Wetterkapriolen und Preise belasten die Landwirte

Vorarlberg / 26.04.2023 • 18:23 Uhr
Walter und Fabienne Gehrer im Salatfeld. Die Köpfe wurden am 20. Februar gepflanzt. LQM
Walter und Fabienne Gehrer im Salatfeld. Die Köpfe wurden am 20. Februar gepflanzt. LQM

Ländle Marketing zieht Bilanz. Gemüsebauer Gehrer aus Höchst hofft, dass die Felder bald trocknen.

Höchst Entweder ist es zu nass oder zu trocken. Auch derzeit sitzt Walter Gehrer (59) wieder auf Nadeln. „Die Felder sind sehr nass. Das ist immer grenzwertig zum Pflanzen. Wenn wir diese Woche nicht pflanzen können, haben wir ein massives Problem. Unsere Gewächshäuser sind voll, die Steigen gehen zur Neige“, schildert der Chef von Gehrer Jungpflanzen und Gemüsebau in Höchst. Durch die Nässe würde der Boden durch die Maschinen zusammengepresst werden und in der Folge kein Wasser mehr durchgehen. „Außerdem geht die Erde nicht schön an die Pflanzen hin“, ergänzt Gehrer, der in dieser Woche noch 700 Steigen mit Jungpflanzen auspflanzen sollte.

Marcel Strauss (r.) und Martin Wagner vom Ländle Marketing bei der Feldbesichtigung.
Marcel Strauss (r.) und Martin Wagner vom Ländle Marketing bei der Feldbesichtigung.

Die Wetterkapriolen sind nicht das einzige Problem, das den Landwirten in Vorarlberg zu schaffen macht. „Die Landwirtschaft ist von den extremen Preissteigerungen deutlich stärker betroffen als die meisten anderen Branchen“, sagt Marcel Strauss, Geschäftsführer von Ländle Qualitätsprodukte Marketing (LQM) bei der Jahresrückblick-Pressekonferenz auf dem Hof der Gehrers. Diesel und Schmierstoffe seien um rund 50 Prozent und Futtermittel um 40 Prozent teurer geworden. Die Düngemittel-Preise hätten sich phasenweise sogar verdreifacht. Neben dem Preiskampf machte sich bei vielen Landwirten Unsicherheit breit, wie sich die Inflation auf das Kaufverhalten der Konsumenten auswirken würde. Einige Betriebe haben laut Strauss daher konservativer gewirtschaftet als zuvor. Das zeigt sich auch in der Statistik.

Bei den Gehrers werden insgesamt sechs Salatsorten angepflanzt, die der jeweiligen Jahreszeit entsprechen.
Bei den Gehrers werden insgesamt sechs Salatsorten angepflanzt, die der jeweiligen Jahreszeit entsprechen.

450 Tonnen

Bei den Ländle-Programmen Lamm und Rind wurden etwa im Vorjahr weniger Tiere vermarktet als im Jahr zuvor. Nicht weil es weniger Partnerbetriebe gebe, wie LQM-Marketingleiter Martin Wagner betont, sondern weil die Landwirte hier und dort weniger Tiere eingestallt hätten. Aus landwirtschaftlicher Sicht sei das Jahr 2022 indes ein relativ stabiles, normales Jahr gewesen. “Die Ernteerträge waren durchschnittlich. Es gab in keinem Bereich Komplettausfälle, wenngleich einzelne Landwirte etwa durch Hagel schwere Schäden verkraften mussten”, resümiert Wagner.

Im Glashaus warten Jungpflanzen in 700 Steigen darauf, ausgepflanzt zu werden. Insgesamt haben die Gehrers 50 Gemüsearten im Angebot. <span class="copyright">VN/GER</span>
Im Glashaus warten Jungpflanzen in 700 Steigen darauf, ausgepflanzt zu werden. Insgesamt haben die Gehrers 50 Gemüsearten im Angebot. VN/GER

Überdurchschnittlich performt habe der Apfel. Insgesamt wurden im Vorjahr in Vorarlberg knapp 450 Tonnen Äpfel geerntet, im Jahr 2021 waren es nur 300 Tonnen. Eine sehr gute Performance attestiert der Marketingleiter auch der Kalbsbratwurst, von der seit dem Start im November 2018 rund 3,6 Millionen Stück verkauft wurden. Eine positive Entwicklung gab es beim Honig. Neu im Programm ist das Urgetreide Emmer.

Am Mittwoch wurden Gurken angesät.
Am Mittwoch wurden Gurken angesät.

Auch die Gemüsebauer aus Höchst waren mit dem Jahr 2022 grundsätzlich zufrieden. “Es war trocken, aber 90 Prozent der Gemüsebauern können bewässern. Für uns war es so ein gutes Jahr. Es war genug Ware vorhanden”, erläutert Walter Gehrer. Gerade geht die Arbeit auf dem Hof richtig in die Vollen. Im Hofladen stehen bereits etliche Jungpflanzen zum Verkauf bereit. Ab nächster Woche geht es mit dem Frischgemüse los. Gehrer: “Am 2. Mai starten wir mit der Gemüsekiste. Ab 6. Mai können wir dann Spar beliefern.” Kopfzerbrechen bereiten dem 59-Jährigen aktuell die Preise. “Die Preise sind zu niedrig. Sie sind schon wieder auf einem Niveau angekommen, das grenzwertig ist. Vor zwei Wochen hat man einen Kopfsalat um 99 Cent verkauft. Unsere Produktionskosten sind aber vom letzten Jahr auf heuer sicher um zehn Prozent gestiegen. Für den Dünger haben wir teilweise das Vierfache gezahlt wie vor zwei Jahren”, erzählt er.

2022 wurden in das Ländle-Gütesiegel-Programm 15 neue Partnerbetriebe, darunter neun Biobetriebe, aufgenommen. Marcel Strauss berichtet außerdem von 100 Vor-Ort-Kontrollen, die durchgeführt und 35 Laborproben, die die Ages und das steirische Imkerlabor geschickt wurden.