„Nach dem ersten Schultag wusste ich: Ich gehöre ins Klassenzimmer“

Von der Privatwirtschaft an die Schule: Der Lehrer-Job erfüllt Quereinsteiger Matthias Winsauer.
Dornbirn Matthias Winsauer freut sich schon auf den Schulstart. Denn der 43-Jährige ist gerne Lehrer, unterrichtet mit Freude junge Menschen. Der dreifache Vater ist seit einem Jahr im Schuldienst. Er kam im vergangenen Herbst als Quereinsteiger an die Handelsakademie (HAK) Bregenz. Zuvor war der studierte Betriebswirt in der Privatwirtschaft tätig.
Seine berufliche Laufbahn begann er beim Beschlägehersteller Blum. Dort absolvierte der Dornbirner eine Doppellehre zum Werkzeugmacher und Kunststoffverarbeiter. Nach dem Lehrabschluss machte der karriereorientierte junge Mann berufsbegleitend die Matura nach. Zuletzt arbeitete Winsauer bei Blum in der Abteilung Produktentwicklung. „Außerdem war ich für die Lehrlingsausbildung zuständig, was mir große Freude machte.“
Anstrengende Jahre
Nach zehn Jahren bei Blum orientierte sich Winsauer beruflich neu. „Zweieinhalb Jahre war ich für die Sportmarketing-Agentur Infront Austria tätig. Ich war Projektleiter für den Biathlon-Weltcup. Unter anderem war ich mit den Sportlern bei der WM in Russland im Jahr 2011.“ Dieser Job war seiner Affinität zum Sport geschuldet.

Winsauer wuchs in Dornbirn-Kehlegg auf. Von Kindesbeinen an gehörte er dem örtlichen Sportverein an. „Wir haben Fußball gespielt, sind Mountainbike und Ski gefahren.“ Seine Sportlichkeit gipfelte darin, dass er mit 23 Jahren eine Ausbildung zum Schiedsrichter machte. Als solcher brachte er es weit. „Ich war Linienrichter in der ersten Bundesliga und bei WM- und EM-Qualifikationsspielen.“ Diese Tätigkeit beanspruchte fast seine gesamte Freizeit. Auch beruflich war Winsauer fest eingespannt. Inzwischen war er für den Lebensmittelkonzern Spar tätig. „Ich war Gebietsleiter, hatte die Verantwortung für zehn Filialen. Eine meiner Hauptaufgaben war es, Mitarbeiter einzustellen. Ich habe viele Karrieregespräche mit Lehrabsolventen geführt. Es machte mir Freude, den jungen Menschen zu zeigen, was nach der Lehre möglich ist.“

Obwohl seine Tage ausgefüllt waren, studierte er nebenher noch Betriebswirtschaft an der FH Dornbirn. „Ich wollte beruflich weiterkommen und mein praktisches Wissen mit der Theorie bereichern.“ Im Jahr 2020 schloss der Vater von drei Kindern das Studium ab. „Es waren anstrengende Jahre“, gibt er unumwunden zu.
Im Vorjahr traf Winsauer eine große Entscheidung. Er wagte den Sprung an die Schule, nachdem an der HAK Bregenz die Stelle eines Wirtschaftslehrers frei geworden war. „Der Gedanke, einmal junge Menschen zu unterrichten, war schon lange in meinen Hinterkopf. Der Direktor der HAK Bezau, der mit mir befreundet ist, machte mir Mut. Mario Hammerer meinte, dass ich alle Voraussetzungen erfülle, um zu unterrichten.“

Das vergangene Schuljahr war für Winsauer ein aufregendes und intensives. „Schon nach dem ersten Schultag wusste ich, dass ich die richtige Entscheidung getroffen hatte. Es war wie ein Wow-Effekt. Ich wusste sofort, ich gehöre hierher, ins Klassenzimmer.“ Die Arbeit mit den Schülern macht ihm Spaß. „Ich gehe auf jeden einzelnen Schüler ein. Der Austausch mit ihnen ist mir wichtig. Das Allerwichtigste ist Empathie.“ Als Quereinsteiger lässt er auch seine Erfahrungen aus der Praxis in den Unterricht einfließen. „Das macht ein Fach spannender.“ Das gute Gefühl vom ersten Schultag begleitete ihn durch das ganze Schuljahr. Deshalb fühlt er sich beruflich jetzt voll angekommen. „Ich kann mir sogar vorstellen, den Lehrer-Job bis zur Pensionierung zu machen.“