Wie KI Arbeitsprozesse in Unternehmen revolutionieren kann

Roman Fessler ist Gründer der KI-Trainingsakademie in Bregenz und beschäftigt sich mit der praktischen Anwendung von Künstlicher Intelligenz (KI) in Unternehmen.
Schwarzach Chatbots, Automatisierung, maschinelles Lernen – das Thema Künstliche Intelligenz (KI) ist keine Science-Fiction mehr und dringt derzeit in immer mehr Lebensbereiche ein. So macht sie auch vor Unternehmen keinen Halt. „Es ist die fünfte technische Revolution“, ist sich Dr. Roman Fessler sicher. Der Bregenzer ist Unternehmenscoach und Gründer der KI-Trainingsakademie K.I.T.A. in Bregenz, mit der er gemeinsam mit neun KI-Experten Unternehmen dabei unterstützen will, die vielfältigen Möglichkeiten der noch jungen Technologie zu erkennen und effektiv zu nutzen.

Prompting als neue Fähigkeit
Fessler sieht KI nicht als Bedrohung, sondern als Chance: „Das Potenzial ist enorm. Im Arbeitsalltag können Routineaufgaben zum Beispiel in Bürojobs effizienter und einfacher gestaltet werden. Textverarbeitung, Präsentationen oder die Verwendung von ChatGPT in Kombination mit der Internetrecherche sind nur einige Beispiele“, zählt Fessler auf. Bis 2030 könnten laut einer McKinsey-Studie durch die von generativer KI angetriebene Automatisierung allein in den USA 1,6 Millionen Bürojobs wegfallen. Betroffen davon seien Bereiche wie Kundenservice, Vertrieb, Innendienst, Steuerberatung, Buchhaltung, aber auch der juristische Bereich.

Dass mit der Einführung des Chatbots ChatGPT und anderer Sprachmodelle die breite Masse einen niederschwelligen Zugang zu KI bekommen hat, sieht der 55-Jährige als Win-win-Situation: „Beschäftigte können sich Zeit sparen und Unternehmer haben die Möglichkeit, die Produktivität zu erhöhen.“ In Zukunft werde in Stellenausschreibungen wohl nicht MS Office als Fähigkeit verlangt werden, sondern eher Kenntnisse in Prompt Design und Engineering sowie KI-Anwendungen gesucht werden, ist Fessler überzeugt.
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Besonders die sogenannten Plug-ins sind eine der großen Stärken von ChatGPT 4. Die Erweiterungen können direkt im Chatfenster installiert und aktiviert werden. „Mit dem Plug-in PDF Reader ist es zum Beispiel möglich, mit einem 300-seitigen Dokument in Kommunikation zu treten.“ Natürlich müsse die Kontrolle immer beim Menschen liegen: „Sprachmodelle sind als intelligente digitale Assistenten zu verstehen. Die Endkontrolle, egal bei welchem Prompt, sollte jedoch beim Menschen liegen und Texte nicht einfach 1:1 übernommen werden“, gibt Fessler, der zum Thema einen Praxisratgeber geschrieben hat, zu bedenken.

„Ins Tun kommen“
Weitere wichtige Punkte sind der Datenschutz und das Urheberrecht: „Der AI-Act, das KI-Gesetz der Europäischen Union, befindet sich in der finalen Phase der Gesetzgebung. Jedes Unternehmen hat die Möglichkeit, eigene Richtlinien zu erstellen, die den Umgang der Mitarbeiter mit diesen neuen Technologien regeln.“ Natürlich sei aber auch die Eigenverantwortung gefragt. Man müsse sich bewusst sein, dass sensible Daten oder Kundendaten auf Servern in den USA landen. „Wie diese verwendet werden, ist nicht klar. Solche sensiblen Daten sollten nur anonymisiert in den Chatbot eingegeben werden“, erklärt Fessler, der zuvor im Bankwesen tätig war und seit 15 Jahren als Unternehmensberater tätig ist.
Sein Rat sowohl für Unternehmen als auch Angestellte, die vielleicht noch am Beginn dieser technischen Revolution stehen, lautet: „Ins Tun kommen und ausprobieren. Wieso warten, wenn man jetzt schon mit relativ geringen finanziellen Mitteln die Möglichkeiten von KI erkunden kann?“