Lehrermangel: So wirbt Vorarlberg um Lehrer aus dem Burgenland

“Kopfprämie” für Lehrpersonal aus dem Burgenland. Vorarlberg bietet 6500 Euro.
Bregenz, Eisenstadt Das gute alte Kopfgeld. Bekannt aus Western als Belohnung für das Ergreifen von gesuchten Missetätern. Doch der Begriff Kopfgeld muss keinen beängstigenden Beigeschmack haben. Im Burgenland klingt er dieser Tage ausschließlich verlockend. Auf Plakaten macht im östlichsten Bundesland das westlichste genau so auf sich aufmerksam. „Lust zu unterrichten?”, heißt es da in großen Lettern. „Lehrperson gesucht. Unterrichten in Vorarlberg und 6.500 Euro Prämie sichern.”

In Vorarlberg wird bei diversen Veranstaltungen immer wieder auf die Probleme im Bildungsbereich aufmerksam gemacht. VN/Steurer
Nur das Burgenland
“Geht’s noch?”, twitterte darob ein Burgenländer. „Uns im Burgenland Lehrer abwerben. Mit 6500 Euro Prämie?” Es geht. Davon ist man jedenfalls in der Bildungsdirektion Vorarlberg überzeugt. „Wir haben uns vorher vergewissert, dass es im Burgenland keinen Bedarf an Lehrpersonen mehr gibt. Und erst als wir das wussten, haben wir uns für die Werbekampagne ausschließlich in diesem Bundesland entschieden”, rechtfertigt sich Heiko Richter (51). Richter ist seit einem Tag neuer Bildungsdirektor in Vorarlberg und war zuvor im Rahmen des Projekts „Arbeitsplatz Schule” für die Rekrutierung von pädagogischem Personal in Vorarlberg zuständig.

Der neue Bildungsdirektor Heiko Richter hat auch bereits bei VorarlbergLIVE über seine Strategien zur Rekrutierung von Lehrpersonal Einblicke gegeben. VorarlbergLIVE
In diversen Sitzungen mit Bildungsverantwortlichen aus den anderen Bundesländern habe man diese Werbestrategie kommuniziert und sich einen Gesamtüberblick über die bundesweite Personalsituation verschaffen können.
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Prämie umfasst zwei Jahre
Die 6.500-Euro-Prämie lässt sich laut Richter folgendermaßen erklären: „Sie setzt sich aus einem monatlichen Wohnungszuschuss und der Finanzierung eines Klimatickets zusammen. Sie umfasst einen Zeitraum von zwei Jahren.” Die Zielgruppe seien Personen zwischen 40 und 50 Jahren, für die im Burgenland kein Bedarf sei . „Diese Personen haben ihre Wurzeln im Burgenland und möchten natürlich regelmäßig zu ihren Familien nach Hause fahren”, betont Richter. Werben würde man auch über Social-Media-Kanäle. Die Werbe-kampagne laufe noch bis zum 27. August.

Schöbi-Fink steht hinter der Maßnahme
Auch Schullandesrätin Barbara Schöbi-Fink (62, ÖVP) verteidigt die Werbekampagne im Burgenland. „Die Kampagne richtet sich an Personen in Bundesländern, in denen kein Leher(innen)mangel herrscht”, stellt Schöbi-Fink klar. Zu den attraktiven Perspektiven für die Zielgruppe gehöre auch Mietkostenzuschuss und Klimaticket. Die Maßnahme zeige bereits Wirkung.

„Bemerkenswert” findet man in der Bildungsdirektion Burgenland die Kampagne der Vorarlberger. „Wir haben Verständnis für die Nöte in Vorarlberg und hegen keinen Groll”, sagt Matthias Vlasits, Büroleiter von Bildungsdirektor Heinz Josef Zitz. Relativierender Nachsatz: „Darüber unterhalten müssen wir uns allerdings schon noch.” Vlasits bestätigt die „stabile” Personalsituation im Burgenland. Frisch ausgebildete Lehrkräfte würden gerne einmal weg von zu Hause Erfahrungen sammeln. „Die meisten kommen dann aber wieder zurück.”
Viele Stunden noch offen
Laut Bildungsdirektion (BID) Vorarlberg sind für das kommende Schuljahr noch 171 Stunden an höheren Schulen nicht besetzt. An den Volksschulen gebe es noch 66 offene Stunden für die Abdeckung des Mindestbedarfs, an den Mittelschulen sind nach BID-Angaben noch 84 Stunden offen.
„Darin nicht enthalten sind natürlich viele Zusatzangebote, die es bisher gab”, weist Pflichtschullehrervertreter Willi Witzemann auf die nach wie vor angespannte Situation in Vorarlberg hin.