Bahnhof Dornbirn “am besten überwacht” – Fahrgäste fühlen sich dennoch unwohl

Vorarlberg / 12.04.2023 • 10:00 Uhr
Bahnhof Dornbirn "am besten überwacht" - Fahrgäste fühlen sich dennoch unwohl
Die Sicherheitslage am Bahnhof Dornbirn beschäftigt die Vorarlberger. Plesch, Rauch/VN

Die Überwachung an Bahnhöfen und in Verkehrsmitteln geht weit auseinander.

Dornbirn, Schwarzach Sie stießen brutal zu und ließen den verletzten Mann am Boden zurück. Vor gut einer Woche waren drei Jugendliche am Bahnhof in Dornbirn mit einem Messer auf einen Iraker (32) losgegangen. Der Mann überlebte zum Glück und die drei Burschen sind mittlerweile gefasst. Das Sicherheitsgefühl der Vorarlberger hat allerdings einmal mehr spürbar gelitten. Doch wie sieht es eigentlich mit der Überwachung im öffentlichen Nahverkehr und auf den Straßen aus? Die Vorarlberger Nachrichten haben nachgefragt.

Österreichische Bundesbahnen (ÖBB)

“In den Zügen des Nahverkehrs in Vorarlberg befinden sich rund 260 Kameras und an den Bahnhöfen in Vorarlberg sind es aktuell 362”, teilen die ÖBB auf VN-Nachfrage mit. Österreichweit verfügt die Bahn übrigens über 7000 Kameras auf Bahnhöfen, an Haltestellen und sonstigen Anlagen sowie über weitere rund 5500 Kameras in Personenzügen.

“Die Daten aus den Zügen werden je nach technischen Voraussetzungen bis zu 96 Stunden und jene von den Bahnhöfen 120 Stunden gespeichert.” Eine Sichtung beziehungsweise Sicherung der Aufnahmen erfolge aber immer erst nachträglich auf Anfrage einer österreichischen Sicherheitsbehörde.

Die ÖBB überwachen Züge und Bahnhöfe wie hier in Bludenz mit Kameras. <span class="copyright">VOL/Mayer</span>
Die ÖBB überwachen Züge und Bahnhöfe wie hier in Bludenz mit Kameras. VOL/Mayer

Die ÖBB betonen darüber hinaus, dass die Aufnahmen ausschließlich zur Beweismittelsicherung für die Sicherheitsbehörden verwendet werden. Und das zahlt sich aus: Seit 2021 wurden bereits über 2000 Tatverdächtige auf Videobildern festgestellt. Dafür hat die Bahn speziell qualifizierte Mitarbeiter, die die Aufnahmen auf polizeiliche Anfrage sichten und rasch fahndungstaugliches Bildmaterial zur Verfügung stellen.

Busse

“Meiner Meinung nach gibt es kaum einen Platz in Vorarlberg, der besser überwacht ist”, sagt Michael Stabodin über den Bahnhof in Dornbirn. Stabodin ist Geschäftsführer des Landbus Unterland und des Stadtbus Dornbirn. An dem belebten Platz gibt es mehrere Überwachungskameras, Sicherheitspersonal der ÖBB hat das Gelände durchgehend im Blick. Immerhin werden hier täglich 25.000 bis 26.000 Ein- und Ausstiege an einem normalen Tag gezählt. Vergleichbar wäre das an Verkehrsaufkommen mit der Neubaugasse in Wien – ein einzigartiger Fokuspunkt im Land. Und gerade die starke Frequentierung sorge für Sicherheit durch die Präsenz von Fahrgästen und Reisenden, betont Stabodin.

Michael Stabodin ist mit der Sicherheitslage zufrieden. <span class="copyright">VN/Rauch</span>
Michael Stabodin ist mit der Sicherheitslage zufrieden. VN/Rauch

Anders sehen das Antonia Forer und Olivia Neumeister. “Ich habe mich am Bahnhof noch nie so wohlgefühlt und durch die Messerstecherei jetzt noch ein bisschen mehr Angst”, sagt die 17-jährige Antonia. Auch Aussagen der Polizei, dass man sich als passiver Geher keine Sorgen machen müsse, beruhigen sie nicht. Olivia (17) pflichtet ihr bei: “Vor allem als Mädchen wird man von den Männern schon angestarrt, das ist hier am schlimmsten. Deshalb fühle ich mich am Bahnhof unwohl.” Die beiden Dornbirnerinnen haben nicht das Gefühl, dass die Überwachung hilft, Taten zu verhindern. Genauso wenig wie die Nähe der Polizeiinspektion.

Fühlen sich am Bahnhof Dornbirn nicht sicher: Antonia Forer und Olivia Neumeister. <span class="copyright">VN/Rauch</span>
Fühlen sich am Bahnhof Dornbirn nicht sicher: Antonia Forer und Olivia Neumeister. VN/Rauch

In den Bussen im unteren Rheintal gibt es weniger Probleme mit Kriminalität. Hier dienen die Kameras eher der Aufklärung von Unfällen beim Ein- und Aussteigen beispielweise. Rund 100 Busse sind im Einsatz, von denen etwa ein Drittel Gelenkbusse sind, die mit sieben Kameras pro Bus überwacht werden. In den übrigen Bussen sind es je vier Kameras. “Diesen Standard haben wir schon seit 15 Jahren”, sagt Michael Stabodin. Auf diese Aufnahmen haben zwei Mitarbeiter direkt aus dem Büro Zugriff. Sie werden bis zu 96 Stunden gespeichert.

Der Bahnhof Dornbirn ist stark frequentiert. <span class="copyright">VN/Plesch</span>
Der Bahnhof Dornbirn ist stark frequentiert. VN/Plesch

Anders sieht die Lage beim Mobilpunkt Bludenz aus. Alle Busse, die von hier aus betreut werden, haben keine Überwachungskameras. “In den neuen Bussen wird es möglich sein, Kameras zu installieren und darüber wird derzeit auch diskutiert”, sagt Geschäftsführer Matthias Mayr. Hinsichtlich Haltestellen sei ihm nicht bekannt, dass derzeit irgendwo Kameras installiert seien. Wobei das ohnehin Sache der jeweiligen Gemeinde wäre.

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