Klostersanierung: Boden aus der Barockzeit entdeckt

Bei den Sanierungsarbeiten im denkmalgeschützten Kloster Mehrerau kam bereits der ein oder andere Schatz zum Vorschein.
Bregenz Die Zisterzienserabtei Wettingen-Mehrerau in Bregenz hat im November des Vorjahres eine umfangreiche Sanierung gestartet. Im ersten Bauabschnitt wird der Osttrakt revitalisiert werden, in weiteren Etappen soll unter anderem die Abteikirche renoviert und die Bibliothek erweitert werden. Pünktlich zum 800-Jahr-Jubiläum der Ordensgemeinschaft 2027 soll die denkmalgeschützte Klosteranlage dann in neuem Glanz erstrahlen.


Bei den Arbeiten im Osttrakt kam dabei schon der ein oder andere Schatz zum Vorschein, wie Abt Vinzenz Wohlwend berichtet: „Die Archäologen haben bei der historischen Bausanierung einen Fußboden sowie einen Kanal entdeckt und freigelegt. Beides stammt aus der Barockzeit.“ Ebenso wurden Scherben und Knochen entdeckt – letzteres allerdings von Speiseresten.
Die ältesten Bauteile des Klostergebäudes stammen aus dem Jahr 1097, sie zeigen Geschichte und Kulturgut. Die nun entdeckten Wasserleitungen führten vermutlich zu einem Brunnen im damaligen Barockgarten: „Diese Entdeckungen sind sehr spannend und bereichernd, auch weil sie die Identifikation der Gemeinschaft steigert. Außerdem werden bauhistorische Lücken geschlossen“, erklärt Wohlwend.


Auf Spenden angewiesen
Im Ostflügel sollen neue Gästezimmer entstehen. Der Zugang zum anliegenden Kapitelsaal, dem Versammlungs- und Gebetsraum der Mönche, wird durch einen Lift barrierefrei und ermöglicht pflegebedürftigen Brüdern ein Mitleben in der Gemeinschaft. Ebenso wird das Dach erneuert. Ein verantwortungsvoller und achtsamer Umgang spiele bei der Restaurierung eine essenzielle Rolle, betont Wohlwend. Dabei ist auch Eigenleistung gefragt: Möbel und Holzarbeiten werden so weit wie möglich in der klösterlichen Tischlerei gefertigt.


Die Kosten belaufen sich für den ersten Bauabschnitt, der Mitte kommenden Jahres finalisiert sein soll, auf sieben Millionen Euro, die Gesamtkosten auf 35 Millionen Euro. Die Klostersanierung finanziert sich durch Eigenmittel, durch Fördergelder des Landes, des Denkmalschutzes sowie durch Drittfinanzierung und Spendengelder.


„Zurückkommen ins Leben“
Unterdessen bereiten sich die 21 Mönche des Klosters Mehrerau auf Ostern vor, das wichtigste Fest im christlichen Kalender. Das Osterfest erinnert an die Auferstehung Jesu Christi, die für Christen die Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod symbolisiert.

Die Osterfeierlichkeiten werden am Gründonnerstag eingeleitet, indem Abt Wohlwend den Mönchen die Füße wäscht. Mit diesem Akt erinnert die Kirche an eine einprägsame Geste Jesu vor dem letzten Abendmahl. Damit wollte er zeigen, dass der Dienst am Menschen für ihn das Wichtigste ist. Die Fastenzeit ist gerade im Kloster eine Zeit, in der wenig gesprochen und auf vieles verzichtet wird. Diese endet mit der Osternacht. Auch das Halleluja, das in der Liturgie der Fastenzeit nicht gesungen wird, erklingt in der Ostermette wieder. „Ostern im Kloster ist ein Fest, das sehr anrührt und emotional ist. Es ist ein Zurückkommen ins Leben“, erklärt der Abt. Am Ostersonntag darf dann übrigens ausgeschlafen werden. Was das in einem Kloster bedeutet? „Der Tag beginnt dann ausnahmsweise gegen acht Uhr“, verrät der Abt. Normalerweise ist bereits um fünf Uhr Tagwache.

Spendenkonto beim Bundesdenkmalamt zugunsten der Sanierung des Klosters Mehrerau
BAWAG-PSK
Bundesdenkmalamt 1010 Wien
IBAN: AT07 0100 0000 0503 1050
Aktionscode: A381 – bitte immer unbedingt anführen, so wird Ihre Spende der Klostersanierung zugeordnet.
Drei österliche Tage
In lateinischer Sprache heißen sie „Triduum sacrum“. Der Begriff bezeichnet
drei Tage in Jerusalem vor rund 2000 Jahren, die im Christentum von zentraler
Bedeutung sind:
» Gründonnerstag: Die christlichen Kirchen gedenken des letzten Abendmahls.
Jesus Christus versammelt in Jerusalem ein letztes Mal seine Jünger um sich,
feiert das letzte Abendmahl und fasst sein Vermächtnis in Sätze wie „Liebt
einander, so wie ich euch geliebt habe“. Am Abend wird er verhaftet.
» Karfreitag: Dem etwa 30-jährigen Mann aus Nazareth wird der Prozess
gemacht. Er wird zum Tode verurteilt, gefoltert und gekreuzigt.
» Karsamstag, Osternacht: Die Frauen unter seinen Anhängern haben den
Leichnam geborgen und bestattet. Aber wenig später finden sie das Grab leer.
Die letzten Bücher des Neuen Testaments schreiben die Geschichte von der
Auferstehung des Gekreuzigten fort. Heute ist das Christentum mit rund 2,26
Milliarden Anhängern vor dem Islam (rund 1,57 Milliarden) und dem Hinduismus (rund 900 Millionen) die weltweit am meisten verbreitete Religion.
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Zahlen, Daten, Fakten
Bauherr: Zisterzienserabtei Wettingen-Mehrerau, Bregenz
Generalunternehmer: i+R Industrie- & Gewerbebau GmbH, Lauterach
Planung: EKG Baukultur Ziviltechniker GmbH, Wien
Abschnitte Sanierung: Ostflügel (Gästezimmer), Osttrakt (Wohnbereich Mönche), Klosterkirche (Heizung, Beleuchtung, Chorgestühl, Orgelspieltisch)
Nutzflächen gesamt: 7.725 m2 (EG, 1. + 2. OG, DG)
Energetische Sanierung Ostflügel und Osttrakt: Dämmung Innenwände, Böden, Dachgeschoss, Fußbodenheizung
Energieversorgung: Fernwärme aus der Biogasanlage Bregenz
Baukörper: Kloster, Kirche, Schule, Tischlerei
Investitionsvolumen: ca. 35 Millionen Euro
Baustart: März 2023 (Abbrucharbeiten ab November 2022)
Geplante Fertigstellung: 2027
