“Das ist ein scheißgefährliches Ding”

Die Regenfälle haben dem Hang in Hörbanz Hochreute nicht gutgetan: Die Rutschung ist erneut schneller geworden.
Hörbranz An dem Hang oberhalb von Hörbranz Hochreute klafft nach wie vor eine riesige braune Wunde. In der Nacht auf den 29. April ist hier eine rund 800.000 Tonnen schwere Felsplatte abgebrochen. Das Material drückt nun mit voller Wucht auf eine vermutlich 300 Jahre alte Rutschmasse, die sich dadurch in Bewegung gesetzt hat. Drei Häuser mussten schon abgerissen werden. Ein viertes Haus kann derzeit zumindest nicht bewohnt werden. Heute, zwölf Wochen später, ist der Hang noch immer nicht zur Ruhe gekommen. Im Gegenteil. “Wir merken seit ungefähr drei Wochen, dass die Niederschläge zu einer deutlichen Beschleunigung der Bewegung geführt haben. Es macht uns natürlich Sorgen, dass das Zeug noch so unstabil ist”, sagt Geologe Walter Bauer. Es sei im Prinzip ein ganz weicher Brei. “Deswegen ist der Hang, obwohl es so lange trocken war, nicht zum Stehen gekommen.”

Über 13 Meter
Dort, wo früher der Hof stand, wurde seit dem Felsabbruch eine Gesamtverschiebung von über 13 Metern verzeichnet. Innerhalb der letzten Woche hat sich der Hang erneut um 64 Zentimeter bewegt. In der besten Phase waren es zehn Zentimeter in einer Woche, in der schlimmsten Phase eineinhalb Meter an einem Tag. “Dass er diese Beschleunigung macht, zeigt, dass es ein scheißgefährliches Ding ist”, unterstreicht Bauer mit Blick auf die aktuellsten Messergebnisse vom Montag.

Der Hang gleicht nach wie vor einer Großbaustelle. Im unteren Teil wurden die Bäume bereits entfernt. “Darum schaut es natürlich noch schlimmer aus”, merkt Bürgermeister Andreas Kresser bei einem Lokalaugenschein an. Die Arbeiten am Entwässerungsgraben, für den ein fünf bis sechs Meter tiefes Loch ausgehoben und mit grobem Steinmaterial gefüllt wurde, sind ebenfalls abgeschlossen. “Das ist wie eine riesige Drainage. Wir schauen, dass das Wasser, das vom Hang herunterkommt, abgeführt wird und nicht in die alte Rutschmasse hineingeht”, führt der Bürgermeister aus. Derzeit sind die Arbeiter mit dem Bau des Schutzdamms beschäftigt, der die darunterliegenden Häuser künftig vor Muren, Steinschlägen und ähnlichen Ereignissen schützen soll. “Wir müssen damit rechnen, dass sich bei Starkniederschlag wieder Material in Bewegung setzt”, erläutert Kresser. Geologe Bauer ergänzt: “Wir haben das Problem, dass das stark aufgelockerte und zerlegte Material sehr leicht Wasser aufnimmt und bei entsprechenden Witterungsverhältnissen ganz sicher große Schlammströme daher bringen wird.”

Dort, wo früher ein Wald stand, klafft seit Ende April ein riesige braune Wunde. In einem nächsten Schritt soll der Hang aufgeforstet werden. “Aber zuerst einmal muss man warten, bis alles einmal halbwegs ruhig ist”, macht der Geologe deutlich.
