Warum die querschnittsgelähmte Aurora nicht aufhört zu kämpfen

Vorarlberg / 07.06.2023 • 21:48 Uhr
Aurora inmitten ihrer Familie mit Mama Zelike, Bruder Adrian und Papa Valdet. Für das behinderte Mädchen wird alles getan. <span class="copyright">VN/Steurer</span>
Aurora inmitten ihrer Familie mit Mama Zelike, Bruder Adrian und Papa Valdet. Für das behinderte Mädchen wird alles getan. VN/Steurer

Gehen mit einem Rollator. Das ist der Lebenstraum der Zehnjährigen. Jetzt braucht sie eine Spezialtherapie.

Lustenau Aurora ist eine aufgeweckte Zehnjährige mit altersgemäßen Hobbys. Sie liebt ihren Hund Bruno, spielt gerne Computer, kann hervorragend singen und ist gesellig. Doch das Schicksal ist nicht ihr Freund. Vor sieben Jahren saß sie im Auto mit ihren Eltern und Bruder Adrian, als sie im Kosovo an einer unübersichtlichen Stelle von einem Zug gerammt wurden. Mit fatalen Folgen: Papa Valdet entrinnt mit 28 Brüchen und zeitweiligem Herzstillstand nur knapp dem Tod. Und während Mama Zelike sowie Bruder Adrian relativ glimpflich davon kommen, ändert sich für Aurora das Leben komplett: Nervenstränge im Rückenwirbel werden schwer beschädigt, wenn auch nicht komplett durchtrennt. Aurora kann ab sofort nicht mehr gehen, muss sich schon als Kleinkind an den Rollstuhl gewöhnen.

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Das war Aurora als Dreijährige, unmittelbar nach dem Unfall im Kosovo. Dieses Ereignis veränderte ihr Leben. <span class="copyright">Kllokoqi</span>
Das war Aurora als Dreijährige, unmittelbar nach dem Unfall im Kosovo. Dieses Ereignis veränderte ihr Leben. Kllokoqi
Aurora lässt sich nicht unterkriegen. Der Rollstuhl ist ihr ständiger Begleiter. Aber sie ist schon sehr selbstständig.
Aurora lässt sich nicht unterkriegen. Der Rollstuhl ist ihr ständiger Begleiter. Aber sie ist schon sehr selbstständig.
Auf dem Laufrad im Keller kämpft Aurora mit Unterstützung ihrer Eltern Zelike und Valdet verbissen um jeden Meter.
Auf dem Laufrad im Keller kämpft Aurora mit Unterstützung ihrer Eltern Zelike und Valdet verbissen um jeden Meter.

Alles für Aurora

Für die ursprünglich aus dem Kosovo stammende Familie Kllokoqi ist zurück in Lustenau nichts mehr, wie es vorher war. Vater Valdet, einst erfolgreicher Logistikexperte, kämpft sich mühevoll zurück ins Leben, muss nach mehreren Jahren jedoch seine Arbeitsunfähigkeit zur Kenntnis nehmen. Im Haushalt dreht sich künftig alles um Aurora. Wohnungswechsel (jetzt ebenerdig), Wohnungseinrichtung, Tagesplan, Therapien: alles ist auf das liebenswürdige Mädchen abgestimmt.

Gerne hüpft Aurora in sitzender Position auch auf dem Trampolin im Garten.
Gerne hüpft Aurora in sitzender Position auch auf dem Trampolin im Garten.
Gerührt vom Schicksal des zehnjährigen Mädchens zeigte sich auch "Ma hilft"-Koordinatorin Marlies Müller.
Gerührt vom Schicksal des zehnjährigen Mädchens zeigte sich auch "Ma hilft"-Koordinatorin Marlies Müller.

Vater Valdet und auch Mama Zelike kämpfen Tag für Tag verbissen um Verbesserungen von Auroras Gesundheitszustand. Nicht ohne Erfolg. “Ich spüre wieder meine Beine. Ich will eines Tages wieder etwas gehen können. Und wenn es auch nur mit einem Rollator ist”, sagt Aurora. Worte wie diese gehen Eltern und Bruder Adrian tief ins Herz.

Ihren ganz besonderen Charme verlor die Kleine Aurora auch unmittelbar nach dem tragischen Unfall nie.
Ihren ganz besonderen Charme verlor die Kleine Aurora auch unmittelbar nach dem tragischen Unfall nie.

Intensivtherapie

“Ich bin kein Träumer und habe mich mit Auroras Verletzung intensiv beschäftigt. Ich weiß: Die Chancen, dass sie in eingeschränkter Form wieder gehen wird können, sind realistisch”, erklärt Papa Valdet und blättert in der dicken Mappe voll mit Unterlagen zu Auroras Gesundheitsgeschichte.

Aurora im Krankenhaus vor sieben Jahren. Zu dieser Zeit kämpfte ihr Vater mit dem Tod. <span class="copyright">Kllokoqi</span>
Aurora im Krankenhaus vor sieben Jahren. Zu dieser Zeit kämpfte ihr Vater mit dem Tod. Kllokoqi

Darunter sind auch ärztliche Atteste, die den zu erwartenden Nutzen einer ganz speziellen Mobilitätstherapie betonen: Sechs Stunden täglich Intensivtherapie, fünf Stunden davon reine Bewegungsaktivitäten, wobei 70 Prozent dieser im Stehen erfolgen. Teil dieser Spezialbehandlung ist auch das computergesteuerte, unterstüzte Gehen auf einem Laufband. “Was Aurora vor allem braucht, gibt es nur in einem Reha-Zentrum im deutschen Pforzheim. In Österreich existiert etwas Derartiges nicht”, weiß Valdet Kllokoqi. Die achtwöchige Therapie kostet über 40.000 Euro. Die Familie kann sich das nicht leisten, ist auf Hilfe angewiesen.

“Ma hilft” wird Aurora unterstützen. Zusätzlich hat die Familie ein Spendenkonto für das Mädchen bei der Dornbirner Sparkasse in Lustenau eingerichtet.

In der Wohnung ist alles auf Auroras Bedürfnisse ausgerichtet. <span class="copyright">VN/Steure</span>r
In der Wohnung ist alles auf Auroras Bedürfnisse ausgerichtet. VN/Steurer

Liebenswürdige Kämpferin

Aurora ist zum Kampf bereit. Das war sie schon immer. Wenn sie etwa von einer Tragtasche gestützt und mit Hilfe beider Eltern Schritte auf das Laufband im Keller setzt, fightet sie verbissen um jeden Meter. Teilweise zurückgekommen ist mittlerweile ein Gefühl im Unterleib. Es lässt sie erstmals Toilettengänge kontrollieren. Natürlich hilft ihr dabei die Mama. Sie kommt auch extra in die Schule, wenn Aurora “muss”.

Vor allem aber hat der Teenager nie den Mut und auch nicht den Humor verloren. Aurora ist bei ihren KlassenkollegInnen beliebt. Überall wird sie mitgenommen. Doch gerne möchte sie eines Tages von ihren Freunden und ihrer Familie nicht nur mitgenommen werden sondern sprichwörtlich selbst mitgehen.

Das ist ihr Lebenstraum.

Spendenkonto Aurora

Wer Aurora direkt unterstützen will, kann das durch eine Einzahlung auf das “Spendenkonto Therapie Aurora Kllokoqi” tun: AT 60 2060 2000 0203 4502