Weit über 410.000 Menschen leben im Land

Vorarlberg / 14.09.2023 • 21:00 Uhr
Weit über 410.000 Menschen leben im Land
Gerade in Feldkirch gibt es viele Zweitwohnsitze. VN/STeurer

Bevölkerungsstatistik: Zahl der „Zweitwohnsitzer“ hat sich in kurzer Zeit verdoppelt.

SCHWARZACH Zur Jahresmitte hatte Vorarlberg 408.703 Einwohner. Das sind Männer, Frauen und Kinder, die ihren Lebensmittelpunkt und damit auch ihren Hauptwohnsitz im Land haben. Dazu sind aber noch 35.017 Meldungen für einen weiteren Wohnsitz gekommen, der als Zweit- oder auch Nebenwohnsitz bezeichnet wird. Diese Kategorie wird weniger wahrgenommen.

In Warth ist die Zahl der „Zweitwohnsitzer“ besonders stark gestiegen: Zu 85 Prozent handle es sich um Tourismusbedienstete, so Bürgermeister Stefan Strolz.  <span class="copyright">VN/Sams</span>
In Warth ist die Zahl der „Zweitwohnsitzer“ besonders stark gestiegen: Zu 85 Prozent handle es sich um Tourismusbedienstete, so Bürgermeister Stefan Strolz. VN/Sams

Dabei geht es um Personen, die sich an einem bestimmten Ort nur niederlassen, um dort zum Beispiel länger oder immer wieder Ferien zu machen, vorübergehend zu arbeiten oder eine Ausbildung zu absolvieren. Ihre Zahl ist stark steigend. Seit den 2000er Jahren haben sich diese Wohnsitzmeldungen mehr als verdoppelt.

Weit über 410.000 Menschen leben im Land

Ende Juni lebten alles in allem also weit mehr als 410.000 Menschen in Vorarlberg. Genau kann man es nicht sagen: Laut Egon Rücker, dem Leiter der amtlichen Statistik in Bregenz, ist nicht erfasst, wie viele sowohl einen Haupt- als auch einen Nebenwohnsitz im Land haben. Das muss man berücksichtigen. 408.703 und 35.017 zusammenzuzählen und von 443.720 Bewohnern im weitesten Sinne zu reden, wäre nicht korrekt.

Feldkirch an der Spitze: Warum?

Wie es in Bezug auf „Zweitwohnsitzer“ überhaupt weiße Flecken gibt: Nach Gemeinden waren die meisten zuletzt mit 3147 in Feldkirch registriert. Dort heißt es auf VN-Anfrage lediglich: „Bei der Anmeldung des Nebenwohnsitzes muss keine Begründung angegeben werden. Deshalb könnten wir nur spekulieren, weshalb so viele Menschen in Feldkirch einen Nebenwohnsitz anmelden.“ Rücker liefert Ahnungen: Immer wieder gehe es etwa um Pflegekräfte oder Studierende. Gut die Hälfte hat die österreichische, allein ein Viertel die deutsche oder die rumänische Staatsbürgerschaft.

Lech im Winter: Auf rund 1600 Menschen mit Hauptwohnsitz kommen drei Mal mehr mit einem Nebenwohnsitz. Auch hier wird betont, dass das überwiegend Mitarbeiter seien. <span class="copyright">VN/Stiplovsek</span>
Lech im Winter: Auf rund 1600 Menschen mit Hauptwohnsitz kommen drei Mal mehr mit einem Nebenwohnsitz. Auch hier wird betont, dass das überwiegend Mitarbeiter seien. VN/Stiplovsek

Eine Masse ist im Tourismus tätig. So waren die Zuwächse in Warth zuletzt massiv. Dort, wo keine 200 Personen ihren Hauptwohnsitz haben, waren zu Jahresbeginn 439 weitere für einen Nebenwohnsitz gemeldet. Das waren gut zweimal mehr als zu Vergleichszeitpunkten vor Corona. „Jetzt sind es 306“, so Bürgermeister Stefan Strolz. Zu 85 Prozent handle es sich um Beschäftigte in der Hotellerie, in der Gastronomie und – im Winter – in Schischulen, wo durchwegs immer mehr Leute gebraucht würden. Zwischen den Saisonen seien es deutlich weniger. Und auch jetzt dürften laut Strolz in Wirklichkeit keine 300 im Ort sein: Bei den Gemeldeten gebe es Leute, die er persönlich kenne, die aber nicht mehr da seien. Das müsse korrigiert werden.

Die Zahl der „Zweitwohnsitzer“, die immer wieder nur für ein paar Tage oder Wochen in Warth sind, ist laut Strolz jedenfalls kleiner als die der eingesessenen Bevölkerung. Es seien wenige, und das sei auch gut so: „Wir wollen warme Betten und keine kalten in Wohnungen, die die meiste Zeit des Jahres leer stehen.“

Im Hochwinter Bürgermeister der wohl größten „Nebenwohnsitz-Gemeinde“ im Land: Gerhard Lucian, Lech am Arlberg. Derzeit ist sie die Nummer zwei hinter Feldkirch.<span class="copyright">VN/Walser</span>
Im Hochwinter Bürgermeister der wohl größten „Nebenwohnsitz-Gemeinde“ im Land: Gerhard Lucian, Lech am Arlberg. Derzeit ist sie die Nummer zwei hinter Feldkirch.VN/Walser

Ähnliches wird im benachbarten Lech betont. Zum Stichtag 30. Juni war das nach Feldkirch die zweitgrößte „Nebenwohnsitz-Gemeinde“ Vorarlbergs; und zwar mit 2895 Personen. Im Hochwinter sind es viel mehr. Im Gespräch mit den VN verweist Bürgermeister Gerhard Lucian auf eine Statistik vom Februar. Da waren es – bei rund 1600 Einwohnern – immerhin 4866. Zu mehr als drei Vierteln seien dies Arbeitskräfte gewesen. Bei weniger als einem Viertel, nämlich 1127, habe es sich um Bewohner einer Ferienwohnung gehandelt. Zumindest ihre Zahl ist relativ stabil: Baubewilligungen für Ferienwohnsitze würden in Lech keine mehr erteilt werden, sie seien „eingefroren“, bekräftigt Gemeinderat Johannes Pfefferkorn: „Daran hat sich nichts geändert.“