Ein Fahrzeug pro Sekunde

Auf der Rheintalautobahn nimmt der Verkehr ungewöhnlich stark zu, wie die ASFINAG bestätigt.
SCHWARZACH. Ein Fahrzeug pro Sekunde. Und zwar durchschnittlich über 24 Stunden hinweg, in Wirklichkeit also einmal mehr und einmal weniger. Dieses Niveau hat das Verkehrsaufkommen auf der Rheintalautobahn (A14) bei der ASFINAG-Zählstelle Wolfurt-Lauterach an Freitagen im heurigen Juni erreicht. Da wurden im Mittel jeweils über 80.000 Autos, Motorräder und Lastkraftwagen erfasst.
Die Entwicklung in diesem Abschnitt steht im Zeichen des Wachstums: „An besagter Zählstelle ist das Verkehrsaufkommen mittlerweile über dem Vor-Corona-Niveau“, betätigt ASINAG-Sprecher Christoph Pollinger. Im gesamten Juni kamen hier durchschnittlich 71.354 Fahrzeuge pro Tag vorbei. Das waren um gut ein Zehntel mehr als vor der Pandemie, in der Beschränkungen zu einem Einbruch geführt hatten.
Österreichweit noch unter Vor-Corona-Niveau
„Normal“ in dem Sinne, als die Zahlen vom Boden- bis zum Neusiedlersee wieder nach oben gehen würden, ist das nicht. Im Gegenteil: Diese Zuwächse, die es auf der Rheintalautobahn gibt, sind eher untypisch. „Auf das gesamte hochrangige österreichische Straßennetz bezogen, liegt das Verkehrsaufkommen noch immer knapp unter dem Vor-Corona-Niveau“, berichtet Pollinger.
Michael Schwendinger vom „Verkehrsclub Österreich“ (VCÖ) weist auf ein bemerkenswertes Detail hin: „Interessant ist, dass die Zunahme auf der Rheintalautobahn vor allem auf den Pkw-Verkehr zurückzuführen ist.“ Der Lkw-Verkehr sei zuletzt sogar unter dem des Vorjahres geblieben. Zumindest das scheint dem Bundestrend zu entsprechen: „Wir erwarten für 2023 einen Rückgang der Fahrleistung gegenüber 2022“, erklärt ASFINAG-Sprecher Pollinger. Ausschlaggebend dafür dürfte die schwierige wirtschaftliche Lage sein.

VCÖ-Mann Schwendinger sieht aufgrund der Entwicklung des Pkw-Verkehrs Handlungsbedarf: „Um die Klimaziele zu erreichen, ist ein „Weiter wie bisher“ keine Option.“ Zumal ein erheblicher Teil mit Arbeitswegen zusammenhänge, sieht er nicht zuletzt Unternehmen in der Verantwortung. Zum Beispiel durch die Bereitstellung von Öffi-Tickets und Job-Fahrrädern. In Vorarlberg gebe es mit dem „Netzwerk Wirtschaft Mobil“ immerhin aber ein Vorzeigeprojekt von Unternehmen zur Bewältigung der Herausforderungen.
Auf der Rheintalautobahn steigt das Verkehrsaufkommen längerfristig schon seit Jahrzehnten. Wo liegen die Kapazitätsgrenzen, sind sie schon in Sicht? „Nein“, lässt Pollinger wissen: „Der aktuelle Auslastungsgrad auf der A14 liegt im mittleren Bereich.“

Wenig überraschend ganz anders schaut es heuer auf der Arlbergschnellstraße (S16) aus. Bei der Zählstelle Dalaaser Tunnel wurden im Juni durchschnittlich 10.384 Fahrzeuge registriert. Das waren um fast ein Viertel weniger als im Vor-Corona-Jahr 2019, aber auch viel weniger als 2022. Kein Wunder: Der Arlbergtunnel ist aufgrund von Sanierungsarbeiten gesperrt. „Die kommunizierte beziehungsweise für den Schwerverkehr verpflichtende großräumige Umfahrung führt natürlich zu einem Rückgang“, so Pollinger. Wohin sich der Verkehr verlagere, könne derzeit nicht beantwortet werden. Eine Untersuchung der nationalen, aber auch internationalen Auswirkungen der Tunnelsperre sei jedoch angedacht.