So denken Vorarlberger Friseure über genderneutrale Preise

Warum in den meisten Fällen noch zwischen Männer- und Damenhaarschnitten unterschieden wird.
Schwarzach Waschen, schneiden, legen und vielleicht eine neue Farbe gefällig? Für Frauen ist ein Friseurbesuch oft eine kostspielige Angelegenheit. Bei Männerschnitten gelten in den meisten Salons andere Preise. Das Thema “Gender-Pricing”, also die Preisdifferenzierung nach Geschlecht, wird auch in den Vorarlberger Friseursalons diskutiert.

Unisexpreise im Friseursalon bleiben hierzulande aber die Ausnahme. Für Innungsmeister Günther Plaickner (56) und Betreiber des gleichnamigen Friseursalons in Götzis macht die Unterscheidung zwischen Männer- und Damenhaarschnitten in den meisten Fällen Sinn. “Früher hat man klassisch zwischen Kurz-, Mittel- und Langhaarschnitten unterschieden. Jetzt werden die Preise nach Aufwand verrechnet und hier gibt es bei Herren- und Damenfrisuren Unterschiede.”

Ein Haarschnitt, nämlich der Maschinenschnitt, sei vom Aufwand vergleichbar. “Hier sollten preislich natürlich keine Unterschiede gemacht werden.” Unterschiedliche Preisstaffellungen gebe es prinzipiell nicht nur bei Damen, sondern auch bei den Herren. Daher werde der Fokus auf die Art der Dienstleistung und den Aufwand gelegt. “Das Fairste wären hier sicherlich Minutenpreise”, sagt Plaickner. Aber das sei in der Branche schwer umsetzbar. “Kunden möchten nicht schnell abgehandelt werden. Schließlich besucht man einen Wohlfühlort und möchte sich Zeit lassen.”

Die Diskussion um das Thema “Gender-Pricing” geht auch an Gültekin “Gülti” Dülge vom gleichnamigen Friseursalon in Dornbirn nicht vorbei. “Es kommt schon vor, dass unsere Kundinnen fragen, warum sie für ihren Friseurbesuch mehr zahlen müssen als Männer – vor allem wenn sie Kurzhaarfrisuren tragen.” Noch wird in seinem Salon bei den Preisen zwischen Männer- und Damenhaarschnitten differenziert. Dass sich Frauen oft unfair behandelt fühlen, kann der Friseurmeister verstehen. “Im Endeffekt benötigen wir für Kurzhaarschnitte nämlich gleich lange”, sagt der 48-Jährige offen. “Auch Männer legen immer mehr Wert auf Pflege und Styling. Deswegen könnte ich mir vorstellen, dass wir die Preise in Zukunft angleichen, um für mehr Gleichberechtigung zu sorgen.”

Susanne Frioli (39) von Perfect Hair & Makeup in Bregenz hat sich schon intensiv mit dem Thema “Gender-Pricing” beschäftigt. Die Unterscheidung zwischen Männer- und Frauenservice findet sich in ihrem Salon nur noch auf dem Kassabon und auch da soll die Unterscheidung bald nicht mehr aufscheinen. “Das Thema Gendergerechtigkeit ist mir sehr wichtig, gleichzeitig wird die Menge an Fettnäpfchen, in die man treten kann, immer größer.” Wertschätzung gegenüber dem Kunden steht bei Susanne Frioli an oberster Stelle. “Unsere Preise setzen sich aus der Menge an Produkten und der Zeit zusammen, die wir für den Kunden aufwenden. Wenn eine Dame einen Vier-Millimeter-Haarschnitt möchte, zahlt sie einen Maschinenhaarschnitt – genauso wie die Männer.”

Die Zeiten, in denen Männer nur für einen schnellen Haarschnitt in den Friseursalon kommen, seien längst vorbei, sagt die Friseurmeisterin. “Die Dienstleistungen und das Styling werden auch bei Männern immer aufwendiger. Auch sie wollen diesen Verwöhnmoment. Daher finde ich es wichtig, dass sich die Preise immer mehr annähern. Am Ende des Tages geht es um die Dienstleistung und nicht darum, welcher Kunde bei uns am Tresen steht.”
Andreas Födö (51) vom Friseursalon Haar-Cult in Bregenz sieht das ähnlich. “Wir unterscheiden zwar zwischen Männer- und Frauenhaarschnitten, gestalten unsere Preise aber sehr fair. Wenn man den Zeitaufwand betrachtet, zahlt die Dame am Ende in den meisten Fällen gleich viel wie der Herr”, erklärt der Friseurmeister. Früher habe es noch größere preisliche Unterschiede gegeben. “Im Großen und Ganzen hat es unsere Branche mittlerweile aber gut geschafft, gerecht zu sein.”