Der letzte Felchen-Mohikaner vom Bodensee

Vorarlberg / 25.07.2023 • 15:30 Uhr
Nur Andreas Lutz wirft als heimischer Bodenseeberufsfischer noch gelegentlich seine Netze für den Felchenfang aus. Mit bescheidenen Erträgen.<span class="copyright"> VN/Stiplovsek</span>
Nur Andreas Lutz wirft als heimischer Bodenseeberufsfischer noch gelegentlich seine Netze für den Felchenfang aus. Mit bescheidenen Erträgen. VN/Stiplovsek

Nur Andreas Lutz holt als heimischer Berufsfischer noch vereinzelte Felchen aus dem Bodensee.

Fußach, Gaißau, Bregenz Noch dürften aus dem Bodensee Felchen gefischt werden, ehe dann im kommenden Jahr das Fangverbot für den einstigen Hauptspeisefisch des Schwäbischen Meeres in Kraft tritt. Doch die Lizenz zum Felchenfangen ist bereits jetzt ein Muster ohne Wert. Denn: Die bei Fisch-liebhabern so beliebte Köstlichkeit ist praktisch schon jetzt aus dem See verschwunden. “Ich kenne nur noch einen heimischen Berufsfischer, der wegen ein paar wenigen Felchen weiter hinaus auf den See fährt”, erzählt Bodenseefischereiaufseher Markus Holzer (55).

Fischereiaufseher Markus Holzer, der für die BH Bregenz den Bodensee beobachtet, kennt die Problematik der Fischerei.  <span class="copyright">VN/STEURER</span>
Fischereiaufseher Markus Holzer, der für die BH Bregenz den Bodensee beobachtet, kennt die Problematik der Fischerei.  VN/STEURER

Fast verhungerte Felchen

Dieser eine ist Andreas Lutz (59) aus Gaißau. Doch selbst er fährt nicht mehr täglich weit auf den See hinaus, dorthin, wo die Felchen früher in stattlicher Zahl aufzufinden waren. “Vergangenen Freitag war ich zum letzten Mal draußen. Zwei Stück hatte ich im Netz. Am Dienstag davor waren es acht, die meisten von diesen jedoch fast verhungert.” Offensichtlich ist der Felchenfang nicht nur am österreichischen Ufer praktisch zum Erliegen gekommen. “Von den Schweizer Kollegen habe ich auch nur noch einen gesehen, der versucht hat, Felchen zu fangen”, berichtet Lutz.

Das waren noch Zeiten, als frische Bodenseefelchen  sogar in den Großmärkten noch zu kaufen waren.  <span class="copyright">VN/Uher</span>
Das waren noch Zeiten, als frische Bodenseefelchen sogar in den Großmärkten noch zu kaufen waren. VN/Uher

Nur noch fürs Restaurant

Gar nicht mehr auf Felchenfang geht der Fußacher Berufsfischer Franz Blum (42). “Das letzte Mal habe ich es Ende April, Anfang Mai probiert. Das hat keinen Sinn mehr.” Blum konzentriert sich jetzt auf alles Essbare, das der See in Form von Fischen noch auf Lager hat. Dazu gehören Kretzer, Hecht, Rotauge, Zander, Aal, Wels, gelegentlich Seeforellen. Die Menge insgesamt hat bescheidene Ausmaße angenommen. “Ich habe praktisch nichts mehr für den Laden. Ich brauche den ganzen Fang fürs Angebot im Restaurant”, berichtet Blum.

Einmal mehr sieht Blum im Kormoran den größten Feind der Fischerei. “Schon jetzt sind es auf den Bäumen in der Bucht wieder 700 Stück. Die Vögel machen sich derzeit vor allem über den Barschbestand her. Und wenn die Barsche fehlen, frisst niemand die Stichlinge, die wiederum den Felchen den Garaus machen.”

Franz Blum fährt wegen der Felchen schon längst nicht mehr weit hinaus auf den Bodensee. Er fängt jetzt alles andere. <span class="copyright">VOL/Mayer</span>
Franz Blum fährt wegen der Felchen schon längst nicht mehr weit hinaus auf den Bodensee. Er fängt jetzt alles andere. VOL/Mayer

Problem Quagga-Muschel

Die Quagga-Muschel ist laut Blum noch nicht der größte Feind der Speisefische. “Natürlich kann sie das noch werden, und dann wird man sehen, wie damit umgegangen werden kann”. Leise Hoffnung setzt der Petrijünger in eine natürliche Bestandsregulierung dieser invasiven Art, die zum Beispiel im nordamerikanischen Michigansee alle anderen Lebewesen nahezu ausgerottet hat. “Es kommt darauf an, wie stark sich die Quagga-Muschel in die Nahrungskette integriert. Offensichtlich steht sie auf dem Speiseplan von Rotaugen und Sandfelchen. Ob das was nützt, wird man herausfinden.”

Invasion der Quagga-Muschel im Bodensee. Experten sehen diese invasive Art im Bodensee langfristig als die größte Gefahr für alle anderen Lebewesen. <span class="copyright">Haltiner</span>
Invasion der Quagga-Muschel im Bodensee. Experten sehen diese invasive Art im Bodensee langfristig als die größte Gefahr für alle anderen Lebewesen. Haltiner