Vorarlberger Pfarrer drohte plötzlich die Abschiebung

Vier Pfarrgemeinden stehen derzeit ohne Pfarrer da, die Irritationen reichen tief.
Von Magdalena Raos und Matthias Rauch
Doren, Langen, Sulzberg Zu Pfingsten gab es in Langen ein großes Fest. Pater Regis Mushunje feierte mit den Gläubigen seine 25-jährige Zugehörigkeit zum Mariannhiller Orden. Doch die Freude währte nicht lange. Nach den Feiertagen musste der Geistliche, der ursprünglich aus Simbabwe stammt, Österreich verlassen. Hintergrund ist eine scheinbar ungültige Arbeits- und Aufenthaltsbewilligung. In der Pfarrgemeinde ist die Irritation über den Umgang mit ihrem Pater Regis groß.

Seit 2021 lebt Pater Mushunje in Langen. Der Geistliche ist Leiter des Pfarrverbands Doren-Langen-Sulzberg-Thal und Vorsitzender des Pfarrgemeinde- und Kirchenrats in den vier Pfarren. Mushunje hat nach seinem Studium in Rom zunächst sieben Jahre in Deutschland gelebt und als Priester gearbeitet. Dort ist ihm eine unbefristete Arbeits- und Aufenthaltsbewilligung in der Europäischen Union ausgestellt worden. Schließlich kam er nach Langen. “Er konnte sich hier ordnungsgemäß anmelden und alle Behördengänge erledigen”, erzählt die Organisationsleiterin im Pfarrverband, Maria Spindelböck. Doch nun haben die österreichischen Behörden überraschend festgestellt, dass die in Deutschland ausgestellten Papiere nicht ausreichen. Der Bezirkshauptmannschaft zufolge handle es sich um eine reine Formalität. Dem Geistlichen wurde nahegelegt, das Land zu verlassen, von dort aus könne er dann die notwendige Sonder-Niederlassungsbewilligung beantragen. “Sonst könnte es im schlimmsten Fall zu einer Abschiebung kommen”, fasst Spindelböck zusammen. Er hätte sich nach drei Monaten alternativ um eine dauerhafte Aufenthaltsbewilligung kümmern müssen, seitdem sei er nun aber illegal im Land. “Niemand hat ihm das mitgeteilt, es war nie ein Thema”, betont Spindelböck. Der Pater selbst wollte sich auf VN-Anfrage nicht zu den Vorgängen äußern.

“Ich war etwas irritiert, dass ich erst bei der Feierlichkeiten von den Problemen erfuhr und sich die Pfarre nicht vorher an die Gemeinde wandte”, wundert sich Bürgermeister Josef Kirchmann. “Es ist schließlich ein politisches Thema: Eine EU-Arbeitsbewilligung muss auch in Vorarlberg gelten.” Noch am Pfingstsonntag nahm er Kontakt mit Sicherheitslandesrat Christian Gantner auf, der sich wiederum bei den Verantwortlichen informiert habe. Schnell habe sich abgezeichnet, dass die Lösung recht einfach sei und das Gesetz nicht in vollem Umfang berücksichtigt wurde, zeigt sich Kirchmann dankbar für die schnelle Reaktion.
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Auch die Diözese rechnete nicht mit solchen Problemen. Schließlich kennt das Niederlassungsgesetz klare Vorgaben bei der Erteilung von Aufenthaltstiteln für beruflich entsandte Drittstaatsangehörige, das Ausländerbeschäftigungsgesetz ist nicht auf Priester anzuwenden. “Er hätte gar nicht nach Würzburg gehen müssen”, betont die Diözesansprecherin Veronika Fehle. Er verfüge schließlich über eine gültige Daueraufenthaltsbewilligung für die EU, er braucht damit auch kein Visum. Warum es also soweit überhaupt kam, ist für die Diözese unerklärlich. Ihre Rechtsstelle wird daher einen Einspruch einreichen, aus Sicht der Diözese wurden auch keine Behördengänge versäumt. Damit wäre dann aus Sicht der Vorarlberger Kirche alles erledigt, eine Rückkehr Mushunjes jederzeit möglich.
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Schlussendlich der Amtsschimmel war entfesselt. Am Dienstag nach Pfingsten machte sich der Priester auf den Weg in sein Stammkloster nach Würzburg, am 15. Juni wird er voraussichtlich noch beim österreichischen Konsulat in München vorsprechen. “An sich müssten alle Vorwürfe vom Tisch sein”, ist Kirchmann wie auch die Kirche bereits überzeugt. Er rechnet damit, dass Mushunje je nach dessen Präferenzen in spätestens drei Wochen wieder in Amt und Würden am Pfänderhang ist. Doch bis dahin stehen die Pfarren ohne Pfarrer da.