Wie ein kleines Dorf über sich hinauswächst

In der 500-Seelen-Gemeinde Schnepfau rüsten sich Feuerwehrleute und Musikanten gemeinsam für Nassleistungsbewerb, 100-Jahr-Jubiläum und Tausende Besucher.
Schnepfau „600 Helfer sind im Einsatz. Das sind mehr Leute, als wir Einwohner haben“, sagt Michael Natter (40) und schmunzelt. Hinter ihm ragen die Felswände der Kanisfluh in die Höhe. Neben ihm und dem Fußballplatz sind Feuerwehrleute gerade mit Bohrern damit beschäftigt, Vorbereitungen für den Bezirks-Nassleistungsbewerb am Samstag zu treffen. Vor dem Kommandanten steht bereits ein riesiges Zelt für das Fest unter dem Motto “Schneapfo fierod” inmitten einer Wiese.







„Wir haben 4200 Quadratmeter Überdachung und eine 300 Quadratmeter große Terrasse“, berichtet der Schnepfauer Feuerwehrchef und deutet in Richtung Aufbau, der Platz für bis zu 4000 Besucher bietet. Das Festzelt steht mitten im Grünen. „Das ist derselbe Platz wie im Jahr 2006, als die Feuerwehr 100-Jahr-Jubiläum gefeiert und das Landesfeuerwehrfest hier stattgefunden hat“, erläutert Natter. Daher seien auch Anschlüsse für Kanal und Strom bereits vorhanden.


„Mitanand lachen, feiern, tanzen“, steht auf einem Würfel geschrieben, der im Zelt von der Decke baumelt. Heuer holen die Feuerwehrleute ihr 115-Jahr-Jubiläum nach, welches vor zwei Jahren coronabedingt verschoben werden musste. Für den Musikverein des Orts steht die 100-Jahr-Feier auf dem Programm.

„Wir sind ein kleines Dorf mit 500 Einwohnern. Da kann man nicht jedes Mal für jeden Verein ein großes Fest machen. Daher tun wir das gemeinsam“, erläutert der Festobmann die Situation. Das Miteinander der Vereine spiegelt sich auch in Form von gemeinsamen Bildern auf den Getränke- und Speisekarten wider, die auf die Tische geklebt werden.

Und auch beim Festumzug am Sonntag wird gemeinsame Sache gemacht. Dort werden nämlich sowohl Musik- als auch Feuerwehrgruppen mit dabei sein. Begleitet werden diese von rund 100 Festdamen und 50 sogenannten Täfeleträgern aus Schnepfau und den umliegenden Gemeinden.
Um genügend Festdamen und Täfeleträger zu bekommen, haben wir einen Social-Media-Aufruf gestartet.
Johannes Heim, Musikverein Schnepfau
„Um genügend Festdamen und Täfeleträger zu bekommen, haben wir einen Social-Media-Aufruf gestartet. Das hat gut funktioniert“, berichtet Johannes Heim vom Musikverein. Der junge Bregenzerwälder hilft ebenfalls mit, wo es geht, und schwingt auch gleich die Werbetrommel für die Musikanten-Dirndl-Präsentation des Vereins am Sonntag. Und auch für den Auftritt der bekannten „Troglauer Buam“ zum Auftakt am Freitagabend, die Volksmusikelemente mit Rockklängen verbinden.
Der Busfahrplan ist unter https://fest2023.at/busfahrplan/ abrufbar.
„Zwei Abende hat es gedauert, den Boden aufzubauen“, erzählt Johannes Heim, während er auf die Holzdielen am Boden deutet, „das Zelt wurde dann mit einem Kran aufgestellt.“

Während Mitglieder des Musikvereins und der Feuerwehr mit den letzten Aufbauarbeiten beschäftigt sind, rückt auch die Polizei in Vertretung von Bezaus Dienstellenleiter Markus Engelhardt und Revierinspektorin Johanna Kaufmann mit dem Dienstwagen an. „Uns ist die Zusammenarbeit mit den Festverantwortlichen sehr wichtig und wir möchten Sicherheit garantieren“, sagt Engelhardt. Gemeinsam mit Security-Mitarbeitern werde die Polizei am Wochenende mit Zusatzkräften im Einsatz sein.

Zahlen zum Event in Schnepfau
4200 Quadratmeter Überdachung wurden errichtet
300 Quadratmeter groß ist die Sonnenuntergangsterrasse
1,5 Tonnen Pommes, 1000 Hennele und 800 Kilo Steak stehen für das Wochenende bereit
13.000 Liter Bier werden angeliefert
120 Kuchen haben Helferinnen für das Fest gebacken
Nachdem sich die Beamten nach einer kurzen Besprechung mit dem Festobmann wieder verabschiedet haben, geht es für diesen wieder in Richtung Wettbewerbs- bzw. Übungsplatz. Auch hier muss alles seine Ordnung haben, gibt es doch klare Regeln für den Nassleistungsbewerb. „78 Gruppen aus dem Bezirk Bregenz sind mit dabei. Das ist rekordverdächtig“, erläutert Bewerbsleiter Gallus Beer die Ausgangslage für das Rittern um das sogenannte “Goldene Strahlrohr”.

Auch die Schnepfauer werden am Start sein. Die Lokalmatadoren sehen sich aber nicht im Spitzenfeld. „Wir müssen diesmal ja schließlich auch arbeiten“, sagt Natter im Hinblick auf die Wettbewerbs- und Festvorbereitungen. Schließlich gibt es ja für die Vereinsmitglieder und ihre Helfer am Wochenende über 1000 Dienste zu verrichten.

Das Programm ist unter https://fest2023.at/programm/ zu finden.