Kollision mit der MS St. Gallen: Diese Regeln gelten am Bodensee

Vorarlberg / 01.08.2023 • 16:10 Uhr
Kollision mit der MS St. Gallen: Diese Regeln gelten am Bodensee
Die St. Gallen rammte ein Motorboot, scheinbar von hinten. Alessandro Rupp von den Vorarlberg Lines und Cordy Rohner von der Schifffahrtschule in Fußach erklären die Hintergründe. Wikicommons/Joachim Kohler, VN/STeurer, Rohner

Das Passagierschiff rammte am Sonntag ein Sportboot. Wie es so weit kommen konnte.

Bregenz, Langenargen Am Sonntagnachmittag kollidierte die gut besuchte MS St. Gallen der Schweizerischen Bodensee-Schifffahrtsgesellschaft mit einem Motorboot in der Nähe von Langenargen. Der Schiffsführer des Motorboots bemerkte das von schräg hinten heranfahrende und hupende Schiff zu spät, sodass eine Kollision nicht mehr vermieden werden konnte, erklärt die deutsche Wasserschutzpolizei. Der Schaden liegt bei 15.000 Euro, verletzt wurde scheinbar niemand.

Kollision mit der MS St. Gallen: Diese Regeln gelten am Bodensee

Grundsätzlich gilt, dass die Linienschiffe am Bodensee Vorrang haben. Erkennbar sind diese an dem grünen Kreis oberhalb der Brücke, bei schlechter Sicht ist es ein grünes Licht. Alle anderen Boote am See haben diesen Schiffen den Weg zu räumen. „Es ist natürlich Achtsamkeit von beiden Seiten notwendig”, betont Geschäftsführer Alessandro Rupp der Vorarlberg Lines dennoch. „Aber schlussendlich müssen die Regeln eingehalten werden.”

Alessandro Rupp von den Vorarlberg Lines betont, dass solche Unfälle selten sind. Hinter ihm ist an den Masten der Schiffe der grüne Punkt erkennbar, der ihre Vorrangsrechte signalisiert. <span class="copyright">VN/Steurer</span>
Alessandro Rupp von den Vorarlberg Lines betont, dass solche Unfälle selten sind. Hinter ihm ist an den Masten der Schiffe der grüne Punkt erkennbar, der ihre Vorrangsrechte signalisiert. VN/Steurer

In diesem Falle beginnt dies damit, vonseiten des Passagierschiffs die notwendigen Signale früh genug zu setzen, sei es akustisch oder optisch. Auf dem See ist die Sicht meist weit genug, um diese rechtzeitig zu setzen und zu reagieren. Und die Verantwortung, auszuweichen, liege mit gutem Grund bei den kleineren, agilen Booten. „Mit einem Linienschiff kannst du nicht einfach einen Rank machen”, betont Rupp die Schwerfälligkeit der großen Boote. „Zu sagen, ich fahre schnell rechts weg, ist da leichter gesagt als getan.” Dasselbe gilt auch mit Blick auf die Bremsstrecke eines Wasserfahrzeuges.

Linienschiffe haben Vorrang

Grundsätzlich seien die Strecken der Linienschifffahrt bekannt, entsprechend brauche es in diesen Linien besondere Achtsamkeit – vor allem, wenn viel auf dem See los ist und die Ausweichmöglichkeiten begrenzt. Dies half jedoch einer deutschen Familie im August 2016 nicht, als der Linien-Katamaran „Constanze” der Konstanzer Stadtwerke ihre Segeljacht rammte und überfuhr. Die 120.000 Euro teure Yacht sank auf den Grund des Bodensees, das Ehepaar überlebte. Hier trug der Schiffsführer des Katamarans die Schuld, da er aufgrund einer Einführung an Deck abgelenkt war und trotz aller Vorfahrt die notwendige Achtsamkeit vermissen ließ. „Grundsätzlich muss jeder Bootskapitän immer reagieren können”, fasst Rupp zusammen.

Kollision mit der MS St. Gallen: Diese Regeln gelten am Bodensee
Cordy Rohner und Brigitte Nußbaumer-Rohner betreiben eine Motor- und Segelbootschule in Fußach. Rohner

„Als Hobbybötler muss ich wissen, dass die Linienschiffe Vorrang haben”, bestätigt auch Cordy Rohner von der Motor- und Segelbootschule Fußach. Schlussendlich liege aber bei allen Kapitänen die Verantwortung, das „Manöver des letzten Augenblicks” einzuleiten, um eine Kollision zu vermeiden. In diesem Fall sei es schwierig zu sagen, was genau die Ursache für den Zusammenstoß war, aber Rohner ist überzeugt, dass es kein Schiffsführer darauf ankommen lässt. „Es gibt aber schon eine gewisse Rivalität zwischen manchen Freizeitsportlern und Fahrgastkapitänen”, räumt Rohner ein mögliches Problem ein. Aber dies seien nur wenige schwarze Schafe, der überwiegende Teil kenne die Regeln und befolge diese. „Seemannschaft bedeutet in erster Linie, Rücksicht zu nehmen”, betont Rohner.

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Dennoch, es ist viel los auf dem See. Gerade bei den Hafeneinfahrten als natürliche Nadelöhre des Seeverkehrs gebe es immer wieder heikle Situationen, jedoch sieht Rupp keine Verschlechterung der Situation am Bodensee. „Es ist wie im Straßenverkehr: Überall, wo viel Bewegung ist, kann etwas passieren”, will der Geschäftsführer der Bodensee Lines den Unfall nicht überbewerten. „Wenn jeder Rücksicht nimmt und die Schifffahrtsordnung berücksichtigt, funktioniert es.”