Wenn der Wolf kommt, sollte man …

WWF Österreich wirbt massiv für Herdenschutz, während sich Abschüsse von Wölfen häufen.
Schwarzach Der Wolf ist los in der Republik. Und damit einhergehend erhitzen sich die Gemüter von Nutztierhalter, deren Tiere Opfer von Wolfsrissen wurden. In einigen Bundesländern gibt es bereits Verordnungen zur Genehmigung von Abschüssen von sogenannten Problemwölfen. Auch in Vorarlberg sind Bemühungen in Gang, eine derartige Vorgehensweise zu ermöglichen – vor dem Hintergrund der tödlichen Attacken auf Ziegen im Silbertal.

Regulierungsfunktion
Diese Entwicklungen gefallen dem World Wildlife Fund Österreich ganz und gar nicht. In einem Gespräch mit VN.at erläuterte WWF-Wolfsexperte Christian Pichler die Position der Organisation in Sachen Wolf. Kernaussage: „Der Wolf hat seine Berechtigung auch bei uns.“ Der Räuber übe eine wichtige Regulierungsfunktion für die Wälder aus, fungiere als eine Art Polizei gegen Wild-TBC und andere Tierkrankheiten. „Der Wolf ist nützlich für einen gesunden Wildbestand und hat damit auch eine wichtige Funktion für die Erhaltung des Schutzwaldes“, betont Pichler.

Herdenschutz
Nur effektiver Herdenschutz helfe dabei gegen Risse von Nutztieren. „Abschüsse bringen nichts, sind zudem EU-rechtlich nicht erlaubt, weil der Wolf streng geschützt ist“, hält Pichler fest.
165 Nutztiere riss das Raubtier im ersten Halbjahr 2023, davon 162 Schafe und Ziegen. Dem gegenüber stehen acht getötete Wölfe, sechs davon in Kärnten, einer in Osttirol und einer in Salzburg. In Niederösterreich wurde unlängst ein Wolf illegal geschossen.

Pichler erwähnte die drei Herdenschutzprojekte in Tirol, in die in über fünf Jahren eine Million Euro investiert wurde. „Dort wurden mit Hirten und Hunden 1400 Schafe erfolgreich betreut.“ Der Wolfsexperte fordert mehr Unterstützung von der öffentlichen Hand, bessere Rahmenbedingungen und Bezahlung von Hirten. „Nur so wird’s gehen.“

Große Schutzhunde
Leopold Feichtinger, ein Schafzüchter aus Hermagor in Kärnten, berichtete dabei von seinen Erfahrungen. Der Nebenerwerbslandwirt verfügt über mobile Elektrozäune genauso wie über zwei ausgebildete große Hirtenhunde. Seine Schafe seien bisher im Gegensatz zu anderen Herden in Kärnten unbehelligt geblieben. „Der zuständige Landesrat hier macht überhaupt nichts für Herdenschutz. Es gibt für Schutzmaßnahmen null Unterstützung. Propagiert wird hier nur der Abschuss des Wolfes“, beklagt sich Feichtinger.

Der Biologe räumte ein, dass seine Schafzucht nicht wirtschaftlich geführt werden kann. „Ich habe einen Hauptjob, sonst könnte ich das nicht machen.“
Wolfsexperte Pichler schätzt, dass es in Österreich derzeit sieben Rudel und 40 Einzelwölfe gibt. „Wir bräuchten ein Wolfsmonitoring. Dann wüssten wir die genauen Zahlen.“