30-Jahreshoch bei den verletzten Leicht-Lkw-Insassen

Wer in einem Leicht-Lkw sitzt, lebt gefährlich. Das Kuratorium für Verkehrssicherheit (KFV) meldet ein Allzeithoch bei den verletzten Leicht-Lkw-Insassen.
Von Lena Gruber
Schwarzach Leichte Nutzfahrzeuge mit bis zu 3,5 Tonnen höchstzulässigem Gesamtgewicht erfreuen sich in Österreich zunehmender Beliebtheit. Wer damit fahren will, benötigt lediglich einen Führerschein der Klasse B. Im Jahr 2022 wurden 1118 Insassen verletzt. Damit sind es so viele, wie seit 30 Jahren nicht mehr.
Erschreckende Zahlen
Ist ein Leicht-Lkw in einen Verkehrsunfall verwickelt, so gehört dieser zunehmend zu den Hauptunfallverursachern. Auf Österreichs Straßen sind immer mehr dieser leichten Nutzfahrzeuge unterwegs: 2021 sind die Neuzulassungen vor dem Inkrafttreten der Steueränderungen sogar um mehr als 60 Prozent gestiegen. Im Gegensatz zu schweren Lkw und Bussen, ist bei Fahrzeugen bis 3,5 Tonnen keine Weiterbildungsverpflichtung und keine Grundausbildung vorgeschrieben. Außerdem müssen solche Leicht-Fahrzeuge nicht mit EU-Kontrollgeräten ausgerüstet sein. Diese Fahrtenschreiber sorgen dafür, dass die Einhaltung der vorgeschriebenen Lenk- und Ruhezeiten kontrolliert werden kann.
Im Jahr 2022 ist die Zahl der verletzten Insassen von leichten Nutzfahrzeugen im Vorjahresvergleich um 14 Prozent auf 1118 Personen gestiegen und erreichte damit ein 30-Jahreshoch. Die Zahl der Getöteten stieg 2022 im Vergleich zum Jahr davor um 20 Prozent auf 18 Personen.
Leicht-Lkw waren im Vorjahr in 2711 Unfälle verwickelt, wobei sie zu 65 Prozent die Hauptunfallverursacher waren. Die Lenker anderer mehrspuriger Verkehrsmittel zählen im Falle eines Unfalles deutlich seltener zu den Unfallverursachern.
Klaus Robatsch, Leiter des Bereichs Verkehrssicherheit im KFV
Im Jahr 2023 sind bis dato 27 Personen mit einem Leicht-Nutzfahrzeug tödlich verunglückt, im Vergleichszeitraum 2022 waren es acht Personen.

Anstieg in den einzelnen Bundesländern
Mit Ausnahme von Kärnten gab es bei den Leicht-Lkw-Insassen im Jahr 2022 Zuwächse in allen Bundesländern. Im Vergleich zum Vor-Corona-Jahr 2018 ist im Jahr 2022 in fast allen Bundesländern die Zahl der Verletzten gestiegen. Lediglich in Tirol gab es einen leichten Rückgang von 76 auf 75 Verletzte. Vorarlberg verzeichnet einen Anstieg von 17 verletzten Leicht-Pkw Insassen, die Zahl der Getöteten ist gleich geblieben.
Erhöhter Präventionsdruck
“Je mehr Fahrzeuge im Verkehr unterwegs sind, desto dringender wird die Ergreifung zusätzlicher Präventivmaßnahmen”, so Robatsch. Er appelliert an die Vernunft der Betroffenen. “Wer längere Wegstrecken mit einem Lieferfahrzeug zurücklegt, mit einem Kleinbus Personen befördert oder als Handwerker am Ende eines langen Arbeitstages mit dem Firmenfahrzeug müde nach Hause fährt, sollte bereits beim kleinsten Anzeichen von Müdigkeit eine Pause einlegen”, rät der Leiter des Bereichs Verkehrssicherheit. Es dient nicht nur der eigenen Sicherheit, sondern auch dem Erhalt der Arbeitsfähigkeit. Laut Erhebungen des KFV liegt die Gurtenanlegequote bei Kleintransportern erst bei 93 Prozent. Robatsch sieht hier noch deutliches Verbesserungspotenzial.

Freiwillige Weiterbildungen
Der Verkehrsexperte empfiehlt zudem freiwillige interne oder externe Schulungen des Personals. Dabei soll das Augenmerk auf dem Fahrverhalten und der Ladungssicherheit liegen. “Jedes zusätzliche Wissen und jede Wissensauffrischung kann Leben retten und ist daher ein wichtiger Baustein zur Erhöhung der Verkehrssicherheit”, erklärt Klaus Robatsch. Unternehmensinterne Sanktionierungen bei Nichteinhaltung der Straßenverkehrsvorschriften, wie zum Beispiel dem Nichtanlegen des Sicherheitsgurtes oder der Nichteinhaltung der Geschwindigkeitsbeschränkungen sind eine weitere Möglichkeit, um die Verkehrssicherheit zu erhöhen. Ein betriebsinternes Prämiensystem, das unfallfreies Fahren belohnt, ist laut Robatsch eine zusätzliche Motivation.