Babyboomer-Pensionierungen in Spitälern: „Probleme wurden zu lange schöngeredet“

Ärztekammervizepräsident und Oberarzt Hermann Blaßnig warnt vor drohender Pensionierungswelle der „Babyboomer“.
Er fordert dringendes Handeln des KHBG-Managements, um einen Systemkollaps abzuwenden.
Schwarzach Gesperrte Betten, Überlastungsanzeigen, verschobene OP-Termine und ausgebranntes Personal: Das Gesundheitssystem kommt derzeit nicht aus den Schlagzeilen. Ärzte sowie Pflegekräfte warnen vor einem bevorstehenden Zusammenbruch der medizinischen Versorgung, wenn nicht gehandelt wird. Erst vergangene Woche traten drei Betriebsräte der Krankenhäuser gemeinsam an die Öffentlichkeit und schlugen Alarm.
„Das Problem des sogenannten Pillenknicks kennt man schon lange. Wir haben bereits vor vielen Jahren darauf hingewiesen, dass man sich vorbereiten muss, wurden jedoch vom Management nur milde belächelt“, findet Hermann Blaßnig (59), Ärztekammervizepräsident und Sprecher der Spitalsärzte, klare Worte. In den kommenden Jahren gehen viele der sogenannten Babyboomer, insbesondere der geburtenstärksten Jahrgänge 1963/64, in Pension. Die Männer dieses Jahrgangs werden 2028 das gesetzliche Pensionsantrittsalter erreicht haben, die Frauen 2023.
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„Es gehen damit nicht nur Köpfe in Pension, sondern auch jahrzehntelange Erfahrung und Expertise. Beides wird dann nicht nur in der Patientenversorgung fehlen, sondern auch bei der Ausbildung junger Mediziner“, warnt der Oberarzt am Krankenhaus Dornbirn. Durch die Pensionierungswelle verschärft sich der Fachärztemangel, der derzeit schon in verschiedenen Bereichen wie der Inneren Medizin in Bregenz oder der Gynäkologie und Geburtshilfe in Bludenz akut ist.

Teufelskreis
Dadurch entsteht ein Teufelskreis: Das verbleibende Personal, ob in der Pflege oder Ärzteschaft, steht unter enormem Druck und ist ständig überlastet. Dies führt dazu, dass weniger Zeit für die individuelle Betreuung von Patienten bleibt. Mitarbeiter verlassen die Krankenhäuser, weil sie das Gefühl haben, ihre beruflichen Anforderungen nicht mehr erfüllen zu können. „Sie haben Angst, dass Fehler passieren und Patienten nicht mehr lege artis behandeln zu können“, gibt der Oberarzt zu bedenken.
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„Probleme wurden nicht anerkannt“
Hinzukommt, dass erfahrene Ärztinnen und Ärzte nicht einfach durch Jungärzte ersetzt werden können, schon gar nicht 1:1. Es brauche zwei bis drei Jungärzte, um einen erfahrenen Mediziner zu ersetzen. Etwa die Hälfte der Ärzte in Vorarlberg befindet sich noch in der Ausbildung. Ein großes Problem sei außerdem, dass Jungärzte nach der Ausbildung oft in andere Bundesländer oder ins Ausland gehen. „Es muss dringend etwas getan werden, um die Leute in Vorarlberg zu halten. Dabei geht es auch nicht nur um das Finanzielle“, so Blaßnig. Denn das Arbeiten mit kranken Menschen sei sehr herausfordernd, auch emotional: „Man darf nicht vergessen, dass 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche Dienste abgedeckt werden müssen. Die Dienste sind auf Dauer sehr anstrengend.“

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Sein Appell richtet sich an die Entscheidungsträger, die Ernsthaftigkeit der Situation anzuerkennen: „Man muss der Führungsverantwortung gerecht werden“, nimmt der Spitalsärztesprecher das Management der Krankenhausbetriebsgesellschaft (KHBG) in die Pflicht, während er Gesundheitslandesrätin Martina Rüscher explizit aus der Kritik nimmt. Es geht aber auch darum, die Beschäftigungsverhältnisse neu zu gestalten, um junge Medizinerinnen und Mediziner zu halten. Speziell, was Ausbildung, Anstellung und Bezahlung angeht.
Viel zu lange seien die Probleme seitens des Managements nicht anerkannt worden: „Nur schönreden geht nicht mehr.“ Um einen Kollaps abzuwenden, müsse gemeinsam gearbeitet werden. „Wenn jetzt nicht gehandelt wird, werden wir die Folgen in den kommenden Jahren drastisch spüren.“
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