
Wie sich ein Roboter als Gastrohilfe bewährt
Probezeit bestanden: Roboter-Einsatz bringt im Berghaus Kanisfluh Entlastung für das Service-Personal.
Schnepfau Es ist kurz nach Mittag. Auf der Terrasse des Berghauses Kanisfluh auf der Schnepfegg ist wieder einmal einiges los. Kellnerin Hanna und ihr Kollege Martin eilen gerade mit Eisbechern und Kaffeetassen Richtung Terrasse. Unterstützung gibt es zu Spitzenzeiten für das Service-Team nicht nur von zwei jungen Ferialkräften. Seit Juni des vergangenen Jahres kommt zudem ein Roboter mit katzenförmigem Haupt im Service zum Einsatz (die VN berichteten), der von allen liebevoll “Sissy” genannt wird.

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“Am Anfang war ich skeptisch. Aber inzwischen möchte ich den Roboter nicht mehr missen”, sagt Hanna, die sich um die Wünsche der Gäste kümmert, die im hinteren Teil der Terrasse Platz genommen haben. “Ich erspare mir so viele Laufwege und muss nicht so schwer tragen.”

Die junge Frau im Dirndl bringt das Gerät gerne zum Einsatz, wenn sie beispielsweise Teller abserviert und schickt es dann mit einem Klick auf den Touchscreen Richtung Spüle, wo sie diese wieder vom Tablett nimmt. Auch wenn zum Beispiel mehrere Eisbecher gleichzeitig bestellt werden, kommt “Sissy” zum Einsatz. Für Hanna und ihre Kollegen bleibt dadurch insgesamt mehr Zeit für die Gäste.

Diese Vorzüge schätzt auch ihr Kollege Martin. “Der Roboter ist eine große Entlastung. Ich kann beim Abräumen auch gleich vorsortieren, was Stress erspart.” Der Servicemitarbeiter ortet nur einen einzigen Makel: “Ich finde die Sprache etwas steif”, sagt der erfahrene Service-Mitarbeiter und schmunzelt.

“Das Gerät soll niemanden ersetzen. Es geht um Unterstützung.”
Josef Moosmann, Gastwirt
“Vorsicht. Bitte lassen Sie mich vorbei. Die Gäste warten schon. Die Lieferung ist unterwegs.” Unter anderem sind es diese Sätze, welche der rollende Servier- bzw. Abräumwagen formuliert. Dann nämlich, wenn der Weg versperrt ist und die Sensoren anschlagen. Zu Kollisionen kam es demnach glücklicherweise bislang nicht. “Ich muss ja auch immer im Blick haben, ob Kinder in der Nähe sind”, erklärt Martin.

Auf Wunsch der Gäste kommt der Roboter zwischendurch auch mal zum Einsatz, um Eisbecher an den Tisch zu transportieren. “Getränke, außer vielleicht mal einen Kaffee, lassen wir den Roboter aber nicht bringen”, sagt Chef Josef Moosmann und fügt hinzu: “Der Boden der Terrasse ist nicht ganz glatt, da schwappt sonst schon mal was über, wenn er abrupt stehen bleiben muss.”
Angeschafft hat die Gastrofamilie Moosmann das Hightech-Gerät, da Personal in der Branche rar ist. “Dieses Jahr ist die Situation etwas besser. In der Küche gab es einen Wechsel. Wir konnten aber auch glücklicherweise langjährige Mitarbeiter halten.” Da zwei junge Mitarbeiterinnen im Rahmen eines Ferienj0bs im Einsatz sind, verbleibt der digitale Helfer zwischendurch auch an seinem Ladeplatz.
Unterstützung und Attraktion
“Das Gerät soll niemanden ersetzen”, sagt Moosmann. “Es geht um Unterstützung und darum, dass mehr Zeit für die Gäste bleibt. Und da hat sich der Roboter bewährt. Außerdem ist er natürlich schon auch eine bisschen eine Attraktion.”

Beim Anblick des digitalen Helfers mit den großen blauen Kreisen am Display, welche Augen darstellen sollen, huscht so manchem Gast ein Lächeln über die Lippen. “So ein Roboter ist super. Vor allem auch Kinder freuen sich”, sagt etwa Joachim De Geyter, der gerade im Bregenzerwald urlaubt und fügt hinzu: “Auch in Belgien habe ich solche Geräte schon gesehen.”
Unterdessen rollt der Roboter nach einem Fingerklick von Hanna bereits wieder Richtung Küche. “Zwischen Februar und Ende Juni hat er 60 Kilometer zurückgelegt”, erzählt Josef Moosmann, und seine Schwester Karin ergänzt mit einem Schmunzeln: “Das entspricht immerhin einer Strecke von hier bis Feldkirch.”
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