Wie sich Wolfsgegner und Wolfsfreunde jetzt in die Haare kriegen

„Das Maß ist voll“, sagt Landesrat Gantner. Effektiven Herdenschutz verlangen Tierschützer.
Silbertal, Bregenz. Es ist passiert, womit schon lange zu rechnen war. Wolfsrisse setzen das Land in Aufregung. Auf der Gaflunaalpe im hinteren Silbertal wurden drei fürchterlich zugerichtete tote Ziegen gefunden, dazu noch ein verletztes Tier. Mit großer Wahrscheinlichkeit war es das Werk von Wölfen, der DNA-Nachweis steht noch aus.
Schutz von Nutztieren
„Das Maß ist voll“, empört sich Agrar- und Sicherheitslandesrat Christian Gantner (42, ÖVP) nach dem Gemetzel auf der Gaflunaalpe. Die jüngsten Wolfsrisse bei Nutztieren würden zeigen, wie schwierig die Integration des Wolfes in unsere Kulturlandschaft sei. „Die Anwesenheit des Wolfes hat nicht nur zu gravierenden Veränderungen im Verhalten des Rot- und Rehwildes geführt, sondern ist nun auch mit mehreren Verlusten und schwersten qualvollen Verletzungen von Nutztieren verbunden. Diese Situation ist für die Vorarlberger Land- und Alpwirtschaft nicht länger hinnehmbar, vor allem in Gebieten, wo Herdenschutzmaßnahmen aufgrund der besonderen schwierigen Geländeverhältnisse für die Tierhaltenden bzw. ÄlplerInnen nicht zumutbar sind. Es kann nicht sein, dass bei qualvoll getöteten Schafen und Ziegen plötzlich der Tierschutz keine Rolle mehr spielt und unsere Nutztiere dem Wolf zum Fraß vorgeworfen werden“, so Gantner. Gantner fordert unbürokratische Genehmigungen zum Abschuss von Problemwölfen.

In dieselbe Kerbe schlägt auch die Landwirtschaftskammer. Präsident Josef Moosbrugger wird deutlich: „Ich fordere ein rasches Reagieren. Wir fordern das Land Vorarlberg auf, diesen Schadwolf umgehend zum Abschuss freizugeben. Warten wir nicht, bis die ersten Bauern ihre Alpen verlassen und Wölfe Menschen bedrohen, handeln wir.“

Herdenschutz statt Abschuss
Dem gegenüber stehen die Positionen von Wolfsschützern beim WWF oder anderen Tierschutzorganisationen. Als „Wolfsversteher“ outet sich auch der Tierarzt und frühere Landesveterinär Erik Schmid. Er fordert effektiven Herdenschutz. „Der Herdenschutz steht nicht nur seit 2005 im §19 des Tierschutzgesetzes, er ist die einzige und effektive Möglichkeit, solche Tragödien zu verhindern. Abschussverordnungen haben dagegen gleich mehrere Schwachstellen“, argumentiert Schmid.

Es sei illusorisch zu glauben, ein erschossener Wolf würde das Problem lösen. Für den komme sofort ein anderer. „Österreich ist von Wölfen umzingelt, die Zahl nimmt stetig zu. Man muss auch immer den richtigen erwischen. Abschüsse lösen das Problem nicht. Präventiver Tierschutz geht nur mit Herdenschutz. Der ist aufwendig und teuer, er funktioniert aber.“