Hangrutsch in Hörbranz: „Wir sind in der schlimmsten denkbaren Phase“

Vorarlberg / 15.05.2023 • 18:00 Uhr
Das Geröll, das durch den Wald geschoben wurden, hat fast alles mitgenommen, die Bäume wie Zündhölzchen geknickt. <span class="copyright">VN/Paulitsch</span>
Das Geröll, das durch den Wald geschoben wurden, hat fast alles mitgenommen, die Bäume wie Zündhölzchen geknickt. VN/Paulitsch

Der Hang wurde in den letzten Tagen immer schneller. Vier Häuser sind bereits geräumt.

Hörbranz Dem Hörbranzer Bürgermeister Andreas Kresser reicht ein Wort, um die aktuelle Situation in Hochreute zu beschreiben. „Schlecht“, sagt er am Montagvormittag bei einem Lokalaugenschein. „Ich würde gerne mal sagen, dass es gut ist, aber es ist schlecht.“

Aufgrund Ihrer Datenschutzeinstellungen wird an dieser Stelle kein Inhalt von Youtube angezeigt.

Von Sonntag auf Montag hat sich der Hang oberhalb des Bauernhauses noch einmal um eineinhalb Meter bewegt. „Wir sind also mittlerweile bei sieben Metern, die der Hof gemacht hat. Das sieht man ihm auch an“, verdeutlicht Kresser.

Die Rutschungen haben am Bauernhaus deutliche Spuren hinterlassen.
Die Rutschungen haben am Bauernhaus deutliche Spuren hinterlassen.
Durch die Gemäuer ziehen sich tiefe, dicke Risse.
Durch die Gemäuer ziehen sich tiefe, dicke Risse.
Eine Wand auf der vorderen Seite ist am Montagvormittag eingebrochen.
Eine Wand auf der vorderen Seite ist am Montagvormittag eingebrochen.

Durch die Gemäuer des Hauses ziehen sich tiefe, dicke Risse. Eine Wand auf der vorderen Seite ist eben erst eingebrochen. Der Asphalt der Straße, die zu dem Haus führt, wurde buchstäblich auseinandergerissen. Landesgeologe Walter Bauer spricht von „vernichtenden Bewegungen“. „Wir sind in der schlimmsten denkbaren Phase“, erläutert er. Das Problem: Der Hang bewegt sich aktuell schnell und wird jeden Tag schneller. „Das Bösartige ist, wenn du in der Früh hier heroben stehst, die Vögel zwitschern hörst, die schöne grüne Wiese siehst und weißt, wie schnell sich der Hang bewegt.“

Der Asphalt weist tiefe Risse auf.
Der Asphalt weist tiefe Risse auf.
An mehreren Stellen musste der Aspahlt . . .
An mehreren Stellen musste der Aspahlt . . .
. . . bereits entfernt werden.
. . . bereits entfernt werden.
Landesgeologe Walter Bauer und Bürgermeister Andreas Kresse bei einem Lokalaugenschein Anfang Mai.
Landesgeologe Walter Bauer und Bürgermeister Andreas Kresse bei einem Lokalaugenschein Anfang Mai.

Auch von dem Waldhang, an dem sich in der Nacht auf den 29. April 100.000 Kubikmeter Fels gelöst haben, kommt laut Bauer noch permanent etwas herunter. Immer, wenn wieder ein Baum bricht, ist ein lautes Knistern und Knacken zu hören, wie bei einem Feuerwerk.

Die Wildbach- und Lawinenverbauung . . .
Die Wildbach- und Lawinenverbauung . . .
arbeitet mit Hochdruck daran, . . .
arbeitet mit Hochdruck daran, . . .
das Entwässerungssystem, das 2010 im Hang verlegt wurde, . . .
das Entwässerungssystem, das 2010 im Hang verlegt wurde, . . .
. . . instand zu halten.
. . . instand zu halten.

Zwei Häuser, der Hof und das Haus darunter, wurden bereits behördlich gesperrt, weil sie akut einsturzgefährdet sind. Die Bewohner von zwei weiteren Häusern, die noch betreten werden dürfen, sind am Wochenende ebenfalls ausgezogen. „Das eine hat mittlerweile eine Schieflage von 87 Zentimeter. Das sind quasi elf Prozent Gefälle. Strom und Wasser sind seit gestern auch weg“, schildert Andreas Kresser.

Von diesem Hang hat sich Ende April der Fels gelöst.
Von diesem Hang hat sich Ende April der Fels gelöst.

Der Krisenstab der Gemeinde tagt mehrmals täglich. Die Bewohner von Hochreute werden über WhatsApp über die neuesten Entwicklungen informiert. Die Wildbach- und Lawinenverbauung arbeitet mit Hochdruck daran, das Entwässerungssystem, das 2010 im Hang verlegt wurde, instand zu halten. Der zwei Meter tiefe Entlastungsgraben, der vor etwas mehr als zwei Wochen hinter dem Hof ausgehoben wurde, habe sich indes als recht leistungsfähig herausgestellt, informiert Bauer. „Wir bekommen das ganze Wasser, das aus dem Zentrum herkommt, über den Graben weg.“

Von dem Hang kommt noch permanten etwas herunten, sagt Landesgeologe Walter Bauer.
Von dem Hang kommt noch permanten etwas herunten, sagt Landesgeologe Walter Bauer.
Einige Bäume wurden bereits aus dem Hang entfernt.
Einige Bäume wurden bereits aus dem Hang entfernt.
Die Arbeiter sind praktisch Tag und Nacht im Einsatz.
Die Arbeiter sind praktisch Tag und Nacht im Einsatz.

Der ständige Regen verschlimmert die Situation. Die Verantwortlichen hoffen daher dringend auf Wetterbesserung. „Wir haben die unangenehme Erfahrung gemacht, dass jeder Regenschub im Augenblick zur Beschleunigung geführt hat“, berichtet Landesgeologe Walter Bauer. Prognosen, wie es in Hochreute weitergeht, kann derzeit niemand abgeben. Auch nicht, ob die geräumten Häuser jemals wieder bewohnt werden können. Bauer: „Reden wir in 14 Tagen noch einmal, dann wissen wir was passiert ist. Bis dorthin bleibt uns nichts anderes übrig als darauf zu reagieren, was der Hang mit uns macht.“