Was gute Seniorenheime ihre Bewohner älter werden lässt

Gute Betreuung, Tagesstruktur gemischt mit individuellen Freiheiten: Zu Besuch im Seniorenheim Schützengarten.
Lustenau Am Ende streichelt die nicht auf den Mund gefallene Wilma (90) ihren Heimkollegen Paul (81), der im Rollstuhl sitzt, liebevoll am Hals. “Gell, das ist fein”, sagt Wilma. Sie ist blind und doch von ausgesuchter Vitalität. “Man muss halt ein bisschen früh ins Bett hier, aber das tut uns ja gut. Abgesehen davon, dass ich im Bett ja noch den Fernseher einschalte. Genauso wie ich das will.”
Chefbetreuerin Corina Hämmerle (53) bringt das wieder einmal zum Lachen. “Wilma ist etwas Besonderes”, meint Hämmerle. Aber das sind Ernst, Paul, Charlie und Marlene, die im zweiten Stock des Seniorenheims Schützengarten zusammensitzen, für sie auch.

Wichtige Tagesstruktur
Marlene fällt Corina gleich um den Hals. “Sie ist so wunderbar. Wir haben großartige Betreuerinnen hier. Nicht umsonst werden Vorarlberger am ältesten”, sagt die 88-Jährige, nachdem sie vom österreichischen Lebenserwartungsbericht gehört hat.
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Das Leben im Heim: Es soll für die Bewohner so angenehm wie möglich sein. Und doch braucht es auch eine Struktur. “Wir bieten verschiedene Aktivitäten an: Bewegung, Gedächtnistraining, gesellige Sachen. Die Gruppen werden dabei passend zusammengestellt”, beschreibt Corina Hämmerle das Spektrum der Aktivitäten samt Idee dahinter.

Beliebte Betreuerin
Ernst Riedmann (78), Rollstuhlfahrer wie Charlie Kahr (92) und Paul Schedler, liebt Aktivitäten in Gesellschaft. “Bewegung gefällt mir ebenso wie Gedächtnistraining. Ich will nicht einfach nichts tun.” Hämmerle bestätigt die willkommenen Ambitionen Riedmanns, den gerade eben noch seine Nichte Sabine besucht hatte. Sie sieht sich als eine Art Anleiterin zum Glücklichsein ihrer Schützlinge, bei denen sie mit ihrer gewinnenden und sympathischen Art spürbar gut ankommt.

Nur ein bisschen schimpfen
“Zufriedenheit”, glaubt Riedman zu wissen, “ist ein wichtiger Schlüssel zum Altwerden.” “Ein bisschen schimpfen muss man aber gelegentlich schon auch”, wirft der Steirer Kahr ein, der mit dem ehemals berühmten und namensgleichen Skitrainer verwandt ist. “Schimpfen ist ja ab und zu das Salz in der Suppe”, kichert Charlie vor sich hin.

Bereitwillig lassen sich die umtriebigen Senioren für ein abschließendes Gruppenfoto zusammenrücken. Der Interviewtermin mit einem Medium ist für sie schließlich etwas ganz besonderes und spannendes. Wobei: Langweilig scheint ihnen nie zu werden.
