Nach Hangrutsch: Wie das Wohngebiet jetzt abgesichert werden soll

Vorarlberg / 04.05.2023 • 16:40 Uhr
Nach Hangrutsch: Wie das Wohngebiet jetzt abgesichert werden soll
VN/Paulitsch, VN/Gasser

Nach Aufräumarbeiten soll ein Dammbauwerk errichtet und der Hang in Hörbranz wieder aufgeforstet werden. Maßnahmen könnten rund 1,5 Millionen Euro kosten.

Hörbranz Fünf Tage nach dem Hangrutsch in Hörbranz ist im Wohngebiet Hochreute wieder so etwas wie Normalität eingekehrt. Die Lage hat sich merklich entspannt. Die Erinnerungen an die dramatischen Stunden werden bei den Bewohnern allerdings Spuren hinterlassen – das Naturereignis selbst auch. Jetzt geht es ans Aufräumen. “Sobald eine Schönwetterphase kommt, werden wir hier mit den Arbeiten beginnen”, beschreibt Gerald Jäger (50), Chef der Wildbach- und Lawinenverbauung in Vorarlberg bei einem Lokalaugenschein, die anstehenden Arbeiten.

Gerald Jäger beschreibt beim Lokalaugenschein mit den VN die anstehenden Arbeiten. <span class="copyright">VN/Gasser</span>
Gerald Jäger beschreibt beim Lokalaugenschein mit den VN die anstehenden Arbeiten. VN/Gasser

Bäume und Dreck müssen weg, während weiterhin vermessen wird. Der Hang hat sich beruhigt. Sicherheit für die angrenzenden Wohngebäude ist damit aber noch nicht gewährleistet. Ein aufwendiges Steinschlagsicherheitsprojekt mit forstlicher Nachbetreuung soll aber dafür sorgen. “Wenn alles gut läuft, sind wir bis Herbst so weit, dass die behördlichen Bewilligungsverfahren starten können. Es braucht auch die Zustimmung der Grundstücksbesitzer”, sagt Jäger.

Der Hangrutsch hat eine Spur der Verwüstung hinterlassen. <span class="copyright">VN/Paulitsch</span>
Der Hangrutsch hat eine Spur der Verwüstung hinterlassen. VN/Paulitsch

Die Wildbach- und Lawinenverbauung (WLV) hat in Vorarlberg ein jährliches Budget von etwas über 19 Millionen Euro. Für die aktuellen Arbeiten stehen finanzielle Reserven bereit. Beim gesamten Sanierungsprojekt rechnet der Sektionsleiter mit Kosten von rund 1,5 Millionen Euro, die zu 60 Prozent vom Bund, 35 Prozent vom Land und fünf Prozent von der Gemeinde Hörbranz getragen werden.

Mit den Arbeiten an einem Dammbauwerk soll noch im Herbst begonnen werden. <span class="copyright">VN/Paulitsch</span>
Mit den Arbeiten an einem Dammbauwerk soll noch im Herbst begonnen werden. VN/Paulitsch

Im Bestfall könne noch im Spätherbst mit den Arbeiten am notwendigen Dammbauwerk begonnen werden. Großes Augenmerk wird auf die Wiederbewaldung der Erosionsflächen gelegt. Langfristig sei das der beste, günstigste und nachhaltigste Schutz, so Gerald Jäger. Bis Ende 2024 sollen die Arbeiten größtenteils abgeschlossen und das darunterliegende Wohngebiet abgesichert sein.

Schutzwald hat für die Experten die höchste Priorität. <span class="copyright">Handout</span>
Schutzwald hat für die Experten die höchste Priorität. Handout

Das öffentliche Interesse liegt derzeit auf dem Hangrutsch in Hörbranz. An der Sicherheit für die Siedlungsräume wird aber in ganz Vorarlberg gearbeitet. Über 45 sogenannte Flächenwirtschaftsprojekte stehen auf der Agenda der Wildbach- und Lawinenverbauung. Reserviert sind 2023 alleine dafür 4,29 Millionen Euro. Schwerpunkt ist die Aufforstung. Das meiste Geld fließe in den Erhalt des Schutzwaldes, so Jäger.

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Dabei zählt der Klimawandel, der längst seine Spuren hinterlässt, zu den größten Herausforderungen. In höheren Lagen schädigt der Borkenkäfer den Baumbestand, das Eschensterben verschärft die Situation. “Wir müssen dazuschauen, dass wir eine gute Baumartenmischung zusammenbekommen”, erklärt der Experte. Ziel seien stabilere, besser strukturierte Wälder, die auch in Zukunft ihrer Schutzfunktion nachkommen können. Jäger spricht von einem verstärkten Einsatz etwa von Bergahorn oder Ebereschen.

Auch bei den Anrainern herrscht wieder etwas Optimismus. <span class="copyright">VN/Paulitsch</span>
Auch bei den Anrainern herrscht wieder etwas Optimismus. VN/Paulitsch

Was den Hangrutsch in Hörbranz und das sich darunter befindliche Wohngebiet betrifft, zeigt sich der WLV-Chef optimistisch. “Ich glaube, dass wir hier mit der Aufforstung schnell durchkommen und so der Schutzwald schnellstmöglich wieder intakt sein wird”, so Jäger.

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Fakten zum Schutzwald in Österreich

– Ohne die Schutzfunktion des Waldes könnten knapp 50 Prozent des Lebens- und Wirtschaftsraumes nicht genutzt werden

– Jede 4. Person profitiert direkt von der Schutzwirkung des Waldes.

– 42 Prozent der Gesamtwaldfläche besitzen potenziell erhöhte oder hohe Schutzfunktion

– 50 Prozent der Schutzwaldbestände sind stabil

– Über 30 Prozent der Schutzwaldbestände befinden sich in der Terminal- bzw. Zerfallphase

– 2022 gab es 127 aktive Bundes- (Wildbach und Lawinenverbauung) und 124 Landes-flächenwirtschaftliche Projekte mit Fokus im Objektschutzwald

– Die Wildbach- und Lawinenverbauung investiert rund 15 Millionen Euro in die Projekte