Nachhaltigkeit und Klimabewusstsein im Lehrplan

Vorarlberg / 26.08.2023 • 13:00 Uhr
Nachhaltigkeit und Klimabewusstsein im Lehrplan
Die HLW an der Riedenburg hat eine neue Ausrichtung. VOL, VN/HGR

Das Sacré Coeur Riedenburg setzt auf eine neue Ausrichtung, um Jugendlichen Perspektiven zur Bewältigung des Klimawandels zu vermitteln.

von Hannah Gradischar

Bregenz Die Generation, die am stärksten von den Auswirkungen des Klimawandels betroffen sein wird, hat den geringsten Einfluss auf die Maßnahmen, die heute (nicht) gesetzt werden. Bewegungen wie Extinction Rebellion oder Fridays for Future belegen die Wut, Angst und Ohnmacht vieler Jugendlicher im Hinblick auf die bescheidenen Klimaanstrengungen der Politik.

Maria Strolz will mit dem HLH-Zweig Jugendlichen Antworten auf Fragen der Zeit liefern. <span class="copyright">vn/hgr</span>
Maria Strolz will mit dem HLH-Zweig Jugendlichen Antworten auf Fragen der Zeit liefern. vn/hgr

Jugendlichen ein umfangreiches Klimabewusstsein zu vermitteln, ist das Ziel der neuen Ausrichtung des Zweigs des Sacré Coeur Riedenburg. Die höhere Lehranstalt für Humanökologie (HLH) ist eine überarbeitete, aktuellere Version des bisherigen HLW-Zweigs. „Die Ausbildung soll in gewisser Weise ein Vordenken sein, was gesellschaftliche Fragen, die Umwelt sowie den ganzen Planeten betrifft“, erklärt Maria Strolz (56), Direktorin der Schulen Riedenburg.

Mit Bildung zum Bewusstsein

Der Klimawandel macht sich in allen Aspekten unseres Lebens bemerkbar. Reisen, Ernährung und auch die Familienplanung sind Themen, die heutzutage aus einem nachhaltigen Blickwinkel betrachtet werden müssen. Die Schülerinnen und Schüler entwickeln in der HLH ein Bewusstsein dafür, wie sie diese Probleme im eigenen Umfeld bestreiten können. Zusätzlich zum regulären Lehrplan wurde das Fach Humanökologie ergänzt. „Hier lernt man alles, was mit dem Thema Nachhaltigkeit zu tun hat. Dass junge Leute verstehen, wie eng die Bereiche Mensch, Umwelt und Gesellschaft zusammenhängen. Und dass jedes Handeln der Menschen sich auf die Umwelt auswirkt und sich dort auch niederschlägt, positiv und negativ“, so Strolz.

Auch das Thema Digitalisierung spielt eine große Rolle am Sacré Coeur. Die Klassenräume sind deshalb mit Smart Boards ausgestattet. <span class="copyright">vn/hgr</span>
Auch das Thema Digitalisierung spielt eine große Rolle am Sacré Coeur. Die Klassenräume sind deshalb mit Smart Boards ausgestattet. vn/hgr

Regionalität und nachhaltige Ernährung

Auch die fachpraktische Kochausbildung bekam ein zeitgerechtes Update. Besonderes Augenmerk wird jetzt auf Regionalität und eine modernere Gestaltung der Menüpläne gelegt. Das Kochen von Fleisch ist keine Pflicht mehr. „Jemand, der Vegetarier ist, muss natürlich kein Fleisch essen und auch keines kochen. Da gibt es vegetarische Menüs, die die Schülerin und der Schüler lernt zuzubereiten“, erklärt die Direktorin. Dass eine Kochlehre nur Sinn ergibt, wenn dabei Fleisch verarbeitet wird, findet sie unsinnig. Im Kochunterricht wird auch der Regionalität eine wichtige Rolle zugeschrieben. Ihre Lebensmittel beziehen sie von Bauern aus der Umgebung. Avocados aus Chile wird man in der Lehrküche also nicht finden.

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Eine weitere praktische Maßnahme, welche ein wichtiger Bestandteil einer ganzheitlichen Lehre darstellt, sind umweltfreundliche Klassenfahrten. „Wir sind sehr erpicht darauf, mit den Öffis zu reisen. Dieses Jahr hat kein Flug stattgefunden“, betont die Hörbranzerin.

Momentan sind die Gänge der Riedenburg leer. Während der Ferien werden alle Räume gründlich durchgeputzt.<span class="copyright"> vn/hgr</span>
Momentan sind die Gänge der Riedenburg leer. Während der Ferien werden alle Räume gründlich durchgeputzt. vn/hgr

Positive Zukunftsaussichten

Die Lehrerschaft legt großen Wert auf Feedback, um die Ausbildung an die Bedürfnisse der Schülerinnen und Schüler des Jahrgangs laufend anzupassen. „Manchmal wird es ihnen auch zu viel. Wir müssen gerade bei dieser Ausbildung aufpassen, dass Perspektiven aufgezeigt werden“, ist sich Strolz bewusst. „Wir wollen den Fokus nicht nur auf die Probleme und die fürchterlichen Szenarien, die gezeichnet werden, setzen. Sondern wir wollen den jungen Leuten vermitteln, dass noch aktiv eine Bremse eingelegt werden kann. Es ist nicht alles verloren.“

Umfrage: Das sagen die Schülerinnen und Schüler des HLH-Zweigs zu den Neuerungen

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Ich hatte am Anfang noch nie etwas vom Thema Humanökologie gehört. Für mich waren bei der Oberstufenwahl die Fächer Rechnungswesen und Betriebswirtschaft im Vordergrund. In fast jedem Fach am HLH-Zweig geht es in irgendeiner Weise um das Thema Umwelt, es wird also sehr viel darüber gesprochen. Im Kochunterricht wird vor allem die Regionalität vorgelebt, fast alle Lebensmittel kommen dabei von Bauern aus der Umgebung. Da wir im Unterricht schon so viel über das Klima reden, ist es innerhalb der Klasse kein Thema bei uns. Irgendwann hat man keine Lust mehr, darüber zu sprechen.

Jaydan Serafin, 15 Jahre aus Dornbirn
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aha

Ich wusste gleich, dass ich in die HLW will, da ich damit in meiner Zukunft am meisten Möglichkeiten habe. Als die HLW zur HLH überarbeitet wurde, dachte ich mir: Wieso eigentlich nicht? Das ist mal etwas Neues und der Klimawandel und Nachhaltigkeit sind mir wichtig. In diesem Zweig haben wir sehr viele Projekte, die interessant sind und Spaß machen. Es ist auf jeden Fall besser als nur in der Klasse zu sitzen und man hat mehr Motivation zum Lernen. Bei manchen Projekten funktioniert die Umsetzung zwar noch nicht so gut, ich hoffe aber, dass dies im nächsten Jahr verbessert wird.

Raphaela Murtinger, 15 Jahre aus Bregenz

3 Tipps der Schülerinnen und Schüler für Nachhaltigkeit im Alltag

– Den Kühlschrank in eine kühle Ecke stellen

– Lebensmittel auf Bauernmärkten regional und saisonal einkaufen

– Wenn die Klimaanlage läuft, Fenster zu