In der Videofalle: Waschbären vermehrt in Vorarlberg gesichtet

Vorarlberg / 16.04.2023 • 12:00 Uhr
In der Videofalle: Waschbären vermehrt in Vorarlberg gesichtet
Ulrike Gmeiner staunte nicht schlecht über den nächtlichen Besucher in ihrem Carport (Bild rechts). Handout, VN/Haller

Waschbären etablieren sich hierzulande langsam. Die possierlichen Tiere sehen zwar putzig aus, können rund ums Haus aber große Schäden anrichten.

Dornbirn, Feldkirch Um eine Begegnung der besonderen Art reicher ist seit letzter Woche Ulrike Gmeiner. Die Dornbirnerin staunte nicht schlecht über das Video ihrer Überwachungskamera aus dem Carport. Darauf zu sehen: ein Waschbär, der unbeirrt zwischen Auto und Brennholz auf der Suche nach etwas Essbarem ist. Und auch in Höchst an der Hauptstraße beobachtete jüngst eine VN-Leserin einen der pelzigen Gesellen.

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Invasive Art

„Insgesamt sind Sichtungen von Waschbären in Vorarlberg noch relativ selten, kommen aber inzwischen immer häufiger vor“, erklärt Biologe Klaus Zimmermann von der Inatura Dornbirn. In den Tallagen wird mit einer weiteren Zunahme der Waschbärenpopulation gerechnet. Dies hänge auch mit der starken Verbreitung in Deutschland zusammen, wo Schätzungen zufolge mittlerweile mehr als eine Million Tiere leben. 1927 entkamen dort die ersten Tiere aus einer Pelzfarm. Seither pflanzten sie sich wild fort. Der erste Vorarlberger Waschbär wurde 1978 in Schoppernau erlegt. Ursprünglich kommen die kleinen Bären aus Nordamerika.

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Die Tatsache, dass Waschbären mit ihrer schwarz-weißen Maske und dem buschigen Schwanz putzig aussehen, lässt gern vergessen, es mit waschechten Raubtieren zu tun zu haben. 2016 deklarierte die Europäische Union sie als sogenannte invasive Art, auch Neozoen genannt. „Als invasiv gilt eine Art, wenn sie die Vielfalt bedroht“, erklärt der Biologe, der auch schon Begegnungen mit den Tieren in Götzis und Wolfurt auf Dächern hatte. Natürliche Feinde haben Waschbären hierzulande nicht. Die Allesfresser räumen gelegentlich Vogelgelege aus. Invasive Arten sind in Österreich zur Jagd freigegeben.

Waschbären sehen zwar süß aus, sollten aber nicht angefasst oder gefüttert werden. <span class="copyright">VN/HAller</span>
Waschbären sehen zwar süß aus, sollten aber nicht angefasst oder gefüttert werden. VN/HAller
Klaus Zimmermann und Elisabeth  Ritter von der Inatura Dornbirn. <span class="copyright">VN/Haller</span>
Klaus Zimmermann und Elisabeth Ritter von der Inatura Dornbirn. VN/Haller

Besonders in der kalten Jahreszeit suchen Waschbären nach Nahrung und Schlafplätzen in Siedlungen. „Sie können Hausbewohnern richtig Ärger machen, indem sie auf der Suche nach Nahrung beispielsweise Komposthaufen und Mülltonnen durchsuchen“, weiß Zimmermann. Die possierlichen Tiere klettern außerdem mit Vorliebe auf Dächer. „Das Problem ist, dass sie dann oft nicht mehr hinunter kommen.“ Dabei zerstören sie Ziegel oder nisten sich in Isolierungen ein. Mitunter fallen sie auch in Kamine, was laut Zimmermann in Extremfällen zu Bränden führen kann.

Im Wildpark Feldkirch kann man Waschbären wie Lindi bewundern. <span class="copyright">VN/Hartinger</span>
Im Wildpark Feldkirch kann man Waschbären wie Lindi bewundern. VN/Hartinger

Kompost abdecken

Um zu verhindern, dass sich Waschbären im eigenen Haus oder Garten einnisten, empfiehlt es sich, vorbeugend einige Maßnahmen zu treffen. „Wichtig ist, dass die Tiere am Haus keine Nahrung finden. Mülltonnen und Kompost sollten abgesichert und Müllsäcke erst kurz vor der Abholung ins Freie gestellt werden“, empfiehlt Zimmermann. Außerdem sollte Abstand gewahrt werden, denn Waschbären können Krankheiten wie Tollwut oder Würmer übertragen.

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Gerne klettern die pelzigen Gesellen auf Hausdächer (hier in Wolfurt) - und kommen nicht wieder runter. <span class="copyright">Zimmermann</span>
Gerne klettern die pelzigen Gesellen auf Hausdächer (hier in Wolfurt) - und kommen nicht wieder runter. Zimmermann
2014 musste ein Waschbär vom Dach der Kulturbühne Ambach gerettet werden.<span class="copyright"> VN/Steurer</span>
2014 musste ein Waschbär vom Dach der Kulturbühne Ambach gerettet werden. VN/Steurer

Waschbär

Der Waschbär ist ein Allesfresser. Gern verputzt er ganze Gelege und Jungvögel, Schnecken, Insekten und kleinere Säugetiere. Die Kleinbären untersuchen ihre Nahrung oft recht genau. Das sorgfältige Abtasten der Beute, manchmal auch im Wasser, brachte dem Waschbären seinen Namen ein. Waschbären werden bis zu 70 Zentimeter lang und sind im Frühjahr noch rund fünf Kilogramm schwer. Kurz vor dem Winter wiegen die grau-weißen Tiere mit der markanten schwarzen Gesichtsmaske etwa doppelt so viel.