„Ich bin ja Pensionist und neugierig“

Die Festspieleröffnung ist auch für viele Zaungäste das Ereignis des Jahres.
Bregenz Der frühe Vogel fängt den Wurm. Helmut Gründler ist einer der ersten, der sich am Mittwochmorgen auf dem Platz der Wiener Symphoniker in Stellung bringt. Der 70-Jährige fährt mit seinem E-TukTuk vor. Hinten auf der überdachten Ladefläche haben es sich seine beiden Hunde Santos (12) und Sammy (14) bequem gemacht. Von wo aus er das Geschehen später wohl am besten im Blick hat? Helmut Gründler ist noch unentschlossen.

Kurz nach 9 Uhr steht er mit seinem Gefährt im Brunnen in der Mitte des Wiener Symphoniker-Platzes. Wie die fast sieben Meter hohe Bronzeskulptur Ready Maid spiegelt sich das Gefährt mit den drei Passagieren in der Wasserfläche. „Damit nicht alle herkommen und mich und die Hunde begrapschen“, begründet der Pensionist seine Platzwahl und lacht. Helmut Gründler ist regelmäßig als Zaungast bei der offiziellen Eröffnung der Bregenzer Festspiele dabei. „Ich bin ja Pensionist und neugierig“, merkt der Bregenzer an. Während er das sagt, ertönt die Stimme von Dorit Wilhelm aus den Lautsprechern. „Meine Damen und Herren, wir bitten Sie nun ihre Plätze einzunehmen. Die Vorstellung beginnt in wenigen Minuten. Vielen Dank.“ Es ist nur ein Test. Die Eröffnung beginnt erst um 10.30 Uhr.




Während die Spürhunde der Polizei noch einmal ihre feinen Nasen in den Wind halten und den Festspielvorplatz nach Sprengstoff oder anderen verdächtigen Gegenständen absuchen, trudeln auch die fünf Kindertrachtenpaare des Landestrachtenverbandes ein. Die Kinder tragen Trachten aus dem Montafon, Bregenzerwald, Laternsertal, Tannberg sowie der Landeshauptstadt Bregenz und werden den Ehrengästen später vor dem Festspielhaus einen Blumenstrauß überreichen.


Die Gründe, warum die Menschen zur Eröffnung kommen, sind so unterschiedlich wie die Kleider der prominenten Gäste. „Wir sind hier, weil wir uns treffen und etwas unternehmen wollten. Es ist also eher Zufall“, erzählt eine Besucherin, die mit einer Wolfurter Runde nach Bregenz gekommen ist. Worauf sie sich am meisten freut? „Ich habe keine Ahnung vom Ablauf, aber irgendetwas wird schon sein. Ich war zwar schon ein paar Mal da, aber früher war eigentlich alles nach der Eröffnung. Das scheint jetzt anders zu sein. Wir sind daher gespannt, was auf uns zukommt“, ergänzt sie.


Für andere wie Veronika Netzer (65) ist die Eröffnung indes ein Pflichttermin. Die Bregenzerin ist gerade noch rechtzeitig von einer zweimonatigen Reise durch Nordeuropa zurückgekommen. „Es ist ein besonderes Ereignis“, schwärmt sie. Kurz vor zehn Uhr wird es dann langsam aber sicher ernst. Die Prominenz sammelt sich vor dem Absperrseil, das kurz darauf für den Schaulauf entfernt wird. Die Musikanten der Militärmusik begleiten das Geschehen mit schwungvollen Melodien. „Ach schau, der Nehammer ist auch schon da“, stellt eine Dame fest. „Das ist ein Schneidiger“, findet ihre Begleiterin. Eine andere Besucherin, die gerade vorbeigeht, erklärt ihrem Begleiter: „Das ist jetzt unser Bundespräsident.“ Gegen 10.25 Uhr ist der Tross im Festspielhaus verschwunden. Die Spiele können beginnen.
