Der letzte Felchen-Mohikaner vom Bodensee

Nur Andreas Lutz holt als heimischer Berufsfischer noch vereinzelte Felchen aus dem Bodensee.
Fußach, Gaißau, Bregenz Noch dürften aus dem Bodensee Felchen gefischt werden, ehe dann im kommenden Jahr das Fangverbot für den einstigen Hauptspeisefisch des Schwäbischen Meeres in Kraft tritt. Doch die Lizenz zum Felchenfangen ist bereits jetzt ein Muster ohne Wert. Denn: Die bei Fisch-liebhabern so beliebte Köstlichkeit ist praktisch schon jetzt aus dem See verschwunden. “Ich kenne nur noch einen heimischen Berufsfischer, der wegen ein paar wenigen Felchen weiter hinaus auf den See fährt”, erzählt Bodenseefischereiaufseher Markus Holzer (55).

Fast verhungerte Felchen
Dieser eine ist Andreas Lutz (59) aus Gaißau. Doch selbst er fährt nicht mehr täglich weit auf den See hinaus, dorthin, wo die Felchen früher in stattlicher Zahl aufzufinden waren. “Vergangenen Freitag war ich zum letzten Mal draußen. Zwei Stück hatte ich im Netz. Am Dienstag davor waren es acht, die meisten von diesen jedoch fast verhungert.” Offensichtlich ist der Felchenfang nicht nur am österreichischen Ufer praktisch zum Erliegen gekommen. “Von den Schweizer Kollegen habe ich auch nur noch einen gesehen, der versucht hat, Felchen zu fangen”, berichtet Lutz.

Nur noch fürs Restaurant
Gar nicht mehr auf Felchenfang geht der Fußacher Berufsfischer Franz Blum (42). “Das letzte Mal habe ich es Ende April, Anfang Mai probiert. Das hat keinen Sinn mehr.” Blum konzentriert sich jetzt auf alles Essbare, das der See in Form von Fischen noch auf Lager hat. Dazu gehören Kretzer, Hecht, Rotauge, Zander, Aal, Wels, gelegentlich Seeforellen. Die Menge insgesamt hat bescheidene Ausmaße angenommen. “Ich habe praktisch nichts mehr für den Laden. Ich brauche den ganzen Fang fürs Angebot im Restaurant”, berichtet Blum.
Einmal mehr sieht Blum im Kormoran den größten Feind der Fischerei. “Schon jetzt sind es auf den Bäumen in der Bucht wieder 700 Stück. Die Vögel machen sich derzeit vor allem über den Barschbestand her. Und wenn die Barsche fehlen, frisst niemand die Stichlinge, die wiederum den Felchen den Garaus machen.”

Problem Quagga-Muschel
Die Quagga-Muschel ist laut Blum noch nicht der größte Feind der Speisefische. “Natürlich kann sie das noch werden, und dann wird man sehen, wie damit umgegangen werden kann”. Leise Hoffnung setzt der Petrijünger in eine natürliche Bestandsregulierung dieser invasiven Art, die zum Beispiel im nordamerikanischen Michigansee alle anderen Lebewesen nahezu ausgerottet hat. “Es kommt darauf an, wie stark sich die Quagga-Muschel in die Nahrungskette integriert. Offensichtlich steht sie auf dem Speiseplan von Rotaugen und Sandfelchen. Ob das was nützt, wird man herausfinden.”
