Warum Mobbing an Schulen alle angeht

Vorarlberg / 29.05.2023 • 15:30 Uhr
Die Folgen von Mobbing können drastische Auswirkungen auf Gesundheit und Psyche haben. <span class="copyright">Symbolbild/APA</span>
Die Folgen von Mobbing können drastische Auswirkungen auf Gesundheit und Psyche haben. Symbolbild/APA

Mobbing ist ein Grund, dass die Schule für manche Kinder ein Ort der Qual wird. Ein Projekt rund um eine “Friedenshymne” für Vorarlberg soll wachrütteln. Dafür werden Sponsoren gesucht.

Rankweil Es geht ums Schikanieren, Bespucken, Bloßstellen vor den Mitschülerinnen und Mitschülern oder im digitalen Raum – in Chats oder Messenger-Diensten. Es geht um psychische Gewalt: Mobbing an Schulen ist auch in Vorarlberg ein großes Thema. Rund 180 Anfragen beziehungsweise Anlassfälle bearbeitete Elfriede Böhler von der Mobbing-Koordinationstelle für Pflichtschulen allein im Schuljahr 2021/22. Hinter jedem Fall steckt eine individuelle Geschichte mit erschütterndem Hintergrund. Das Projekt “Für ein Miteinander IM Frieden” soll nun wachrütteln.

Mobing-Koordinationsstelle

Schuljahr 2021/22

181 Anfragen im Anlassfall wurden gestellt

87 Anfragen gab es im Mittelschulbereich

205 präventive Workshops für den Umgang mit Gewalt und Mobbing wurden durchgeführt

Elfriede Böhler leitet die Mobbing-Koordinationsstelle des Landes. <span class="copyright">Böhler</span>
Elfriede Böhler leitet die Mobbing-Koordinationsstelle des Landes. Böhler

Für Böhler nimmt Mobbing inzwischen ein erschreckendes Ausmaß an: “Es gibt keine Grenzen mehr, kein Tabu. Es ist unglaublich, wie hinterlistig und gemein es inzwischen abläuft.” Vor allem auch das sogenannte Cybermobbing habe über die Pandemie hinweg zugenommen. “Dieses stoppt nicht vor der Haustür und passiert rund um die Uhr”, sagt Böhler und fügt hinzu: “Wir haben es auch mit einer steigenden Zahl von Schülerinnen und Schülern zu tun, die deswegen gar nicht mehr in die Schule gehen können. Die Angst vor weiteren Übergriffen ist groß.”

Leider handelt es sich bei Mobbing nach wie vor um ein sehr angst- und schambehaftetes Thema.

Elfriede Böhler, Mobbing-Koordinationsstelle

Bei Mobbing gehe es nicht nur um Täterin oder Täter und Opfer. Mobbing sei ein Gruppenphänomen, das alle betrifft. “Akteurinnen und Akteure benötigen die entsprechende Resonanz, damit die Schikane weitergehen kann”, sagt die Expertin. Das Thema ist auch für Familienangehörige sehr belastend. “Es ist erschütternd, wie lang es oft dauert, bis Eltern darüber sprechen können. Leider handelt es sich nach wie vor um ein sehr angst- und schambehaftetes Thema.”

Cybermobbing hat während der Pandemie deutlich zugenommen. <span class="copyright">Symbolbild/APA</span>
Cybermobbing hat während der Pandemie deutlich zugenommen. Symbolbild/APA

Prinzipiell hat jede und jeder bei Verdacht auf Mobbing die Möglichkeit, sich bei der Koordinationsstelle, die an die Heilstättenschule in Rankweil angegliedert ist, zu melden. Dort werden, falls nötig, Interventionen koordiniert und weitere Handlungsschritte eingeleitet.

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Für Böhler ist wichtig aufzuzeigen, dass gegen Mobbing etwas unternommen werden muss. Präventive Maßnahmen wie Workshops, Fortbildungen, Lehrgänge oder Sozialtrainings in Klassen würden an den Schulen im Land gut genutzt. Jetzt wird bis Ende des Jahres eine „Friedens-Hymne“ für Vorarlberg produziert, damit Frieden Schule macht.

Mitsingen und mittanzen

Im Rahmen dieses Projekts soll ein Lied enstehen, dass alle Schülerinnen und Schüler im Land zum Mitsingen und Mittanzen bewegen soll. Die Vision von Böhlers, ihrer Kollegin Michaela Uitz-Steinhauser und des Projektteams ist, eine Hymne zu kreieren, die unabhängig von Sprache, Kultur oder Hintergrund verbindet. Schülerinnen und Schüler, die bereits Zivilcourage gegen Mobbing und somit prosoziales Verhalten gelernt haben, würden dies darüber hinaus im Lehrbetrieb bzw. Unternehmen zeigen.

Um das Projekt umsetzen zu können, ist finanzielle Unterstützung nötig. Ziel ist nämlich, einen Song samt Video professionell zu produzieren, diesen in allen möglichen Kanälen zu bewerben und jedes Schulkind zu erreichen, wie Böhler erklärt. Unterstützung gibt es bereits durch den Verein Doublecheck, der Kunst und Kultur mit Bildung verbindet. Nun wird auf zahlreiche Sponsoren gehofft, um Mobbing mit dem Song entgegenzuwirken und wachzurütteln.

Kontaktadresse zur Koordinationsstelle: mobbing@bildung-vbg.gv.at