Quereinsteiger gibt anderen Menschen Halt

Vorarlberg / 01.09.2023 • 16:10 Uhr
Seit 2014 ist der Quereinsteiger Thomas Willam als Bestatter tätig. Vor vier Jahren hat er sich selbstständig gemacht. <span class="copyright">VN/Steurer</span>
Seit 2014 ist der Quereinsteiger Thomas Willam als Bestatter tätig. Vor vier Jahren hat er sich selbstständig gemacht. VN/Steurer

Thomas Willam hat sich für einen Berufswechsel entschieden und ist nun seit knapp zehn Jahren als Bestatter tätig.

Dornbirn Thomas Willam ist Quereinsteiger und hat sich einen Beruf ausgesucht, den er als Berufung bezeichnet. Der gebürtige Wälder ist seit 2014 Bestatter und hat sich vor vier Jahren selbstständig gemacht. Von Dornbirn aus betreut und unterstützt er auch in den Bezirken Feldkirch und Bregenz Hinterbliebene bei einem Trauerfall, indem er und sein Team Bestattungen vorbereiten, Grabstellen besorgen und vieles mehr …

Thomas Willams Arbeitsplatz ist der Friedhof. <span class="copyright">VN/Steurer</span>
Thomas Willams Arbeitsplatz ist der Friedhof. VN/Steurer

Schon vor seiner zweiten Berufswahl hatte der 54-Jährige in einer Versicherungsagentur mit Menschen zu tun, und das gefiel ihm. „Mir fiel auf, dass viele Menschen, vor allem Frauen, an der Regelung der letzten Dinge interessiert sind“, erinnert sich Thomas Willam zurück, und so fiel seine Wahl auf den Beruf des Bestatters. Denn es sollte weiterhin eine Arbeit sein, in der Menschen im Mittelpunkt stehen. „Ich möchte Menschen unabhängig von Herkunft, Religion und finanziellen Möglichkeiten in einer schwierigen Lebenssituation helfen und begleiten. Mein Anspruch ist es dabei, einen Verstorbenen auf seinem gesamten Weg so zu behandeln, als wäre es der eigene Vater oder die eigene Mutter“, bringt Willam seine Motivation zum Ausdruck.

Der Bestatter setzt sich für einen gepflegten und somit attraktiveren Friedhof ein. Mit der Radhacke kann Unkraut ohne großen Aufwand von gekiesten Friedhofswegen entfernt werden. <span class="copyright">VN/Steurer</span>
Der Bestatter setzt sich für einen gepflegten und somit attraktiveren Friedhof ein. Mit der Radhacke kann Unkraut ohne großen Aufwand von gekiesten Friedhofswegen entfernt werden. VN/Steurer

Zeitgemäße Friedhofsgestaltung

Den Friedhof sieht der Bestatter als seinen Arbeitsplatz an. „Ich erlebe täglich, wie wichtig ein Ort des Trauerns für Menschen ist, die jemanden verloren haben.“ Daher hat er im Rahmen seiner Vereinstätigkeit bei Profrieda die 1. Vorarlberger Friedhofsausstellung am Friedhof Dornbirn-Haselstauden mitorganisiert. In der Friedhofskapelle der Wallfahrtskirche Maria Heimsuchung bekommen Grabbesitzer, Trauernde, friedhofsbetreuende Personen Anregungen und Informationen, wie eine zeitgemäße, auch naturnahe Friedhofsgestaltung aussehen kann.

Bei der ersten Vorarlberger Friedhofsausstellung geht es auch um Nachhaltigkeit: Zur Abfallvermeidung werden Grabkerzen in Mehrweggläsern angeboten.<span class="copyright"> VN/Steurer</span>
Bei der ersten Vorarlberger Friedhofsausstellung geht es auch um Nachhaltigkeit: Zur Abfallvermeidung werden Grabkerzen in Mehrweggläsern angeboten. VN/Steurer
Auf dem Friedhof Dornbirn-Haselstauden gibt es einen eigenen Automaten.<span class="copyright"> VN/Steurer</span>
Auf dem Friedhof Dornbirn-Haselstauden gibt es einen eigenen Automaten. VN/Steurer

Mit dem Thema Nachhaltigkeit hat der Bestatter auch in seinen Beratungen zu tun. „Vor allem bei der Sargauswahl kommt öfter die Sprache darauf“, schildert Willam. Für ihn ein Anlass, gemeinsam mit einem Tischler aus dem Bregenzerwald naturbelassene Urnen und Särge, gefertigt aus heimischer Tanne, anzubieten.

In der Friedhofskapelle der Kirche Maria Heimsuchung in Dornbirn-Haselstauden sind Elemente der Friedhofsausstellung zu sehen. <span class="copyright">VN/Steurer</span>
In der Friedhofskapelle der Kirche Maria Heimsuchung in Dornbirn-Haselstauden sind Elemente der Friedhofsausstellung zu sehen. VN/Steurer
Im Rahmen der Friedhofsausstellung wurde auch ein Vorschlag für die Neugestaltung der Urnengräber gemacht. <span class="copyright">VN/Steurer.</span>
Im Rahmen der Friedhofsausstellung wurde auch ein Vorschlag für die Neugestaltung der Urnengräber gemacht. VN/Steurer.

Direkte Rückmeldungen

Thomas Willam räumt nach nicht ganz zehn Jahren in seinem Beruf ein, dass seine Tätigkeit herausfordernd ist. Aber er relativiert, dass der Bestatterberuf auch abwechslungsreich sei. Außerdem bekommt man in kaum einem anderen Beruf mehr direkte Rückmeldungen mittels eines „Danke“ oder durch liebe Worte. „Es tut auch gut, wenn man sieht, dass man einem anderen Halt geben und die Wünsche des Verstorbenen umsetzen konnte“, erklärt Willam, der sein Geschäftshandy immer dabeihat und so durchgängig erreichbar ist. Seine freie Zeit verbringt er am liebsten mit der Familie. Kurze Ausflüge nach Südtirol unternimmt er ebenfalls gerne. „Falls es einen Notfall gibt, bin ich aus Südtirol schnell wieder im Land“, nimmt der Quereinsteiger seine Berufung ernst.

Thomas Willam ist im Winter gerne auf Skiern, im Sommer mit dem Fahrrad unterwegs. <span class="copyright">T. Willam</span>
Thomas Willam ist im Winter gerne auf Skiern, im Sommer mit dem Fahrrad unterwegs. T. Willam

Zur Person

Thomas Willam

Beruf: Bestatter
Geburtstag: 26. September 1968
Ausbildung: HTL für Elektrotechnik
Berufsweg: In einer Versicherungsagentur tätig
Wohnort: Dornbirn
Familie: verheiratet, eine Tochter
Hobbys: Radfahren, Skifahren, Kurzurlaube