Warum es im Land mehr Vorfahrt für Radfahrer braucht

Am 3. Juni ist “Tag des Fahrrads”. Ein Anlass, über die Situation rund die umweltfreundliche Alternative zum Auto, die Radinfrastruktur und neue Entwicklungen Bilanz zu ziehen.
Schwarzach Rauf auf das Fahrrad und schon geht es Richtung Arbeit, in die Schule, zum Einkaufen oder in die Natur. In keinem Bundesland wird das Fahrrad so häufig als Verkehrsmittel genutzt wie in Vorarlberg, informieren Michael Schwendinger und das Team der Mobilitätsorganisation VCÖ anlässlich des “Tag des Fahrrads”. Die Hälfte der Vorarlbergerinnen und Vorarlberg fährt demnach sogar häufig Rad, ein weiteres Viertel zumindest gelegentlich.

“Die Vorarlbergerinnen und Vorarlberger sind Österreichs fleißigste Radfahrerinnen und Radfahrer”, stellt VCÖ-Experte Schwendinger fest und ortet großes Potenzial für noch mehr Radverkehr im Land. In Vorarlberg seien nämlich an Werktagen vier von zehn Autofahrten kürzer als fünf Kilometer, was eine ideale Radfahrdistanz sei. Zwei Drittel der Autofahrten seien kürzer als zehn Kilometer, was mit Elektrofahrrädern für viele gut bewältigbar wäre.
Radverkehr in Vorarlberg
49 Prozent der Vorarlberger nutzen laut Statistik das Fahrrad häufig als Verkehrsmittel. Im Österreichschnitt sind es 31 Prozent.
16 Prozent betrug der Radverkehrsanteil bei der letzten Mobilitätserhebung im Jahr 2017
120 Millionen Euro pro Jahr Gesamtwertschöpfung erwirtschaftet der Radverkehr im Land laut einer Studie der TU Wien
2000 Arbeitsplätze sichert der Radverkehr im Land
41 Gemeinden unterstützen eine aktuelle VCÖ-Initiative zur Änderung der Straßenverkehrsordnung. Ziel ist, Tempo 30 ohne teure Gutachten oder Verhandlungen mit Bezirksbehörden einführen zu können, wo es für sinnvoll erachtet wird.
506.159 Fahrräder wurden im Vorjahr in Österreich verkauft – darunter 246.728 Elektrofahrräder
86 Prozent der Vorarlberger Haushalte besitzen zumindest ein funktionstüchtiges Fahrrad – jeder Dritte Haushalt drei oder mehr
Quelle: VCÖ
In Gemeinden und Städten könnten die Bedingungen zum Radfahren nach Ansicht der VCÖ-Experten durch großflächiges Tempo 30 günstig verbessert werden. Der VCÖ hat daher eine Initiative zur Änderung der Straßenverkehrsordnung (StVO) gestartet. Bereits 41 Vorarlberger Gemeinden und Städte würden diese unterstützen. “Die Sicherheit, insbesondere von Kindern, und die Lebensqualität der Bevölkerung muss Vorrang haben”, ergänzt Schwendinger.
Tipps für mehr Sicherheit beim Radfahren sind unter anderem unter https://www.sicheresvorarlberg.at/ratgeberartikel/sicheres-fahrradfahren/ abrufbar.
Die weitere Verbesserung der Radinfrastruktur, eine radfahrfreundliche Verkehrsplanung in Gemeinden und Städten, Parkraumbewirtschaftung sowie betriebliches Mobilitätsmanagement von mehr Unternehmen sieht Schwendinger als wesentliche Maßnahmen, um es noch mehr Vorarlbergerinnen und Vorarlbergern zu erleichtern, das Fahrrad häufig als Verkehrsmittel zu nutzen.
Wie Mobilitätslandesrat Daniel Zadra (Grüne) unlängst bei einer Pressekonferenz berichtete, sind in Vorarlberg 200 Kilometer Radschnellverbindungen und bis 2030 rund 40 Schlüsselprojekte geplant, um die Situation für Radfahrer zu verbessern. Investiert werden sollen dabei von Land, Bund, Gemeinden und Schweizer Partner über 100 Millionen Euro.
Wie der Chef einer Fahrradwerkstatt die Entwicklungen erlebt

Wird Josef Maierhofer auf die Radinfrastruktur im Land und die Verkehrsdichte angesprochen, schüttelt er nur den Kopf. “Wesentlich verbessert werden könnte diese beispielsweise durch einen Radweg in den Bregenzerwald werden”, meint er. Zudem ortet er Optimierungspotenzial, was Radbusse angeht und den Radtransport in Zügen.
Maierhofer ist seit seiner Kindheit ein großer Fahrradliebhaber und hat immer schon gerne an Rädern herumgeschraubt. Vor neun Jahren hat er eine kleine Fahrradwerkstatt in Dornbirn eröffnet. Mittlerweile gibt es bei “SEPPcycles” zudem eine Auswahl an Fahrrädern im Premiumsegment zu kaufen.
Wie viele Fahrräder er schon repariert hat, vermag Maierhofer gar nicht mehr zu sagen. Oft zu tun bekommt er es in seiner Werkstatt mit Bremsen. “In Vorarlberg geht es halt oft in steiles Gelände”, erklärt der Experte. Was die Technik betrifft, so würden die Systeme der E-Bikes immer noch umfangreicher und smarter.
Wie ein Bike-Guide und Ausbildner die Situation einordnet

Als Kind hat Johannes Larch an alten Fahrrädern aus dem Sperrmüll herumgebastelt und war immer auf zwei Rädern unterwegs. Heute leitet er neben seinem Job als Vertriebsleiter die Bike Schule Bregenzerwald, veranstaltet Präventionskurse, gibt Kurse in der Bergführer-Ausbildung und als Guide sein Wissen weiter. “Dabei möchte ich auch einen Beitrag zur Sicherheit leisten”, sagt er.
Das Radfahren sieht er als sportliche Tätigkeit. “Fahrradfahren ist wie Langlaufen – das kann im Grunde jeder. Mountainbiken ist wie Skifahren”, zieht Larch einen Vergleich. Was die Radinfrastruktur angeht, so ordnet er diese als “bedingt gut” ein. “Da gibt es schon noch großes Potenzial”, meint auch er.
Wie eine Familie die Geschichte des Fahrrads lebt und Radwege erkundet

Bei der Familie Rohrer aus Bludesch dreht sich alles ums Rad. Im Wohnhaus von Amrei und Peter findet sich von der Draisine bis hin zum E-Bike so manches Schmuckstück. Gemeinsam haben die Rohrers auch schon zahlreiche Radwege in Europa erkundet, sind oft im Alltag mit dem Rad unterwegs und nehmen jedes Jahr an Nostalgie-Ausfahrten teil. “Am 22. Juli geht es wieder zur Nostalrad nach Zell am See”, erzählt Amrei Rohrer.
Die Pensionistin ist oft mit dem Rad Richtung Montafon unterwegs. “Die Strecke ist gut zu fahren und ich muss kein einziges Mal absteigen”, erzählt sie.