Nach 52 Jahren: Nächste Bergbahn vor dem Aus

Außerordentliche Gesellschafterversammlung wird einberufen: Am Ende der Sommersaison soll der Liftbetrieb in Andelsbuch eingestellt werden.
Andelsbuch Es ist die nächste Hiobsbotschaft für den Tourismus und die Menschen im Bregenzerwald. Wieder steht eine Bergbahn vor dem Aus. Nach Alberschwende soll nun auch in Andelsbuch der Betrieb am Ende der Sommersaison eingestellt werden. Endgültig. Ein entsprechendes Schreiben an die Gesellschafter ist bereits unterwegs. Geschäftsführer und Beirat der Bahn wollen am 27. September auf einer außerordentlichen Gesellschafterversammlung einen dahingehenden Vorschlag zur Abstimmung bringen.

Bernhard Kleber (56) ist Bürgermeister in der knapp 2700 Einwohner zählenden Gemeinde. Seit den 1980er-Jahren kümmert sich Kleber um die kaufmännischen Angelegenheiten der Bahn, ist seit 2007 deren Geschäftsführer. Die Bahn auf die Niedere ist für ihn eine Herzensangelegenheit. „Es ist natürlich eine bittere Stunde für uns“, bestätigt der Bürgermeister laut VN-Informationen zum bevorstehenden Aus.

Der Kampf für den Erhalt der Bahn scheint demnach verloren zu sein. „Wir wissen schon lange, dass wir die Anlage erneuern müssen“, so Kleber. Auch die Wirtschaftlichkeit sei schon länger nicht mehr gegeben. Allein seit 2010 haben die Gemeinde als größte Gesellschafterin (rund 40 Prozent) 900.000 Euro und das Land Vorarlberg (33 Prozent) 250.000 Euro in dringend erforderliche Erhaltungsmaßnahmen und zur Deckung jährlicher Abgänge bereitgestellt.

Mit Ende der Sommersaison 2023 stünde jetzt eine technische Überprüfung der Bahn, wie sie alle fünf Jahre vorgeschrieben ist, an. Es ist mit erheblichen finanziellen Aufwendungen zu rechnen. Schlimmer sei aber, dass im nächsten Jahr eine neue Verordnung des Bundes in Kraft treten soll, so Bernhard Kleber. Bahnen, die älter als 40 Jahre sind, müssten technisch demnach auf den Stand von 2003 gebracht werden. „Für unsere Doppelsessellifte wäre das gleichbedeutend mit einem Neubau“, sagt der Bürgermeister.

Ein Neubau ist freilich schon seit vielen Jahren Thema. Er sei intensiv geprüft worden. Schließlich habe alles für eine Umlaufbahn mit Gondeln gesprochen. Die Investitionskosten von zumindest 15 Millionen Euro sowie weitreichende Maßnahmen wie zusätzliche Attraktionen am Berg, bessere Infrastruktur, mehr Parkplätze bei der Talstation und eine verbesserte Zufahrt waren zu große Hürden. „Es ist einfach nicht gelungen, einen gemeinsamen Konsens für einen Neubau zu finden“, beschreibt Kleber. „In Summe sind es schlussendlich viele Bausteine, die nicht aufeinanderpassen.“

Die Tage der beliebten Bahn scheinen gezählt. „Die Gemeinde verliert ein wichtiges Naherholungsgebiet, das wir über 50 Jahre genießen konnten“, bedauert Bürgermeister Kleber. Bitter sei das Aus der Bergbahn auch für die Tourismusregion selbst. Seit den 1980er-Jahren sind es jährlich tausende Paragleiter, die es wegen der außergewöhnlichen Thermik am Rücken der Niedere in den Bregenzerwald zieht.

Bernhard Kleber fällt es sichtlich schwer, sich mit der Tatsache einer möglichen Betriebseinstellung abzufinden. Aber auch er weiß: Nur ein Wunder kann die Bahn auf die Niedere, deren beide Streckenabschnitte 1971 und 1972 errichtet wurden, noch retten. Dem Bregenzerwald droht jedenfalls eine weitere Attraktion verloren zu gehen.
