Wie die Hitze den Gletschern weiter zusetzt

Nach Rekordschmelze der letzten Messungen droht weiterer massiver Rückzug der heimischen Gletscher.
Thüringerberg Die Vorzeichen sind keine guten. Vorarlberg hat sich zum Glutofen erhitzt. Die hohen Temperaturen dürften auch den heimischen Gletschern weiter zusetzen. Die Lage hat sich zuletzt bereits dramatisch zugespitzt. Nie zuvor war das “ewige Eis” innerhalb eines Jahres so stark geschmolzen, wie der Gletscherbericht des Alpenvereins für die Periode 2021/22 dokumentiert. In Vorarlberg führt Günther Groß (73) diese Längenmessungen am Ochsentaler Gletscher durch. 43 Meter waren es bei der letzten Messung, die dahingeschmolzen sind. Zu warm und zu wenig Niederschlag: So lassen sich die Gründe allgemein zusammenfassen. Das sind aber längst nicht alle Faktoren.

Noch sei es für eine seriöse Einschätzung der aktuellen Situation zu früh, sagt Groß. Die nächsten Messungen finden erst im September statt. Eines nimmt der Gletscher-Experte aber vorweg: “Was mir berichtet wird und was ich sehe, lässt nichts Gutes erahnen.” Dabei war es in den letzten Wochen nicht immer nur schön. Viel Regen, in hohen Lagen ist bisweilen Schnee gefallen. Das schlechte Wetter habe allerdings nicht den gewünschten Effekt gebracht, weil es danach gleich wieder sehr warm gewesen sei. Überhaupt würde der sommerliche Schnee nicht mehr langanhaltend Wirkung zeigen. “Die Abschmelzung wird nur noch für ein paar Tage gemindert.”
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Zum Wochenende soll es mit den Temperaturen wieder deutlich nach unten gehen. Ein Hoffnungsschimmer für die schwer angeschlagenen Gletscher. Experte Günther Groß relativiert allerdings. “Die Gletscher sind von den letzten Jahren schon so geschädigt, dass dieser Abkühlungseffekt nicht mehr so wirksam ist wie noch vor Jahrzehnten.” Die Gletscherschmelze hat sich jedenfalls beschleunigt. Nicht nur in der Länge, sondern im Volumen insgesamt, bekräftigt Groß. Prozentuell hätten die Gletscher im Silvrettagebiet aufgrund verschiedener Faktoren mehr Volumen verloren als etwa im Ötztal.
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Überhaupt waren in der letzten Messperiode die Gründe für den starken Rückgang vielfältig. Das trifft auch auf den Ochsentaler Gletscher zu. So habe ihm etwa auch der Sahara-Staub stark zugesetzt. Zudem seien die Ränder verstärkt schneefrei. Die Sonne wärmt die Felsinseln auf, was die Schmelze weiter beschleunigt.
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Die Hoffnungen schmelzen wie das Eis selbst. “Geht die Entgletscherung so weiter, dann könnte Österreich um das Jahr 2075 weitgehend gletscherfrei sein”, wie Andreas Kellerer-Pirklbauer von der Uni Graz bei der Präsentation des aktuellen Gletscherberichts sagte. Die Periode 2021/22 war jedenfalls die verheerendste in der Messgeschichte, schlimmer noch als jene im Hitzesommer 2003. So lag der durchschnittliche Längenverlust der heimischen Gletscher bei 28,7 Metern und damit beim 2,6-Fachen zum Jahr davor. Der Ochsentaler Gletscher zog sich gar um 43 Meter zurück.
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Die weltweite Gletscherschmelze könnte fatale Folgen haben, worauf Experten immer wieder hinweisen. Sie trägt demnach nicht zur zum Anstieg der Meeresspiegel, sondern auch zu Überschwemmungen und zu Schlammlawinen bei. Regional könne der fehlende natürliche Wasserspeicher im Gebirge zudem auch zu Trockenheit führen.