht der Rheintalischen Musikschule der Verlust der Landesförderung von fast 1,2 Millionen Euro, sollten die damit verknüpften Voraussetzungen nicht erfüllt werden. Wozu auch die Qualifikation des Schulleiters gehört.
Sowohl Bürgermeister Kurt Fischer als auch sein Vize und für Kultur zuständige Gemeinderat Daniel Steinhofer verurteilen die Vorwürfe gegen Nigsch auf das Allerschärfste. „Es hat bis jetzt nicht die geringsten Zweifel an der Qualifikation von Dietmar Nigsch gegeben. Er verfügt über große Erfahrung im Musikschulwesen, war bereits stellvertretender Musikschuldirektor von Rankweil und ist selbst ein hervorragender Musiker. Hier geht es um eine reine Formalität. Dass aus dem Hinterhalt heraus plötzlich solche haltlosen Vorwürfe kommen, finde ich unerhört“, zürnt Fischer. Man schätze sich glücklich, Nigsch in Lustenau zu haben.

Nigsch irritiert
Dietmar Nigsch selbst zeigt sich von den gegen seine Qualifikation geäußerten Vorhaltungen irritiert. „Ich verstehe das nicht und kann es mir auch überhaupt nicht erklären. Ich war bisher in verschiedenen Funktionen tätig und auch einer Gehaltsstufe zugeordnet, für die eine pädagogische Ausbildung Voraussetzung war. Unter anderem übte ich an der Stella Vorarlberg die Funktion eines Lehrpraxismentors aus. Dafür war der Nachweis einer pädagogischen Ausbildung unerlässlich. Warum das jetzt auf einmal in Zweifel gezogen wird, weiß ich nicht.“
Er werde sich um eine Nostrifizierung seiner Ausbildung in Rotterdam bemühen, sollte das notwendig sein.