„Mir fiel sofort der Klushund ein“

Vorarlberg / 20.07.2023 • 15:08 Uhr
„Mir fiel sofort der Klushund ein“
Die teilweise schroffen Kalkfelswände und das feuchte Klima sorgen an heißen Tagen für angenehme Kühle. VN/Stiplovsek

Mit Krimi-Autorin Marlene Kilga auf den Spuren des Klushunds durch die Örfla-Schlucht.

Götzis Lust auf etwas Nervenkitzel? Auf dieses leicht prickelnde Gefühl auf der Haut, wenn man etwas Unheimlichem auf der Spur ist? Da wäre eine Grusel-Tour durch Vorarlberg genau das Richtige, denn im Ländle gibt es zahlreiche schaurige Orte, düstere Legenden und wahre Verbrechensschauplätze, die besucht werden können. Mit Marlene Kilga folgten wir den Spuren des Klushunds. Die 50-Jährige ist Mitautorin der im Februar 2023 erschienenen Anthologie „Schaurige Orte in Österreich“. „Es ging darum, entweder eine Gruselgeschichte zu einem historischen Ereignis zu schreiben oder zu einer lokalen Legende“, erzählt die AHS-Professorin. „Mir fiel sofort der Klushund ein, denn die Sagengestalt verbindet beides in sich.“

„Mir fiel sofort der Klushund ein“
Während der letzten großen Eiszeit und durch den Verlauf des Emmebachs hat sich im Laufe der Jahrtausende die Örfla-Schlucht gebildet. VN/ Stiplovsek


Sagengestalt
Treffpunkt ist die Kirche St. Arbogast. Die Schießübungen am Schießstand der Schützengilde Götzis sind geradezu passend, um den Ursprung des dämonischen Klushunds zu erklären. „Die Legende geht auf den 30-jährigen Krieg zurück“, erzählt Kilga, während der steile Forstweg bergauf führt. „Der Verräter, ein gewisser Biggl aus Lochau, zeigte den Schweden einen geheimen Weg, um an den Befestigungswerken der Klause vorbeizukommen. Zur Strafe für diese Freveltat muss er nun ewig als großer schwarzer Hund, mit tellergroßen leuchtenden Augen, durchs Land laufen. Eine Begegnung mit dem bedrohlichen Untier bringt Krankheit, Leid oder Plage.“ Wie gut, dass Wachhündin Ruby dabei ist.

„Mir fiel sofort der Klushund ein“
Hier am Stäle breitet sich nicht nur die Wiese Mitzgebach aus, es ist auch Station Nummer 7 des ersten Bio-Lehrpfades in Vorarlberg. cro


Auf der Anhöhe
Bei den Mationswiesen angekommen, lenken der strahlende Sonnenschein, der süßliche Duft von Mädesüß und Gilbweiderich vom eigentlichen Grund unseres Besuches ab.

„Mir fiel sofort der Klushund ein“
Der Klushund in einer schaurigen Illustration.

Bis sich der Himmel verdunkelt und die hohe Felsformation in eine enge Schlucht entlang des Emmebachs wechselt. Eine Höhle führt ins Dunkel. Ob sich hier wohl der Klushund versteckt? Ruby ist neugierig, schnüffelt in den Felsspalt. Ergebnislos.

„Mir fiel sofort der Klushund ein“
In dieser Höhle haben wir den Klushund nicht gefunden. cro

Wilder Ritt
Wir ziehen weiter, nehmen auf einer Parkbank Platz, beobachten Kinder beim Staudamm-Bauen. Der Schein trügt. Es knistert und raschelt über uns, loses Gestein donnert herunter. Landet am Ufer des fast ausgetrockneten Bachbettes. Stille. Selbst die Kinderstimmen sind verstummt. Das war nicht ohne. Wir ziehen weiter, über die Brücke in Richtung Meschach. Kilga erzählt, dass ihr Beitrag vom jungen Inspektor Schwärzler handelt, der als Teenager seinen Vater Meschach besucht. Dieser jedoch hat die Ankunft seines Sohnes komplett vergessen und sich eine Dulcinea fürs Wochenende ins Haus geholt. Es kommt zum Streit zwischen den beiden, der Sohn schwingt sich nächtens aufs Fahrrad und begibt sich auf einen wilden Ritt durch die Schlucht, vorbei an den Wiesen und hinab nach Sankt Arbogast. Dass auch der zottige Klushund seine Pfoten im Spiel hat, versteht sich von selbst.

„Mir fiel sofort der Klushund ein“
VN/Ruby schaut sich um. Wo sich wohl der Klushund aufhält? VN/Stiplovsek


Immer der Nase nach
Wir frösteln. Die Luftfeuchtigkeit an der Kaskade ist hoch. Zwischen Farnen, Hochstauden und bemoosten Felsen führt ein schmaler Weg am Emmebach entlang. Die Pfoten der rot-felligen Irish-Terrier-Hündin flitzen flink die Treppen hinunter, immer der Nase nach. Wir passieren die Immaculata-Quelle, den Wasserfall und das Schwimmbad Riebe und entscheiden uns für den Weg, der über eine schmale Brücke zum Bergfuß und weiter zur Hauptstraße führt. Der Klushund hat sich ein wundervolles Zuhause gesucht. Die Schluchtenhänge sind mit weitgehend naturbelassenen und artenreichen Laubmischwäldern durchsetzt. Wir werden wiederkommen und vielleicht leuchten das nächste Mal die tellergroßen gelben Augen aus einer der Felshöhlen. CRO

Örlfla-Schlucht

Gehzeit mit Pause: 1,5 Stunden

Kilometer: 4,23 km

Schwierigkeitsgrad: leicht

Höhenmeter: 175 m

Parkmöglichkeiten: Parkplatz bei der Kirche St. Arbogast

Öffentliche Verkehrsmittel: mit der Linie 445 vom Bahnhof Götzis nach St. Arbogast, Takt .20 und .50

Einkehren: Gasthaus zum Schützen (www.zum-schuetzen.at); Café Arbogast, Jugend- und Bildungshaus, St. Arbogast (www.arbogast.at)