Das sagt der Direktor der Landwirtschaftskammer zum Tierskandal

Vorarlberg / 20.04.2023 • 10:00 Uhr
Das sagt der Direktor der Landwirtschaftskammer zum Tierskandal
Stefan Simma äußert sich zum Tierskandal. Landwirtschaftskammer, VGT

Simma gesteht Fehler ein und spricht von weltweitem Problem.

Bregenz Die verwahrlosten Tiere auf einem Hof im Bezirk Feldkirch haben die Menschen bewegt. Die Berichterstattung hatte einen regelrechten Aufschrei zur Folge. Wie konnte es so weit kommen? Müssen bessere Kontrollen her? Gibt es vergleichbare Fälle? Jetzt hat sich auch die Landwirtschaftskammer Vorarlberg zu dem Vorfall geäußert.

“Seitens der zuständigen Behörde war der Betrieb aus dem Bezirk Feldkirch bereits unter Beobachtung, es wurde ihm noch eine letzte Frist gegeben, in der Nachbetrachtung war das ein Fehler”, gesteht Direktor Stefan Simma ein.

Direktor der Landwirtschaftskammer: Stefan Simma. <span class="copyright">Landwirtschaftskammer</span>
Direktor der Landwirtschaftskammer: Stefan Simma. Landwirtschaftskammer

In Vorarlberg werde jeder Betrieb zumindest einmal jährlich durch seinen Betreuungstierarzt im Rahmen des Tiergesundheitsdienstes kontrolliert. “Fälle, bei denen Auffälligkeiten vorgefunden werden, werden in ein laufendes Monitoring genommen, sie können das von mir aus auch TÜV nennen”, sagt Simma in Bezug auf Forderungen, die beispielsweise der frühere Amtstierarzt und Landesveterinär Erik Schmid aufgebracht hatte.

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Der Direktor der Landwirtschaftskammer erklärt zu den Hintergründen: “Vorarlbergs Landwirtschaft ist kleiner strukturiert als vergleichbare Länder im Umland.” Demnach hat der durchschnittliche Vorarlberger Milchbetrieb 18 Milchkühe. Zum Vergleich: Deutschland 75, Dänemark etwa 170. Er bewirtschaftet im Schnitt elf Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche.

Fördersystem vor Jahren geändert

“Unsere Tierhaltung verwertet das Grünland und erhält unsere Alpen. Wir haben klima- und morphologiebedingt 97 Prozent Grünlandanteil an der landwirtschaftlichen Gesamtfläche”, berichtet Simma weiter. Zudem bewirtschaften zwei Drittel der Vorarlberger Landwirte ihre Betriebe im Nebenerwerb oder müssen ihr Einkommen durch Nebentätigkeiten wie Be- und Verarbeitung, Direktvermarktung oder Urlaub am Bauernhof aufbessern.

<p class="caption">Die verwahrlosten Tiere auf einem Hof im Bezirk Feldkirch hatten die Diskussionen angeheizt.<span class="marker"> </span><span class="copyright">VGT</span></p>

Die verwahrlosten Tiere auf einem Hof im Bezirk Feldkirch hatten die Diskussionen angeheizt. VGT

Auch zu dem Vorwurf, Betriebe würden nur Tierherden halten, um dafür Förderungen zu kassieren, bezieht Simma Stellung: “Das ist wirtschaftlich nicht sinnvoll, die Leistungsabgeltungen decken den Mehraufwand ab, der überwiegende Ertrag wird aber mit der landwirtschaftlichen Produktion erzielt.” Zudem sei das jetzige Fördersystem schon vor Jahren völlig neu strukturiert worden. “Dass Rinder und Stückzahlen gefördert werden, ist längst nicht mehr der Fall.”

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Simma sieht die Probleme an ganz anderer Stelle. “Der wirtschaftliche Druck nimmt seit dem EU-Beitritt massiv zu. Während sich die Produktpreise, die der Landwirt ausbezahlt bekommt, seitwärts entwickeln, steigen die Anforderungen, Kosten und auch die Regalpreise. Bei den Landwirten kommt das preislich aber nicht an.”

Simma sieht weltweites Problem

Das Dilemma sei, dass die klein strukturierten Vorarlberger Betriebe tagtäglich mit Preisen vom Weltmarkt konkurrieren müssten. “Während wir hier extensive Grünlandwirtschaft betreiben, trägt Europa mit wirtschaftsgetriebenen Entscheidungen dazu bei, dass weiter Regenwald abgeholzt wird und Massen von Rindern in Feedlots gemästet und in alle Welt exportiert werden. Das ist das wahre Problem für die heimische grünlandbasierte tierhaltende Landwirtschaft.”