Lohn- und Einkommensteuer: Wenige zahlen einen Großteil

Vorarlberg / 25.06.2023 • 12:30 Uhr
10,2 Milliarden Euro haben mehr als 300.000 Menschen in Vorarlberg 2020 verdient. Die Steuer darauf machte 1,6 Milliarden Euro aus. Foto: APA
10,2 Milliarden Euro haben mehr als 300.000 Menschen in Vorarlberg 2020 verdient. Die Steuer darauf machte 1,6 Milliarden Euro aus. Foto: APA

Vorarlberg: Obersten drei Prozent allein sorgen für 30 Prozent der Einkommensteuer.

SCHWARZACH Die Gesamtsumme kann sich sehen lassen: In Vorarlberg kommen mehr als eineinhalb Milliarden Euro an Lohn- und Einkommensteuer im Jahr zusammen. Ein großer Teil dieser Summe stammt von sehr wenigen Menschen, nämlich Spitzenverdiener:innen. Es entspricht den Erfindern des Systems. Expert:innen sehen jedoch Handlungsbedarf.

Verzögerung normal

Statistik Austria hat gerade die „Integrierte Lohn- und Einkommensteuer-Statistik“ für 2020 veröffentlicht. Erst jetzt? Bis praktisch alle Fälle abgeschlossen sind, dauert es. Daher diese Verzögerung. Sie ist normal.

Die Zahlen sind beeindruckend: Erfasst wurden 311.327 Personen und ein Gesamteinkommen von 10,2 Milliarden Euro. Berücksichtigt wurden Einkünfte aus selbstständiger wie unselbstständiger Erwerbstätigkeit genauso wie Pensionen. Alle zusammen führten zu einem Lohn- und Einkommensteueraufkommen von 1,6 Milliarden Euro.

Wobei auffällt: Eine Masse hat so geringe Einkünfte, dass keine Steuer anfällt. Beziehungsweise: Wenige verdienen so viel, dass sie einen großen Teil der Steuer tragen. Konkret: Bei den obersten drei Prozent machte das Jahreseinkommen mehr als 100.000 Euro („brutto“) aus. Von ihnen kamen 467 Millionen Euro bzw. 29 Prozent des gesamten Lohn- und Einkommensteueraufkommens (siehe Grafik).

Lohn- und Einkommensteuer: Wenige zahlen einen Großteil

Für Carmen Treml von der wirtschaftsliberalen Denkfabrik Agenda Austria widerspricht das der Darstellung, „dass die Einkommen der Reichen zu wenig besteuert seien und sie sich nicht ausreichend an der Finanzierung des Staates beteiligen würden“. Alles in allem, inklusive sonstiger Steuern und Abgaben, würden sie das „überproportional“ tun.

Bei der Einkommensbesteuerung herrscht das Prinzip: Wer mehr verdient, zahlt nicht nur absolut, sondern auch gemessen an seinem Einkommen mehr. Die Daten für Vorarlberg bestätigen, dass das wirklich so ist. Oliver Picek, Ökonom beim gewerkschaftsnahen Momentum-Institut, meint mit Blick darauf, dass das System damit genau so funktioniere, „wie es soll“: Es herrsche das Leistungsfähigkeitsprinzip. „Die grundsätzliche Skandalisierung dieser Verteilung, die man von manchen Leuten liest, kann ich daher nicht nachvollziehen.“

Lohn- und Einkommensteuer: Wenige zahlen einen Großteil
Auch Geringverdiener:innen würden Steuern zahlen, betont Oliver Picek und verweist zum Beispiel auf die Umsatz- und Mineralölsteuer. Foto: Momentum-Institut

Dass bei Geringverdiener:innen keine Lohn- bzw. Einkommensteuer anfalle, sei nicht problematisch: „Sie zahlen ja andere Steuern“, meint Picek und verweist etwa auf die Umsatz- und Mineralölsteuer, die bei ihnen sogar mehr ins Gewicht fallen würde als bei Spitzenverdiener:innen.

Handlungsbedarf sehen die Expert:innen trotzdem. Wenn auch unterschiedlich: Picek findet etwa den Höchststeuersatz, der für Einkommensteile über einer Million Euro gilt, zu niedrig. Er sei damit dem Steuersatz von 50 Prozent zu nahe, der bis dahin gilt: „Da könnte man hinaufgehen, zum Beispiel auf 70 Prozent.“

Lohn- und Einkommensteuer: Wenige zahlen einen Großteil
Der Spitzensteuersatz sei in Österreich sehr hoch, meint Carmen Treml von der „Agenda Austria“. Foto: Hannah Schierholz

Carmen Treml würde in die entgegensetzte Richtung gehen: Sie findet den Höchststeuersatz schon sehr hoch. Im EU-Raum liege man damit im Spitzenfeld, auf Platz drei hinter Dänemark und Frankeich. Treml würde die Steuer vor allem bei mittleren Einkommen senken.

Im internationalen Vergleich werden hierzulande vor allem Einkommen und Konsum besteuert, Vermögen hingegen kaum. Das ist jedoch eine andere Geschichte.