Taktisch und potenziell tödlich: Schwarzblauer Ölkäfer in Vorarlberg

Markus Nussbaumer, Biologe und Fachberater bei der inatura Dornbirn, teilt Einblicke in die komplexe und faszinierende Lebensweise des seltenen Käfers.
Dornbirn Ein seltenes und ungewöhnliches Insekt zieht immer mehr Aufmerksamkeit auf sich – der Schwarzblaue Ölkäfer (Meloe proscarabaeus). Der Schwarzblaue Ölkäfer hat eine komplexe Lebensweise, die faszinierend und raffiniert ist, weiß Markus Nussbaumer, Biologe und Fachberater bei der inatura Dornbirn. Aktuell erlebt der Ölkäfer in den sozialen Medien einen Höhenflug, wobei er oft als “Horrorkäfer” oder “Todeskäfer” bezeichnet wird. “Wir haben bisher in Vorarlberg 24 bestätigte Sichtungen, von der Silvretta bis nach Bregenz, registriert. Heuer sind bereits zwölf Meldungen bei der inatura eingegangen”, berichtet der Biologe.

Tödliches Gift
Der ein bis drei Zentimeter große Käfer ist berüchtigt für sein Gift namens Cantharidin, das er in Stresssituationen aus seinen Kniegelenken absondert. “Dieses Gift kann bei Kontakt mit der Haut Verätzungen hervorrufen und, wenn es verschluckt wird, sogar tödlich sein”, berichtet Nussbaumer. Sein außergewöhnlicher Giftcocktail hat ihm in der Geschichte Aufmerksamkeit verschafft. Im antiken Griechenland wurde das Gift des Ölkäfers für Hinrichtungen verwendet, während in der Neuzeit Morde mit dem Gift des Käfers dokumentiert sind.

Das für Warmblüter potenziell tödliche Gift ist aber nicht das Einzige, das den Ölkäfer so besonders macht. Das Insekt benötigt zwei Jahre zur Entwicklung, lebt aber nur einen einzigen Monat davon als Käfer. Dass aus einem Ei tatsächlich ein Käfer hervorgeht, ist reine Glückssache, da nur etwa eins von tausend Eiern dieses Schicksal teilt. “Die Larven des Schwarzblauen Ölkäfers nutzen Wildbienen als Transportmittel zu deren Nest. Dort fressen sie das Ei der Biene und den dortigen Nahrungsvorrat”, erklärt Nussbaumer. Im darauffolgenden Frühjahr schlüpfen nach verschiedenen Zwischenstadien die erwachsenen Käfer, die aber nur einen Monat überleben.

Imitieren von Blüten
Manchmal klettern die rötlich-gelb gefärbten Larven des Ölkäfers auch nicht einzeln auf eine Blüte, sondern “rotten sich zusammen und imitieren eine Blüte”, nennt Nussbaumer eine weitere Besonderheit des Krabbeltiers. Wildbienen, die darauf hereinfallen, sind sofort von mehreren Larven übersät.
Bevorzugt leben Ölkäfer im Waldrandbereich: “Man begegnet ihm im Normalfall also nicht im Gemüsegarten.” Trifft man den Ölkäfer dennoch an, sollte man Abstand wahren und das Tier nicht angreifen, rät Nussbaumer. Sollte es dennoch zum Kontakt mit dem Käfer gekommen sein, sollte man die Stelle gründlich waschen, da das Gift Rötungen und Blasen an der Haut hervorruft. Haustiere meiden die Krabbeltiere, da das ölige Sekret unangenehm riecht. Sichtungen können bei der inatura gemeldet werden.