Das sagt Schafzüchter Markus Fitsch zum Wolf

Vorarlberg / 05.09.2023 • 18:00 Uhr
Schafzüchter Markus Fitsch ist überzeugt, dass Almwirtschaft und der Wolf nicht zusammenpassen.<span class="copyright"> VN</span>
Schafzüchter Markus Fitsch ist überzeugt, dass Almwirtschaft und der Wolf nicht zusammenpassen. VN

Der Wolf darf nicht mehr geschossen werden. Für den Schafzüchter ist das eine Hiobsbotschaft.

Darum geht’s:

  • Das Landesverwaltungsgericht hat beschlossen, den Abschussbescheid für Wölfe auszusetzen.
  • Die Landwirtschaftskammer und die Landespolitik sind empört über diese Entscheidung.
  • Die EU untersucht den Wolfbestand in Europa und überlegt, den Schutzstatus aufzuweichen.

Langen, Bregenz Die Schafe von Markus Fitsch müssen sich heuer ungewohnt früh von der frischen Bergluft verabschieden. „Normalerweise holen wir sie Ende September runter“, erzählt der 56-jährige Schafzüchter aus Langen. „Heuer ist uns das zu heiß.“ Denn der Wolf geht um in Vorarlberg. Und nach einer Entscheidung des Landesverwaltungsgerichts bleibt das vorerst so. Das Gericht hat am Montag entschieden, dass der Abschussbescheid ausgesetzt wird. Die Landespolitik ärgert sich, die Landwirtschaftskammer tobt. Und die EU-Kommission bewegt sich.

Das sagt Schafzüchter Markus Fitsch zum Wolf

Mehr als 20 Wolfsrisse sind in Vorarlberg bereits registriert worden – von bis zu vier unterschiedlichen Wölfen, sagt Christian Pichler, Artenschutzexperte des WWF. Der WWF ist eine von zwei Naturschutzorganisationen, die den Abschussbescheid bekämpfen. Die andere heißt Ökobüro, beide sitzen in Wien. Was Vorarlbergs Agrarlandesrat Christian Gantner besonders brüskiert: „Es ärgert mich sehr, wenn uns irgendwelche Umweltorganisationen aus ihren Wiener Bürohäusern ausrichten wollen, wie in Vorarlberg Alpwirtschaft funktioniert.“ Auch Landwirtschaftskammerpräsident Josef Moosbrugger tobt: „Was hier geschieht, ist pure Scheinheiligkeit auf Kosten ­unserer bäuerlichen Familienbetriebe und ihrer Tiere.“

Christian Gantner ärgert sich über den Naturschutz.
Christian Gantner ärgert sich über den Naturschutz.

Der WWF beruhigt: „Wir sind nicht prinzipiell gegen Abschüsse von Wölfen.“ Aber die Politik müsse sich an das Gesetz halten. Das besagt: Der Abschussbescheid darf sich nur auf den betroffenen Schadwolf direkt beziehen und es müssen zuvor alle anderen Maßnahmen zur Vertreibung fehlgeschlagen sein. Laut WWF geschieht das in der Regel nicht. „Überall, wo wir vor Gericht gezogen sind, ist der Bescheid aufgehoben worden“, sagt Pichler.

<p class="caption">Christian Pichler (WWF) fordert, dass sich die Politik an den geltenden Gesetzen orientiert. <span class="copyright">VN/Lerch</span></p>

Christian Pichler (WWF) fordert, dass sich die Politik an den geltenden Gesetzen orientiert. VN/Lerch

Bescheid kurz gültig

In diesem Fall geht es um einen Wolf in der Region Silbertal/Klostertal, der mehrere Schafe gerissen hat. Vor zweieinhalb Wochen veröffentlichte die Bezirkshauptmannschaft Bludenz einen Entnahmebescheid. Bis heute ist der Wolf den Jägern aber nicht vor die Linse gelaufen. Jetzt ist die Abschusserlaubnis wieder dahin. Das Landesverwaltungsgericht hat der Beschwerde eine aufschiebende Wirkung zugesprochen. Der Abschuss wäre also erst nach einer rechtskräftigen Entscheidung möglich. Das kann dauern. Der Europäische Gerichtshof prüft seit November des Vorjahres einen Bescheid in Tirol. Das Landesverwaltungsgericht könnte diese Entscheidung abwarten wollen.

<p class="caption">Der Mensch hat den Wolf einst fast ausgerottet, jetzt kehrt er langsam zurück. <span class="copyright">AP</span></p>

Der Mensch hat den Wolf einst fast ausgerottet, jetzt kehrt er langsam zurück. AP

Markus Fitsch ist sowohl Jäger als auch seit fast 40 Jahren Schafzüchter. Seine ganze Familie pflegt und hegt rund 30 Schafe. Er bezeichnet die Entscheidung des Landesverwaltungsgerichts als Wahnsinn. „Der Wolf ist ein riesiges Problem. Alpwirtschaft und der Wolf können zusammen niemals funktionieren. Das ist unmöglich.” Jenen Naturschützern, die verstärkten Herdenschutz statt Abschussbescheid fordern, richtet er aus: „Wir bewirtschaften einige Steilflächen. Da kann man keinen Zaun aufstellen. Und ein Herdenschutzhund für 20 bis 30 Schafe ist unmöglich. Der hat drei Monate Arbeit, aber was tut man mit ihm im Rest vom Jahr?” Die aktuellen Forderungen gingen an der Praxis vorbei, ärgert sich Fitsch. „Die, die etwas anderes behaupten, sind Theoretiker und haben keine Ahnung von Landwirtschaft.” Besagte Theoretiker würden zudem die kleinen Bauern vergessen. „In den Mittellagen gibt es viele kleine Landwirte mit 20 bis 40 Schafen. Wenn ich eine Schafsherde mit 500 Schafen habe, macht ein Hirte oder ein Hirtenhund Sinn. Aber bei uns Kleinen ist es nicht möglich.”

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Auch über den Abschussbescheid hat er wenig Freude. Fitsch ist auch Jäger. „Wölfe können pro Nacht 100 bis 150 Kilometer zurücklegen. Das ist gewaltig. Da ist es nicht logisch, dass nur bestimmte Jagdreviere den Wolf schießen dürfen und Reviere, die fünf Kilometer entfernt sind, nicht mehr.”

EU untersucht Bestand

Die EU ist auch aktiv geworden. Am Montag ließ Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen verlautbaren, dass der Schutzstatus aufgeweicht werden könnte. Zunächst wird aber der Wolfbestand in Europa untersucht. In Vorarlberg möchte man nicht so lange warten. Geht es nach Landesrat Gantner, soll schon am 4. Oktober über eine Gesetzesänderung abgestimmt werden, die es erlaubt, einen Wolf per Verordnung abschießen zu lassen. Das würde den Naturschutzorganisationen die Beschwerdemöglichkeit nehmen.

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Für Schafzüchter Markus Fitsch kommt das zu spät. Seine Saison ist zu Ende. Er fordert: „Der Wolf muss aus dem Alpenraum verschwinden. Sonst verschwindet die Alpwirtschaft.“ Seine 30 weißen Tiroler Bergschafe verschwinden zumindest heuer von der Alm.