Walter Fink

Kommentar

Walter Fink

Tage nur von Freude

Vorarlberg / 22.07.2023 • 08:00 Uhr

Wie seit Langem nicht mehr scheinen mir die ersten zwei Tage bei den Bregenzer Festspielen gelungen. Einer bemerkenswerten Eröffnung am Mittwoch folgte am Abend die Premiere von Verdis „Ernani“, einer zwar im Text sinnlosen, in der Musik aber geradezu betörenden Oper, spielfreudig in Szene gesetzt von den Wiener Symphonikern und den in den Hauptpartien bestens besetzten Sängerinnen und Sängern. Der zweite Tag war am Mittag mit der traditionellen Schifffahrt auf der „Hohentwiel“ zielführend für Gespräche im Hintergrund, die bei solchen Anlässen oft ebenso wichtig wie die künstlerischen Programme sind. Schließlich der Abend mit der Wiederaufnahme von Giacomo Puccinis „Madame Butterfly“, von der ich ursprünglich gedacht hatte, dass sie mit ihren vielen geradezu kammermusikalischen Szenen nicht so geeignet für den See sein könnte, der doch einfach Spektakel verlangt. Ich hatte mich geirrt, gerade die intimen Szenen entwickelten bildmäßig und vor allem in der Musik eine Kraft, die man auf der großen Bühne nicht erwartet hätte. Dann der erste, einzige Wermutstropfen: Heinrich von Kleists „Der zerbrochene Krug“, auf den sich die Theaterenthusiasten besonders gefreut hatten, musste wegen einer Erkrankung des Hauptdarsteller abgesagt werden. Wir hoffen auf einen späteren Zeitpunkt.

„Es war höchst wohltuend, was vom Vizekanzler und Bundespräsidenten kam, es waren offene, klare Worte.

Zurück zur Eröffnung – über die künstlerischen Ereignisse werden sie in dieser Zeitung ohnehin ständig auf dem Laufenden gehalten. Als ich nach dem Ereignis im Foyer wartete, kam eine Dame auf mich zu und meinte: „Die hätten auch mehr über Kunst reden können.“ Ich sehe das nicht so, ich war dankbar für die politischen Statements, die hier abgegeben wurden. Naturgemäß ist das nicht Aufgabe von Festspielpräsident Hans-Peter Metzler, der seine Begrüßung in gute Worte und Zitate verpackt hatte. Dann aber Vizekanzler Werner Kogler, der bekanntlich auch Kunstminister der Republik ist. Er blieb nicht bei der Kunst, meinte etwa zur laufenden politischen Diskussion: „Wir sollten bekannte Lösungen anwenden, neue Lösungen finden. Genau dagegen arbeiten die aufhetzenden Populisten.“

Natürlich fand auch Bundespräsident Alexander van der Bellen klare Worte: „Wir dürfen uns nicht daran gewöhnen, dass Sprache wieder zum Ausgrenzen verwendet wird“, meinte er mit Blick auf Niederösterreichs Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner. Man könne Menschen nicht in „normal“ und „unsere Leute“ gegen „die anderen“ einteilen. „Wer bestimmt, wer ‚normal‘ ist und wer nicht? War Mozart ‚normal‘? Sicher nicht“, brachte van der Bellen ein wunderbares Beispiel für die sogenannte Normalität. Es war höchst wohltuend, was vom Vizekanzler und Bundespräsidenten kam, es waren offene, klare Worte. Sie waren auch notwendig, wenn wir davon ausgehen, dass Kunst und Kultur nur in einem politisch korrekten Klima gedeihen kann.

Walter Fink ist pensionierter Kulturchef des ORF Vorarlberg.