Warum Felchen bald nicht mehr gefischt werden

Der beliebteste Speisefisch des Bodensees ist praktisch verschwunden. Jetzt soll es ein Schonjahr geben.
Gaißau, Höchst, Hard Dass die Fischer am Bodensee mit immer dramatischeren Ertragseinbrüchen konfrontiert sind, ist keine Neuigkeit mehr. Doch jetzt droht eine echte Zäsur. Weil der Felchenfang praktisch zum Erliegen gekommen ist, fassen die Fischerei-Verantwortlichen eine drastische Maßnahme ins Auge: Der beliebte Speisefisch soll kommendes Jahr komplett geschont werden. Heißt: Es dürfen ein Jahr lang keine Felchen gefangen werden, damit der Bestand sich wieder erholen kann.
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Es rentiert sich nicht mehr
“Die Felchen sind das ganz große Problem. Dabei gibt es noch andere. Im Vorjahr fiel sogar die Laichfischerei ins Wasser”, beschreibt der Gaißauer Berufsfischer Andreas Lutz das Dillema. Der bald 60-Jährige ist froh, kurz vor der Pension zu stehen. “Viel aufbauen musst du dir als Fischer bei diesen Erträgen nicht mehr. Ich bin froh, dass meine Kinder groß sind und ich daher nicht mehr so unter Druck stehe.”

Kollege Franz Blum aus Fußach kann seinem Kollegen nur beipflichten. “Ich fahre wegen der Felchen nicht mehr hinaus. Das rentiert sich nicht mehr.”
Die Kormorane
Der Berufsfischer konzentriert sich indes auf andere Fischarten, wie etwa Zander, Barsch oder Hecht. Zufrieden ist er mit dem Laicherfolg bei den Barschen, zu denen die beliebten Kretzer, auch Egli genannt, zählen. “Man wird sehen, wie sich die Fische entwickeln.”

Immer wieder macht Blum auf die gefräßigen Kormorane aufmerksam und fordert dramatische Maßnahmen gegen den Fischräuber. “Es sind derzeit über 7500 am ganzen Bodensee. Das ist viel zu viel”, macht der Fußacher deutlich. Dass die Fischer mit der Situation durch Überfischung etwas zu tun haben könnten, dementiert Blum heftig. “In den letzten 15 Jahren ging die Zahl der Berufsfischer im gesamten Bodenseeraum von 120 auf circa 40 zurück. Also die können nicht der Grund für den dramatischen Ertragseinbruch sein.”

Der Kunden liebste Fische
Kollegin Regula Bösch und deren Sohn Albert versuchen, sich mit der Tatsache fehlender Felchen abzufinden. “Wir legen unser Hauptaugenmerk jetzt ebenfalls auf andere Fischarten wie Karpfen, Schleien oder Rotaugen.” Andreas Lutz hingegen glaubt, dass Felchen schwer zu ersetzen sind. “Felchen und Kretzer – das sind jene Fische, die bei den anspruchsvollen Kunden nach wie vor die mit Abstand gefragtesten sind.”

Frische Felchen sind für Fischliebhaber eine wahre Gaumenfreude. Das Problem: Es gibt kaum mehr welche. VN/Steurer
Am Montag erlebte Lutz für heuer eine Premiere. Er ging zum ersten Mal ganz gezielt auf Felchenjagd weit draußen im See. “Wenn ich 30 Stück fange, dann ist das zumindest kostendeckend.” Bei den Kretzern hat er heuer nicht das schlechteste Gefühl. Und dann könnten ja auch die starken Niederschläge der letzten Wochen ein Faktor sein. Gewöhnlich bringen diese Nährstoffe in den See. “Wie sich das ausgewirkt hat, wird man aber erst später sehen”, meint Franz Blum.