Nach Tierskandal auf Hof in Feldkirch: So geht es jetzt weiter

Vorarlberg / 19.04.2023 • 16:45 Uhr
Nach Tierskandal auf Hof in Feldkirch: So geht es jetzt weiter
VGT, VN

Tierschützer fordern Veränderungen, Bezirkshauptmann beschwichtigt.

Feldkirch Die Rinder sind mittlerweile gut untergebracht. Die Diskussionen, wie es so weit kommen konnte und ob es sich tatsächlich um einen Sonderfall handelt, ebben aber noch nicht ab. Zur Erinnerung: Am 12. April machte der Verein gegen Tierfabriken (VGT) Missstände auf einem Hof im Bezirk Feldkirch öffentlich. Die Behörden zogen die zehn Tiere danach ein. Zu spät, finden Tierschützer.

<p class="caption">Kälber klettern auf Müllbergen aus Silofolie und Plastikschnüren.  <span class="copyright">VGt</span></p><p class="caption">

Kälber klettern auf Müllbergen aus Silofolie und Plastikschnüren.  VGt

“Meiner Meinung nach ist es stark zu kritisieren, dass die Behörden in diesem Fall trotz sichtbaren Verstößen nicht umgehend gehandelt und die Tiere gerettet haben”, schimpft Sandra Pfister vom VGT. Sie spricht gar von Systemversagen. Daher überrascht es sie auch nicht, dass der Landesveterinär Norbert Greber von einem krassen Sonderfall ausgeht. “Niemand möchte die Schuld auf sich nehmen. Die einzige Besonderheit ist, dass bei diesem Fall einfach jedes Tier von der Vernachlässigung betroffen war, was alles noch schlimmer macht”, sagt Pfister.

Mehr Unterstützung gefordert

Für sie ist das aber kein Einzelfall. “Ich bin überzeugt, es gibt mehr solcher Fälle.” Sie fordert, dass die Behörden ihre Strukturen und Abläufe in Sachen Kontrollen überarbeiten. “Offensichtlich werden auch mehr Kontrollorgane benötigt.” Zudem sollte es mehr Unterstützung für überforderte Landwirte geben und Möglichkeiten für einen Ausstieg aus dem Tierbetrieb.

Sandra Pfister vom Verein gegen Tierfabriken.<span class="copyright"> VGT</span>
Sandra Pfister vom Verein gegen Tierfabriken. VGT

Keinen Handlungsbedarf, die grundsätzlichen Strukturen zu ändern, sieht Feldkirchs Bezirkshauptmann Herbert Burtscher. Vielmehr mahnte er dazu, die bestehenden Handhabungen nachzuschärfen. “Wir haben intern diskutiert und ein, zwei Themen mit den Amtstierärztinnen besprochen”, verrät er. Dabei ging es zum Beispiel um die Mistmatratze. Also wie viel getrockneter Mist sich im Stall ansammeln darf, um – mit Stroh bedeckt – dennoch als Liegefläche auszureichen. Denn solange die Fläche trocken ist, ist das in Ordnung.

<p class="caption">Die Tiere haben einen neuen Eigentümer, doch bis zur Abnahme dauerte es.<span class="media-container dcx_media_rtab" data-dcx_media_config="{}" data-dcx_media_type="rtab"> </span><span class="marker"> </span><span class="copyright">VGT</span></p>

Die Tiere haben einen neuen Eigentümer, doch bis zur Abnahme dauerte es.  VGT

Verfahren gegen Betreiber läuft

Zum aktuellen Fall sagt Burtscher nur: “Es wurde Anzeige erstattet, nun handelt es sich um ein laufendes Verfahren.” Dabei wurden verschiedene Schritte eingeleitet. Zum Beispiel kann sich der Angezeigte zu den Vorwürfen äußern. Eine mögliche Strafe könnte laut Burtscher bei über 3000 Euro liegen, wenn es das erste Vergehen war. Bei weiteren Vergehen könnte eine Geldstrafe auch bis zu 15.000 Euro betragen.

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Feldkirchs Bezirkshauptmann Herbert Burtscher. VN/Lerch

Zudem könnte ein österreichweites Tierhalteverbot ausgesprochen werden. “Die Strafhöhe hängt von den Umständen ab und ist in jedem Einzelfall zu prüfen”, erklärt der Bezirkshauptmann. Allerdings müsse man berücksichtigen, dass die Betreiber den Bestand schon verkleinert und den Hof bereits verkauft hatten – und dass sie immer Bereitschaft signalisiert haben, Missstände zu verbessern.

Die zehn Rinder sind schon seit vergangenem Donnerstag auf einem anderen Hof untergebracht. “Bekannterweise läuft es dort gut”, sagt Burtscher. Ihm sei kein Handlungsbedarf gemeldet worden.