ÖBB-Nightjets: Beschwerden über Verspätungen und fehlende Waggons nehmen zu

Verspätungen, Fehler bei Sitzplatzbuchungen und fehlende Waggons: Was Vorarlberger Fahrgäste berichten und was die ÖBB dazu sagen.
Schwarzach Nachtzug statt Flieger – nachhaltiges Reisen wird immer beliebter. Die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) mit ihrer Flotte von Schlaf- und Liegewagen haben sich als führende Kraft auf dem europäischen Markt etabliert. 38 ÖBB-Nightjets vernetzen beliebte europäische Metropolen – darunter Paris, Brüssel, Venedig, Hamburg oder Rom – über Nacht miteinander.
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Derzeit allerdings häufen sich die Beschwerden von unzufriedenen Fahrgästen. Darunter auch prominente Kritiker, etwa “Falter”-Chefredakteur Florian Klenk. Trotz Reservierung eines Liegewagens muss Klenks Familie wegen eines defekten Waggons über elf Stunden von Wien nach Feldkirch in einem engen Abteil verbringen. “Ich hasse den ÖBB-Nachtzug. Ich hasse ihn einfach”, schreibt er genervt auf Twitter.
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“Fahrt war Zumutung”
Auch zahlreiche Vorarlberger Fahrgäste berichten den VN von ihren negativen Erfahrungen mit den Nightjets. Einer davon ist Josef Feurstein, 67, aus Dornbirn. Nach einem Wochenendausflug zur Formel 1 in Spielberg fuhr er am Sonntagabend vom Grazer Bahnhof mit dem Nachtzug zurück. “Der Zug war überfüllt und es war heiß, die Klimaanlage war defekt. Es gab keinen Speisewagen, nichts zum Trinken und ich hatte auch nichts dabei”, erklärt Feurstein. Seine Reise, die über zehn Stunden dauerte, erfolgte in veralteten Zügen. “Das größte Problem war jedoch der fehlende Platz. In einem Abteil mit sechs Sitzplätzen ist es unerträglich eng, wenn alle Plätze belegt sind”, beschreibt er. Es gab keine Möglichkeit, online einen Liegewagen zu buchen – die lange Fahrt in dem vollen Abteil empfand er als Zumutung.

Über 20 Stunden von Feldkirch nach Wien
Eine weitere Vorarlberger Familie schreibt den VN von einer unerfreulichen Rückreise von Wien nach Bregenz Anfang Juli. Die Familie musste trotz Sitzplatzreservierung den größten Teil der Fahrt im Gang eines überfüllten Waggons verbringen, um schließlich in Salzburg zu erfahren, dass sie noch eine weitere Stunde auf den nächsten Zug warten müssen. Hinzu kamen technische Probleme wie ausgefallene Toiletten und Unklarheiten bei den Reservierungen der Sitzplätze. Ein weiterer Fahrgast berichtet von einem chaotischen Erlebnis am 11. Juli von Feldkirch nach Wien. Schon zu Beginn der Fahrt sorgte das Fehlen eines Schlafwagenabteils, trotz zuvor reservierter Schlafwagenplätze, für erhebliches Chaos. Die Fahrt wurde dann durch einen Oberleitungsschaden in Bludenz stark verzögert, was dazu führte, dass die Passagiere bis zur Ankunft in Wien 20 Stunden im Zug ohne Essen und Trinken verbringen mussten.
Einig sind sich die Betroffenen, dass sie zukünftig nicht mehr mit dem Nightjet fahren wollen. “Ich werde den Nightjet nicht mehr nutzen. Nach der Erfahrung ziehe ich es vor, mit dem Auto zu fahren”, sagt Bahngast Feurstein, der für eine Verbesserung der Bahninfrastruktur plädiert.



Warten auf Nightjets der neuen Generation
“Wir bedauern, dass es bei den Nightjets aktuell zu Qualitätseinbußen und einem reduzierten Angebot an Wagen kommt”, erklären die ÖBB auf VN-Anfrage. In der Regel werden alle betroffenen Kunden im Voraus per E-Mail informiert und es wird eine Stornierung oder Umbuchung angeboten.
Seit über einem Jahr warte man auf die Auslieferung der neuen Nightjets der nächsten Generation, was derzeit zu Engpässen führe. “Wir können diesen Umstand leider nicht von heute auf morgen ändern. Die neuen Nightjets, die noch in diesem Jahr eingeführt werden sollen, werden jedoch zu einer deutlichen Kapazitätsausweitung führen”, heißt es von Seiten der Bundesbahnen.
Die Verzögerung bei der Auslieferung der neuen Züge habe dazu geführt, dass weniger Nightjet-Wagen in Reserve gehalten werden können, was immer wieder zu Ausfällen einzelner Wagen führt. “Wo möglich, ersetzen wir diese durch andere Wagen. Im schlimmsten Fall müssen wir die Kunden bitten, auf einen anderen Reisetag umzubuchen”, heißt es in der Stellungnahme.