Ungewisse Zukunft: Klasse aus Rankweil steht bald ohne Lehrer da

Direktor fühlt sich alleingelassen, Bildungsdirektion sucht nach Lösungen.
Von Mirijam Haller & Phillip Plesch
Rankweil, Bregenz Der Lehrermangel in Vorarlberg spitzt sich weiter zu. Die Auswirkungen bekommt die 2a-Klasse der Volksschule Rankweil-Montfort derzeit zu spüren. Direktor Simon Hagen musste die Eltern darüber informieren, dass es für das kommende Schuljahr keine Klassenlehrperson gibt.
Hagen, selbst Mitglied des Österreichischen Arbeitnehmerinnen- und Arbeitnehmerbundes (ÖAAB), erklärt gegenüber den VN, dass eigentlich noch vier Vollzeitstellen für das kommende Schuljahr benötigt werden: “Nur durch den enormen Einsatz und Mehrarbeit des gesamten Teams konnte diese Lücke nun auf eine Stelle reduziert werden.” An der Schule sind somit im kommenden Schuljahr 28 Lehrpersonen sowie drei schulische Assistenten tätig.

Was dies nun für die 23 Schülerinnen und Schüler der nächstjährigen 3a bedeutet? “Es bedeutet eine Kürzung von Angeboten – es gibt zum Beispiel nur noch eine unverbindliche Übung anstatt mehreren. Außerdem gibt es weniger Teamteaching-Möglichkeiten.”

Lohnniveau ist ein Problem
Vonseiten der Bildungsdirektion fühlt sich der Direktor zu wenig gehört, und die Aussagen, wonach alle Stellen besetzt werden können, kann er nicht nachvollziehen. “Vielleicht stimmt das rechnerisch, aber die Realität sieht anders aus. Das Beispiel der Klasse 2a an unserer Schule zeigt deutlich, dass dies nicht der Fall ist.”

Eine Ursache des Lehrermangels in Vorarlberg ist laut Hagen nicht nur, aber vor allem auch das Lohnniveau des Lehrpersonals. Viele Vorarlberger Lehrer entscheiden sich für eine Tätigkeit in der Schweiz oder in Liechtenstein. Dort können sie ein höheres Gehalt erwarten. Die Schweizer Kantone St. Gallen und Luzern werben etwa direkt um Vorarlberger Pädagogen. “Unsere Lehrer sind nicht weniger qualifiziert oder engagiert”, sagt Hagen, “aber wir können sie nicht halten, wenn die Lebenshaltungskosten in Vorarlberg so hoch und die Bezahlung in unseren Nachbarländern attraktiver ist.” Mit dem Lehrergehalt seien gerade mal die Wohnkosten stemmbar, aber große Sprünge seien dann nicht mehr drinnen. Allein in diesem Jahr verließen zwei Lehrpersonen die Volksschule Rankweil, um in Liechtenstein zu arbeiten.

Die Situation sei nicht nur für die Lehrer, sondern auch für die Eltern und vor allem für die Kinder frustrierend. Schließlich hänge die Qualität der Bildung, die die Kinder erhalten, von der Verfügbarkeit und Motivation der Lehrer ab. “Meine Hoffnung ist, dass sich über den Sommer doch noch jemand finden lässt”, sagt Hagen. Als Schulleiter fühlt sich Hagen jedenfalls mit dem Problem alleingelassen.
Über ein Drittel Quereinsteiger
“Selbstverständlich ist die Bildungsdirektion über die Situation an der VS Rankweil Montfort informiert und mit der Suche nach einer Lösung beschäftigt”, teilt Landesstatthalterin und Schullandesrätin Barbara Schöbi-Fink mit. “Vorschläge zur Abdeckung der noch offenen Stunden werden aktuell mit der Schulleitung abgestimmt. Zusätzlich wurde die Stelle auch nochmals ausgeschrieben.”

Laut Bildungsdirektion haben sich heuer deutlich weniger Lehrpersonen auf die ausgeschriebenen Stellen im nächsten Schuljahr beworben. “Es wurden daraufhin mit allen Schulleitungen Gespräche geführt, um schulinterne Lösungen zu finden. Dazu gehört vor allem, das Stundenausmaß von teilbeschäftigten Lehrpersonen zu erhöhen”, heißt es von der Bildungsdirektion. Das sei in sehr vielen Fällen auch gelungen, sodass nahezu an allen Schulen die erforderlichen Stunden abgedeckt werden können.
Aber eben nicht überall: An einzelnen Schulen werde derzeit an Lösungen für die noch offenen Stellen gearbeitet. “Insgesamt sind aktuell im Volksschulbereich noch vier klassenführende Stellen offen, auch sechs Zweitlehrpersonen werden noch gesucht. Im Bereich der Mittelschulen sind noch zwölf Stellen mit unterschiedlichen Stundenausmaßen in den Fächern Deutsch, Mathematik, Englisch, textiles Werken und Integration offen.”
Insgesamt werden für das nächste Schuljahr 161 Lehrer/innen neu in den Schuldienst aufgenommen, darunter sind 65 Quereinsteiger/innen.