Radüberfahrt auf der Rheinstraße: Wenn gefühlt jeder Vorrang hat

Die Fußgänger- und Radfahrerüberfahrt beim Wuhrbaumweg ist an sich gefährlich, warnen Bürger.
Bregenz Vor drei Monaten verunglückte auf dem Schutzweg nahe dem Wuhrbaumweg eine Frau tödlich. Eine Tragödie, die Mirko Palkovic (75) keine Ruhe lässt. Denn auch wenn bei dem Unfall im März die Frau keine Schuld hatte, ist sich der Lochauer nicht sicher, ob dies für den Schutzweg auch gilt.
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“Ich bin kein Fachmann, aber ich erkenne, wie gefährlich dieser Übergang ist”, betont der Lochauer, der die Rheinstraße hier regelmäßig nützt. Die Beleuchtung wäre nicht ausreichend, um in der Nacht früh genug auf den Schutzweg aufmerksam zu werden. Und trotz der vielen Tafeln wäre der Übergang gefährlich, warnt Palkovic: Der Übergang ist ein Zebrastreifen und Radfahrerübergang in einem, wie die Beschilderung und Bodenmarkierungen aufzeigen. Dies bedeutet: Sowohl Radfahrer als auch Fußgänger haben hier an sich Vorrang. Gleichzeitig geht jeder Fahrzeuglenker auf einer Landesstraße davon aus, Vorrang zu haben. Da der Übergang ohne Ampeln ist, sind alle Verkehrsteilnehmer aus allen Richtungen aufgefordert, sich diesem mit angemessener Geschwindigkeit zu nähern. “Jeder saust durch und denkt, er darf es”, kritisiert der 75-Jährige.

Besonders gefährlich: Der Wuhrbaumweg ist von Bregenz kommend kaum einsehbar, Radfahrer könnten dementsprechend überraschend auf den Zebrastreifen einfahren. Sein Wunsch: Entweder die Geschwindigkeit auf der Landesstraße vor dem Übergang reduzieren oder diesen sichtbarer gestalten. “Ich will nicht streiten, aber hier geht es um Menschenleben”, fürchtet Palkovic, dass der Unfall vom März sich jederzeit wiederholen könnte. Bisher hatte er jedoch nicht das Gefühl, dass man seine Warnungen ernst nimmt.

“Ich stimme zu, dass es im Lande leider sehr viele Stellen gibt, an denen nicht intuitiv klar ist, wer wo wie zu fahren hat”, weiß auch Veronika Rüdisser von der Radlobby Vorarlberg. “Außerdem dürfte es etwas außer Mode geraten sein, bei Zebrastreifen aufmerksam zu fahren bzw. stehen zu bleiben – Vorarlberg ist traurigerweise österreichweit ein Spitzenreiter bei Unfällen auf dem Zebrastreifen.”
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Rüdisser räumt ebenfalls ein, dass die Gestaltung eine Rolle spielt. Die Radlobby kenne allein in Vorarlberg acht verschiedene Versionen von Radfahrerüberfahrten. “Zudem wissen viele Autofahrende noch immer nicht, was eine Radfahrerüberfahrt überhaupt ist. Wer soll sich da noch richtig verhalten können?” Insgesamt seien die Adaptierungen der StVO zum Vorteil der Radfahrer noch viel zu unbekannt: So dürfen Eltern beim Radfahren auf allen Straßen (außer Schienenstraßen) jederzeit neben ihren Kindern fahren, innerorts ist ein Überholabstand von eineinhalb Metern vorgeschrieben. Rüdisser sieht in Vorarlberg Ausbaubedarf, etwa bei der Beschilderung von Radwegen oder den Ausnahmen für Radfahrern bei roten Ampeln, die die StVO inzwischen erlaubt.
