Warum Felchen bald nicht mehr gefischt werden

Vorarlberg / 22.05.2023 • 18:00 Uhr
Andreas Lutz, Berufsfischer aus Gaißau, macht sich bereit für eine Fischfang-Mission. Er weiß, dass Kunden vor allem Felchen und Kretzer wollen. <span class="copyright">VN/Stiplovsek</span>
Andreas Lutz, Berufsfischer aus Gaißau, macht sich bereit für eine Fischfang-Mission. Er weiß, dass Kunden vor allem Felchen und Kretzer wollen. VN/Stiplovsek

Der beliebteste Speisefisch des Bodensees ist praktisch verschwunden. Jetzt soll es ein Schonjahr geben.

Gaißau, Höchst, Hard Dass die Fischer am Bodensee mit immer dramatischeren Ertragseinbrüchen konfrontiert sind, ist keine Neuigkeit mehr. Doch jetzt droht eine echte Zäsur. Weil der Felchenfang praktisch zum Erliegen gekommen ist, fassen die Fischerei-Verantwortlichen eine drastische Maßnahme ins Auge: Der beliebte Speisefisch soll kommendes Jahr komplett geschont werden. Heißt: Es dürfen ein Jahr lang keine Felchen gefangen werden, damit der Bestand sich wieder erholen kann.

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Es rentiert sich nicht mehr

“Die Felchen sind das ganz große Problem. Dabei gibt es noch andere. Im Vorjahr fiel sogar die Laichfischerei ins Wasser”, beschreibt der Gaißauer Berufsfischer Andreas Lutz das Dillema. Der bald 60-Jährige ist froh, kurz vor der Pension zu stehen. “Viel aufbauen musst du dir als Fischer bei diesen Erträgen nicht mehr. Ich bin froh, dass meine Kinder groß sind und ich daher nicht mehr so unter Druck stehe.”

Im Rheinholz hat Andreas Lutz seine Fischerhütte mit allen notwendigen Geräten.  Dort liegt auch sein Fischerboot. <span class="copyright">VN/Stiplovsek</span>
Im Rheinholz hat Andreas Lutz seine Fischerhütte mit allen notwendigen Geräten. Dort liegt auch sein Fischerboot. VN/Stiplovsek

Kollege Franz Blum aus Fußach kann seinem Kollegen nur beipflichten. “Ich fahre wegen der Felchen nicht mehr hinaus. Das rentiert sich nicht mehr.”

Die Kormorane

Der Berufsfischer konzentriert sich indes auf andere Fischarten, wie etwa Zander, Barsch oder Hecht. Zufrieden ist er mit dem Laicherfolg bei den Barschen, zu denen die beliebten Kretzer, auch Egli genannt, zählen. “Man wird sehen, wie sich die Fische entwickeln.”

Franz Blum in Fußach öffnet dieser Tage seinen Fischladen. Er hofft, genug Fische anbieten zu können. <span class="copyright">VN/Paulitsch</span>
Franz Blum in Fußach öffnet dieser Tage seinen Fischladen. Er hofft, genug Fische anbieten zu können. VN/Paulitsch

Immer wieder macht Blum auf die gefräßigen Kormorane aufmerksam und fordert dramatische Maßnahmen gegen den Fischräuber. “Es sind derzeit über 7500 am ganzen Bodensee. Das ist viel zu viel”, macht der Fußacher deutlich. Dass die Fischer mit der Situation durch Überfischung etwas zu tun haben könnten, dementiert Blum heftig. “In den letzten 15 Jahren ging die Zahl der Berufsfischer im gesamten Bodenseeraum von 120 auf circa 40 zurück. Also die können nicht der Grund für den dramatischen Ertragseinbruch sein.”

Kormorane bevölkern seit Jahren in großer Zahl das Bodenseeufer vor allem in der Fußacher Bucht. Sie fressen tonnenweise Fische. <span class="copyright">VN/Hartinger</span>
Kormorane bevölkern seit Jahren in großer Zahl das Bodenseeufer vor allem in der Fußacher Bucht. Sie fressen tonnenweise Fische. VN/Hartinger

Der Kunden liebste Fische

Kollegin Regula Bösch und deren Sohn Albert versuchen, sich mit der Tatsache fehlender Felchen abzufinden. “Wir legen unser Hauptaugenmerk jetzt ebenfalls auf andere Fischarten wie Karpfen, Schleien oder Rotaugen.” Andreas Lutz hingegen glaubt, dass Felchen schwer zu ersetzen sind. “Felchen und Kretzer – das sind jene Fische, die bei den anspruchsvollen Kunden nach wie vor die mit Abstand gefragtesten sind.”

<p class="caption">Frische Felchen sind für Fischliebhaber eine wahre Gaumenfreude.  Das Problem: Es gibt kaum mehr welche. <span class="media-container dcx_media_rtab" data-dcx_media_config="{}" data-dcx_media_type="rtab"> </span><span class="copyright">VN/Steurer</span></p>

Frische Felchen sind für Fischliebhaber eine wahre Gaumenfreude. Das Problem: Es gibt kaum mehr welche.  VN/Steurer

Am Montag erlebte Lutz für heuer eine Premiere. Er ging zum ersten Mal ganz gezielt auf Felchenjagd weit draußen im See. “Wenn ich 30 Stück fange, dann ist das zumindest kostendeckend.” Bei den Kretzern hat er heuer nicht das schlechteste Gefühl. Und dann könnten ja auch die starken Niederschläge der letzten Wochen ein Faktor sein. Gewöhnlich bringen diese Nährstoffe in den See. “Wie sich das ausgewirkt hat, wird man aber erst später sehen”, meint Franz Blum.