Reinhold Bilgeri

Kommentar

Reinhold Bilgeri

Hetzer

Vorarlberg / 17.05.2023 • 17:05 Uhr

Frau Ammann ist nicht die Einzige, die sich wundert, wie sich ein beachtlicher Teil unseres Wahlvolks die Lösung aktueller Probleme vorstellt. Dabei läge die Logik des Handelns auf der Hand: Wir sollten Menschen in unsere Regierungen wählen, denen man genügend Bildung, Lebenserfahrung und ethischen Grundkonsens zutraut, um Lösungen auf den Weg zu bringen.


Leugner

Beispiel Klimawandel, das brennendste Problem unserer Zeit: Die wissenschaftlichen Fakten sind längst geklärt – Der Klimawandel ist auch menschengemacht und beispiellos in der Menschheitsgeschichte.
Wer aber würde, gemäß aktueller Umfragen, die meisten Stimmen bekommen, um dieses Problem anzugehen? – Eine Partei, die diese Fakten leugnet, sich durch arrogante Wissenschaftsfeindlichkeit immer wieder der Lächerlichkeit preisgibt (Entwurmungsmittel usw.) und einer Orbanisierung, also Aushebelung unserer Demokratie, das Wort redet. Wie kann es sein, dass sich fast ein Drittel der Wähler Leute an der Spitze wünscht, die in Ibiza ihre wahre „Seele“ offenbart hatten ( soll uns keiner erzählen, dass Kickl nie dabei war, wenn Strache daheim in Ö im engsten Kreis über Pressegleichschaltung fantasiert hat – Krone kaufen usw.) und nach wie vor Holocaust-Relativierer in ihren Reihen haben ( „Wir schaffen auch noch die 7. Million“). Was erwartet man sich von solchen Typen? Lösungen? Selbst der Ex Vizekanzlerin der FPÖ, Susanne Riess Passer, steigen da die Grausbirnen auf: „Ein Kanzler Kickl wäre ein absolutes No Go. Jemand, der derartig destruktiv ist und nur zerstören will, kann keine Verantwortung für das Land übernehmen.“

„Erinnern Sie sich nicht mehr, was fast immer geschah, wenn diese Partei in der Regierung war? Eine Implosion…“


Hetzer

Und wenn der Bundespräsident zu Recht wieder mal ethische Selbstverständlichkeiten einmahnt – „Die Grund- und Freiheitsrechte, die Menschenrechte, die Minderheitenrechte sind unantastbar“-, erntet er von besagter Seite nur Kopfschütteln und verächtliche Kommentare. Sein Fazit: „Herbert Kickl ist mit seiner FPÖ ein Feind des Grundkonsenses dieser Republik.” Das müsste eigentlich als Bestandsaufnahme reichen, um einen Bewerber mit Führungsanspruch zu disqualifizieren, zumal jeder weiß, was hetzende Sprache anrichten kann. Sprache verrät am Ende den Täter. Aber nein, er führt in den Umfragen unangefochten. Nochmal, was wollen seine Wähler? Dass alles so bleibt wie`s war? Das klappt nicht, weil Zeiten sich ändern. Eine „Festung“ Österreich? Wissen sie nicht, was passieren würde, wenn all die Tschechinnen, Slowakinnen, Ukrainerinnen, Rumäninnen usw., die brav hier arbeiten, nicht mehr reinkämen ?? – das gesamte Pflegesystem würde zusammenbrechen, dank dieser „Festung“. Erinnern Sie sich nicht mehr, was fast immer geschah, wenn diese Partei in der Regierung war? Eine Implosion derselben. In diesem Sinne…auf ins Chaos.

Reinhold Bilgeri ist Musiker, Schriftsteller und Filmemacher, er lebt als freischaffender Künstler in Lochau.