“Hat seinen Reiz”: So schätzt ein Vorarlberger Experte die Berge-Mission ein

Vorarlberg / 19.05.2023 • 16:30 Uhr
"Hat seinen Reiz": So schätzt ein Vorarlberger Experte die Berge-Mission ein

Adi Konstatzky hat viel Erfahrung mit dem Restaurieren von Schiffen.

Hard, Arbon Es ist eine einmalige Aktion: Ein Verein möchte ein 1933 vor dem Schweizer Bodenseeufer versenktes Dampfschiff bergen. Bei den 1. Nautic Classics an diesem Wochenende in Arbon (Schweiz) stellen die Enthusiasten ihren Plan vor. Mit dabei bei dem Oldtimer-Festival sind auch die beiden historischen Vorarlberger Schiffe Oesterreich und Hohentwiel.

Denn die Crew der historischen Bodenseeschifffahrt gehört immerhin zu den Experten schlechthin, wenn es um die Restaurierung alter Schiffe geht. Mit dem Dampfschiff Hohentwiel und dem Motorschiff Oesterreich gibt es zwei Paradebeispiele. Mit dabei ist seit 1990 der Bootsbauer und heutige Betriebsleiter Adi Konstatzky (58).

Adi Konstatzky ist Betriebsleiter beim historischen Motorschiff Oesterreich. <span class="copyright">VN/Plesch</span>
Adi Konstatzky ist Betriebsleiter beim historischen Motorschiff Oesterreich. VN/Plesch

“Historische Schiffe erfordern kontinuierliche Instandhaltungs- und Restaurierungsarbeiten, um ihre strukturelle Integrität zu erhalten”, erklärt Konstatzky. Zudem haben sich im Vergleich mit der Zeit vor rund 100 Jahren auch die Technik und die Sicherheitsstandards erheblich verändert. “Die Umsetzung der heutigen Vorgaben, ohne den ursprünglichen Charakter zu sehr in Mitleidenschaft zu ziehen, ist dabei ebenfalls eine große Herausforderung”, sagt der 58-Jährige.

Und es könne oft schwierig sein, die passenden historischen Ersatzteile zu bekommen. Eines haben aber alle Herausforderungen gemeinsam: Um sie zu meistern, braucht es eine Menge Geld.

Verein möchte Schiff bergen

Genau das versucht der Schiffsbergeverein gerade zu sammeln, um das Dampfschiff Säntis in den kommenden Monaten wieder an die Oberfläche zu holen. Beim Crowdfunding sind bisher knapp 50.000 Schweizer Franken zusammengekommen. Das Mindestziel sind rund 200.000.

<p class="caption">In voller Pracht: Die Säntis bei der Ausfahrt aus Lindau</p>

In voller Pracht: Die Säntis bei der Ausfahrt aus Lindau

“Grundsätzlich ist das schon spannend, solche historischen Zeitzeugen zu bergen, die ja nach wie vor in einem relativ guten Zustand sind. Das hat schon einen gewissen Reiz, gebe ich zu”, kommentiert Konstatzky die Berge-Mission. Wie realistisch das sei, könne er aus der Ferne zu wenig abschätzen. Mit gewissen finanziellen Mitteln könne man heute aber fast alles machen. Viel wichtiger ist für den ehemaligen Kapitän aber, was nach der Bergung mit dem Schiff passieren soll.

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“Das war auch bei der Oesterreich ganz wichtig, da musst du zuerst ein Betriebskonzept haben.” Dementsprechend müssten Planung und Restaurierung laufen. Von der Idee, die Säntis – sollte die Bergung gelingen – auf einem Spielplatz oder in einem Museum auszustellen, hält er nicht sonderlich viel.

Konstatzky war schon bei der Restaurierung involviert. <span class="copyright">VN/Plesch</span>
Konstatzky war schon bei der Restaurierung involviert. VN/Plesch

“Das Schiff hätte mit seiner Dreizylinder-Dampfmaschine und dem Baujahr 1892 schon einen gewissen Reiz, es wieder in Betrieb zu nehmen.” Zu einer pauschalen Aussage möchte sich der Bootsbauer dann aber doch nicht hinreißen lassen, was er mit dem Schiff anfangen würde. Zu viele Fragen seien noch unbeantwortet.

Viele Fragen ungeklärt

Gibt es einen Markt für ein weiteres Dampfschiff auf dem Bodensee? Welche Schäden hat der Aufprall auf dem Grund verursacht? Wer übernimmt die Kosten und wie ließe sich damit Geld verdienen? Zur Bergung könnten er und seine Kollegen eh nichts sagen, erst wenn es an die Restaurierung ginge, wären Konstatzky und Co. die richtigen Ansprechpartner. Ungefragt werde er sich nicht einmischen, der Kontakt zum Schiffsbergeverein bestehe aber schon.

Die Oesterreich liegt im Hafen in Hard. <span class="copyright">VN/Plesch</span>
Die Oesterreich liegt im Hafen in Hard. VN/Plesch

“Ausschlaggebend ist immer die Einzigartigkeit”, sagt Konstatzky. Das war auch bei Hohentwiel und Oesterreich das Thema. Das letzte Dampfschiff auf dem Bodensee und das erste Motorschiff auf dem Bodensee ergeben miteinander eine besondere Kombination. Dazu kommen die Unterschiede zwischen dem Jugendstil auf der Hohentwiel und der Art Déco auf der Oesterreich.

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Übrigens ist die Säntis nicht das einzige Wrack auf dem Boden des Sees. Konstatzky weiß allein von fünf weiteren. Das Dampfschiff Jura wurde 1854 erbaut und sank 1864 nach einer Kollision. Das DS Kaiser Wilhelm (1871 erbaut) wurde 1931 ausgemustert und auf Höhe Hagnau versenkt. Das gleiche Schicksal ereilte ein Jahr später das DS Helvetia im tiefen Schweb. Dort, wo auch die Säntis liegt. Das DS Friedrichshafen (1911) geriet 1944 bei einem Bombenangriff in Brand und wurde später versenkt. Und das Motorschiff Stadt Radolfzell (1926) gefiel seinen Besitzern einfach nicht und wurde nur acht Jahre später Richtung Grund geschickt.

Konstatzky glaubt, dass auf dem Bodenseegrund sogar noch mehr Wracks schlummern. Römische Galeeren oder Segelboote aus dem Mittelalter. “Die sind jetzt natürlich alle vom Schlick begraben, aber darunter ist sicherlich noch viel.” Da hat der Schiffsbergeverein bei der Säntis ja schon einen Vorschlag. Er weiß, wo das Dampfschiff liegt. Auch wenn das in über 200 Metern Tiefe ist.