„Mit neuem Haus bald Millionär“

Vorarlberg / 09.07.2023 • 17:00 Uhr
„Mit neuem Haus bald Millionär“
Mit Hausbesitz geht hierzulande ein größeres Vermögen einher als in den meisten übrigen Bundesländern. FOTO: APA

Mit 500.000 Euro ist der mittlere Immobilienwert in Vorarlberg weit überdurchschnittlich. Was würde das für eine Vermögenssteuer heißen?

SCHWARZACH „Wenn man in den vergangenen Jahren ein Haus gekauft und finanziert hat, ist man in Vorarlberg bald einmal Millionär“, sagt Wolfgang Amann vom Institut für Immobilien, Bauen und Wohnen im Gespräch mit den VN. Auch Michael Klien, Wohnbauexperte beim Wirtschaftsforschungsinstitut WIFO, hat keinen Zweifel daran: „Im Neubau hat man Werte erreicht, bei denen die Million nicht mehr so weit entfernt ist und durchaus erreichbar scheint in den nächsten Jahren.“

Insbesondere in Vorarlberg, wie gesagt: Die Nationalbank hat im Rahmen einer Vermögensstudie den mittleren Wert von Häusern und Wohnungen erhoben, die den Eigentümer:innen gehören und auch deren Lebensmittelpunkt bilden. Ergebnis: In Vorarlberg liegt der sogenannte Medianwert bei 500.000 Euro. Das bedeutet, dass er bei 50 Prozent dieser Immobilien darüber und bei 50 Prozent darunter liegt. 500.000 Euro sind im Bundesländer-Vergleich außerordentlich: Nur in Tirol handelt es sich mit 576.000 Euro um mehr. Im Burgenland, in der Steiermark und in Niederösterreich sind es gerade einmal 200.000 Euro.

„Mit neuem Haus bald Millionär“

Zu beachten ist, dass diese Summen für neue und schon lange bewohnte Immobilien sowie eben Häuser und Wohnungen aller Größen und Klassen gelten. „Was man heute bezahlen muss, liegt weit darüber“, betont Amann. In Vorarlberg betrage der mittlere Häuserpreis bereits 5450 Euro pro Quadratmeter. Bei 150 Quadratmetern ergibt das rund 820.000 Euro.

„Mit neuem Haus bald Millionär“
„Die Unterschiede nach Bundesländern sind gewaltig“, sagt Amann. FOTO: Privat

Laut Michael Klien bleibt die Überschreitung von einer Million im Bestand jedoch „die große Ausnahme“. Das liegt nicht nur daran, dass es Häuser gibt, die schon in die Jahre gekommen sind, oder daran, dass es sich bei neuen um eine Frage der begrenzten finanziellen Möglichkeiten handelt. Klien geht vor allem auch davon aus, dass der Anstieg der Immobilienpreise vorerst gestoppt ist und „auch in Vorarlberg eine Atempause da ist“.

Wen würde Steuer treffen?

Der Besitz eigener vier Wände ist seinen Angaben zufolge der wichtigste Vermögensbestandteil. Die SPÖ, aber auch die Arbeiterkammer wollen Vermögensteile, die über eine Million Euro hinausgehen, besteuern. Viele Fragen dazu sind offen. So hat schon Altbundeskanzler Werner Faymann die Millionengrenze genannt. Heute müsste sie inflationsbereinigt bei eineinhalb Millionen Euro liegen. Abgesehen davon weist Amann darauf hin, dass es dort, wo es eine Vermögensbesteuerung gibt, üblich sei, selbst genütztes Eigentum nicht zu berücksichtigen.

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Doch Immobilien sind in Vorarlberg im Bundesländer-Vergleich eben überdurchschnittlich viel wert. „Die Unterschiede sind wirklich gewaltig“, so Amann. Selbst wenn man bei einer Besteuerung nur jene berücksichtigen würde, die von den Eigentümern nicht bewohnt werden, würde die Besteuerung hierzulande daher zu einem größeren Ertrag führen, wie Klien analysiert: „Beim Aufkommen hätte man eine regionale Konzentration.“ De facto könnte das letzten Endes tatsächlich auf eine Art innerösterreichischen Finanzausgleich hinauslaufen – zwischen Regionen, in denen Immobilien mehr, und Regionen, in denen sie weniger wert sind. Voraussetzung: Es findet sich eine parlamentarische Mehrheit für eine solche Steuer. Im Moment gibt es keine.

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