
Schnäppchenjagd im Dreiländereck: Wo lohnt sich der Lebensmittel-Einkauf?
Günstiger einkaufen in der Grenzregion: Preisunterschiede zwischen Österreich, Deutschland und der Schweiz unter der Lupe.
Dornbirn, Lindau, Heerbrugg Freitagmittag im Lindaupark, wenige Kilometer von der österreichischen Grenze entfernt. Die Kennzeichen der Autos, die sich dort aneinanderreihen, lassen erahnen, dass viele Vorarlbergerinnen und Vorarlberger den Fenstertag nutzen, um hier auf Schnäppchenjagd zu gehen. Die Teuerung in Österreich ist in den letzten Monaten spürbar angestiegen und hat viele Konsumenten dazu veranlasst, alternative Einkaufsmöglichkeiten zu suchen.

“Gewisse Sachen sind günstiger oder haben größere Verpackungen. Wenn man in der Grenzregion wohnt, rentiert sich das schon”, erzählt Julia Weigel aus Wolfurt, während sie mit ihrem Mann und dem Töchterchen den Kofferraum in Lindau belädt. Ein Blick in die gefüllten Einkaufswagen verrät, dass nicht nur Grundnahrungsmittel eingekauft werden. Hier stapeln sich auch Reinigungsprodukte und Drogerieartikel.

Julia (31), Michael (39) und Klara (1) Weigel, Wolfurt: "Gewisse Produkte sind günstiger und auch größer. Was mir gefällt, ist, dass viele Dinge hier auch unverpackt angeboten werden. Bei den Nahrungsmitteln lohnt es sich nicht mehr ganz so sehr, je nachdem, wo man in Vorarlberg wohnt. Insbesondere Babyprodukte sind aber hier in Deutschland deutlich günstiger."
“Es lohnt sich schon, in Deutschland einzukaufen”, sagt Linus Gasperi aus Lochau. “Es gibt schon Preisunterschiede, und da wir ohnehin regelmäßig nach Lindau fahren, nutzen wir die Gelegenheit gerne, um hier einzukaufen”, bestätigt der 85-Jährige. “Die Preisunterschiede zwischen Deutschland und Österreich bei den Lebensmitteln sind nicht mehr ganz so groß”, sagt hingegen eine Frau aus Bregenz, die schon seit mehreren Jahren regelmäßig nach Deutschland kommt, um einzukaufen.

“Ein Produkt, zwei Preise”
“Ein Produkt, zwei Preise” lautet die Überschrift einer Ende April veröffentlichten Studie, in der Preisunterschiede in der deutsch-österreichischen Grenzregion untersucht wurden. Die von der Europäischen Zentralbank koordinierte Studie ergab, dass Supermarktpreise in Österreich bei gleicher Produktauswahl um 13 Prozent höher sind. Die Autoren der Studie zeigen, dass dieser Unterschied sogar bei Supermarktketten besteht, die in beiden Ländern die gleichen Produkte anbieten.

Die Gründe für diese Unterschiede sind vielfältig. Ein Faktor könnte sein, dass Österreich ein kleiner Markt für internationale Markenkonzerne ist und daher höhere Einstandspreise hat. Unterschiedliche Steuern und Lohnkosten werden ebenfalls als Ursachen genannt. Zwischen Österreich und Deutschland sollten klassische Handelsbarrieren wie Zölle, Wechselkurse und Distanzen die Preisentscheidungen der Einzelhändler nicht beeinflussen, heißt es in der Studie. Es sollte also in einer so eng vernetzten Region keine Preisunterschiede nahe der Grenze geben, sind sich die drei Studienverfasser einig.





Kein Wunder also, dass viele Vorarlbergerinnen und Vorarlberger den Weg über die Grenze antreten, um von den günstigeren Preisen in den deutschen Supermärkten zu profitieren. Bei Grundnahrungsmitteln allerdings scheint der Unterschied in unmittelbarer Grenznähe nicht so drastisch zu sein, wie ein VN-Lokalaugenschein in Dornbirn bzw. Lindau zeigt (siehe Grafik). Herangezogen wurden dabei Markenprodukte, wenn möglich regionale. Beträchtliche Preisunterschiede gibt es bei Getreide- und Milchprodukten sowie gewissen Gemüsesorten, wobei die österreichischen Produkte teurer sind als die deutschen Pendants.

Schweiz immer noch teurer
Auf der anderen Seite des Rheins ist der Einkauf tendenziell immer noch teurer, wenngleich auch die Unterschiede nicht mehr ganz so groß sind. In den EU-Ländern ist die Inflation deutlich höher als in der Schweiz. Markenprodukte und Grundnahrungsmittel sind bei den eidgenössischen Nachbarn trotzdem immer noch deutlich teurer, wie der VN-Lokalaugenschein bei Coop zeigt. Lediglich Zitronen, Zucker und Eisbergsalat sind bei den Schweizern derzeit etwas günstiger. Ein bewährter Tipp gilt also nicht nur zwischen unterschiedlichen Produkten und Marken, sondern auch in der Grenzregion: Vergleichen lohnt sich.

Preisvergleich Österreich – Deutschland – Schweiz
Es wurden (wenn möglich regionale) Markenprodukte herangezogen. Die Preise in der Schweiz wurden entsprechend des Umrechnungskurses von 1 Franken = 1,03 Euro umgerechnet.
