Wie Quereinsteiger als Gemüsebauern durchstarten

Vorarlberg / 09.08.2023 • 17:20 Uhr
Wie Quereinsteiger als Gemüsebauern durchstarten
Auch dieses Quartett hat es in den vergangenen Jahren auf das Feld gezogen. VN/MEF (alle)

Anbau von Tomaten, Kohlrabi, Zucchini und Co. legt in Vorarlberg weiter zu. Dabei zieht es vor allem auch eine neue Generation von Gemüsebauern auf die Felder.

Andelsbuch „Gemüseanbau funktioniert auch im Bregenzerwald“, sagt Neo-Gemüsebauer Philipp Mattes und liefert dazu bei einer Pressekonferenz der Landwirtschaftskammer (LK) zum Thema Gemüseanbau auch gleich den Beweis. Auf dem Feld mitten in Andelsbuch wachsen gerade Salat, Buschbohnen, Kohlrabi oder Zucchini heran. Insgesamt werden bei „Greenzeug“ auf 1400 Quadratmetern am Feld und in einem Gewächshaus Gemüse angebaut.

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„Anfangs waren es 50 Sorten. Inzwischen sind es aus Platzgründen etwas weniger“, erklärt Mattes. Erhältlich ist das Gemüse in der Gärtnerei seiner Ehefrau Regina gleich nebenan. 20 Prozent gehen an Gastronomiebetriebe.

In Andelsbuch kommen allerhand Sorten auf den Tisch.
In Andelsbuch kommen allerhand Sorten auf den Tisch.

Mattes zählt als Quereinsteiger zu einer neuen Generation von Gemüsebauern in Vorarlberg. „Ich wollte einen Beruf, bei dem ich von Anfang bis zum Schluss bei der Produktion dabei sein kann“, erläutert der gelernte Werkzeugmechaniker seine Motivation. Für ihn ist der Bodenschutz das höchste Gut. Daher werden bei „Greenzeug“ auch keine Pflanzenschutzmittel verwendet. Außerdem stehen auch alte Sorten im Fokus. „Diese sehen vielleicht nicht immer schön aus. Aber es geht ja um den Geschmack“, ist sich Mattes sicher.

Daniel Köllinger hat seine Vorliebe für Gemüse nach dem Studium und während der Pandemie entdeckt.
Daniel Köllinger hat seine Vorliebe für Gemüse nach dem Studium und während der Pandemie entdeckt.

Auch Daniel Köllinger hat seine Vorliebe für Gemüse erst vor Kurzem entdeckt. Genauer gesagt, nachdem er in Wien Agrarwissenschaft studiert hat und während der Pandemie wieder nach Vorarlberg gezogen ist. „Angefangen habe ich sozusagen mit einem Kässele bei einer Straßenlaterne“, berichtet Köllinger und schmunzelt. Mit Unterstützung der Landwirtschaftskammer hat er sich „Kölle´s Market Garden“ aufgebaut. Sein Bio-Gemüse gibt es inzwischen nicht mehr nur am Markt in Hohenems zu kaufen. Der Unternehmer liefert auch an Lebensmittelhändler und Gemeinschaftsverpfleger. Außerdem hat er die digitale Vermarktungsplattform „Körix“ für sich entdeckt.

Jürgen Mathis setzt unter anderem auf das Modell der Solidarischen Landwirtschaft.
Jürgen Mathis setzt unter anderem auf das Modell der Solidarischen Landwirtschaft.

Neben Mattes und Köllinger zählt auch Jürgen Mathis zu den Quereinsteigern im Gemüsebau. Der ehemalige Buchhalter, Steuerberater und Zimmermann setzt auf das Modell der Solidarischen Landwirtschaft, sowie Vermarktung über Wochenmarkt und Gastropartner. Inzwischen ist aus Solawi-Erdreich in Hohenems ein Zwei-Mann-Betrieb geworden. „Eine Herausforderung sind die vielen Fragestellungen, wenn die Kunden kommen, um das Gemüse abzuholen“, berichtet er von seinen Erfahrungen.

Michaela Dürr ist der Sozialgedanke sehr wichtig.
Michaela Dürr ist der Sozialgedanke sehr wichtig.

Erste Schritte als Gemüsebäuerin geht des Weiteren Michaela Dürr in Koblach. Sie kommt aus dem Sozialbereich und ihr Herzenswunsch ist es daher auch, den Sozialgedanken in ihren „Market Garden“ mitzutragen. „Ich könnte mir beispielsweise vorstellen, Menschen mit Beeinträchtigung anzustellen oder mit älteren Menschen mit Demenzerkrankung zusammenzuarbeiten“, erläutert sie ihre Zukunftsideen. Derzeit ist Dürrs Gemüse am Markt in Feldkirch, in Bioläden und in der Gastronomie zu finden.

Landwirtschaftskammer-Präsident Josef Moosbrugger sieht eine große Chance in Kooperationen. <span class="copyright">VN/Stiplovsek</span>
Landwirtschaftskammer-Präsident Josef Moosbrugger sieht eine große Chance in Kooperationen. VN/Stiplovsek

Neben dem Quartett freut sich auch Landwirtschaftskammerpräsident Josef Moosbrugger über das Gemüse aus heimischen Anbau: „In Vorarlberg gibt es nicht nur Kühe und Milch. Es tut sich auch im Gemüseanbau was.“ Gerade seit dem EU-Beitritt hätte die Vielfalt zugenommen. Klar sei aber natürlich, dass die Vorarlberger im Gemüseanbau für den Großhandel aufgrund der Topografie und der Witterungsverhältnisse nicht mithalten könnten. Der LK-Präsident sieht allerdings eine große Chance für Kooperationen zwischen Gemüsebauern und Gastronomen sowie Gärtnereien.

Philipp Mattes (m.) erläuterte den Berufskollegen sowie Josef Moosbrugger und LK-Gartenreferent Harald Rammel (2. v. l.) sein Konzept. <span class="copyright">VN/Stiplovsek</span>
Philipp Mattes (m.) erläuterte den Berufskollegen sowie Josef Moosbrugger und LK-Gartenreferent Harald Rammel (2. v. l.) sein Konzept. VN/Stiplovsek

LK-Gartenreferent Harald Rammel darf unterdessen von rund 50 Gemüseanbaubetrieben im Haupt- und Nebenerwerb berichten. Da der Einstieg aufgrund vieler Kulturen nicht immer einfach sei, verwies der Experte auf die Ausbildungsangebote der Landwirtschaftskammer. „Wir sind da sehr gut unterstützt worden“, berichtet Philipp Mattes und lässt trotz des wettertechnisch herausfordernden Jahres einen zufriedenen Blick über sein Gemüse schweifen.

Gemüseanbau in Vorarlberg

– ca. 50 Gemüseanbaubetriebe

– ca. 70 Hektar Grundfläche, mit ca. 1,8 Belegungen pro Jahr ergibt eine Anbaufläche von 125 Hektar

– ca. 1,8 Hektar geschützter Anbau in Folientunneln und Gewächshäusern

– Regionen: vom Rheindelta bis Feldkirch, Großraum Ludesch, vereinzelt in Talschaften

– Gesamtmenge Gemüse: ca. 3800 Tonnen pro Jahr

– derzeit verbraucht jede Österreicherin und jeder Österreicher 124 Kilo Gemüse pro Jahr (plus 7 Prozent gegenüber 2020/21)