Wie’s Vorarlbergern finanziell geht

Für 30 Prozent der Menschen sind selbst Kleinigkeiten unmöglich. Teuerung verschärft das Problem.
SCHWARZACH. Die gute Nachricht: Einer deutlichen Mehrheit der Vorarlbergerinnen und Vorarlberger geht’s finanziell gesehen bestens oder passabel. Die schlechte Nachricht: Rund 30 Prozent haben echte Probleme. Sie geben an, sich selbst Kleinigkeiten nicht leisten zu können. Das zeigt eine Erhebung, die die Statistik Austria unter dem Titel „Soziale Krisenfolgen“ regelmäßig durchführt. Befragt werden dabei rund 3300 18- bis 74-Jährige österreichweit.
Vergleicht man die Ergebnisse der Erhebung, die heuer im März und April durchgeführt worden ist, mit dem Jahr davor, fällt ein generelles Abrutschen auf: Eine Masse befindet sich nach wie vor im grünen Bereich. Auch in ihr wächst aufgrund der Teuerung jedoch die Unzufriedenheit über die finanziellen Verhältnisse. Wobei man von einem Klagen auf hohem Niveau sprechen könnte. Ganz anders ist das bei denen, „die schon bisher jeden Cent drei Mal umdrehen mussten“, wie es der Sprecher der Armutskonferenz, Michael Diettrich, formuliert: „Sie haben jetzt noch größere Probleme, können in der Regel auf keine Ersparnisse zurückgreifen.“

Vom Boden- bis zum Neusiedlersee ist der Anteil der Menschen, die erklären, mit dem Haushaltseinkommen mehr oder weniger leicht das Auslangen zu finden, um neun Prozentpunkte auf 53,5 Prozent gesunken. Der Anteil derer, die von kleineren oder größeren Schwierigkeiten berichten, ist ebenso stark auf 46,5 Prozent gestiegen. Bereits aus jedem zehnten Haushalt heißt es, dass nicht einmal an jedem zweiten Tag eine Hauptmahlzeit für alle leistbar sei.
Keine 1300 Euro verfügbar
Wie eng es für viele geworden ist, zeigen auch Detailergebnisse für Vorarlberg: Bei drei von zehn sind selbst Kleinigkeiten unmöglich. Sie geben an, dass sie regelmäßige Freizeitaktivitäten, die Geld kosten, aus finanziellen Gründen nicht ausüben könnten. Dazu gezählt werden „Besuche von Sportkursen, Konzerten, Kino und Restaurants“. Auch ein zumindest einwöchiger Urlaub für sämtliche Haushaltsmitglieder geht sich nicht aus. Für unerwartete Ausgaben in Höhe von 1300 Euro, die unvermeidbar sind, müssen sie wiederum einen Kredit aufnehmen oder Ratenzahlungen eingehen. Verfügbar haben sie nicht so viel Geld.

Die Regierung hilft, und zuletzt hat sie das auch treffsicher in dem Sinne getan, dass diejenigen unterstützt wurden, die es wirklich brauchen. Das lindert Nöte, wie Michael Diettrich von der Armutskonferenz betont. Wenn jemand, der schon länger zu kämpfen hat, mehrere hundert Euro bekomme, dürfe man sich aber nicht erwarten, dass er diese für eine absehbare Energierechnung zurücklegt, meinte er: Oft seien in solchen Fällen schon zu viele Dinge zusammengekommen, die ersetzt werden müssten; von Kleidung bis hin zu Küchengeräten.
Wichtig wären laut Diettrich daher auch nachhaltig wirkende Maßnahmen. Dazu zähle etwa eine Mietpreisbremse, wie sie nicht zuletzt von Gabriel Felbermayr, dem Chef des Wirtschaftsforschungsinstituts WIFO, gefordert werde oder eine Ausweitung des gemeinnützigen Wohnbaus gerade im Immobilien-Hochpreisland Vorarlberg.