Klostersanierung: Boden aus der Barockzeit entdeckt

Vorarlberg / 06.04.2023 • 15:30 Uhr
Klostersanierung: Boden aus der Barockzeit entdeckt
Abt Vinzenz Wohlwend: „Durch die historische Sanierung werden bauhistorische Lücken geschlossen.“ Fotos: VN/Rhomberg

Bei den Sanierungsarbeiten im denkmalgeschützten Kloster Mehrerau kam bereits der ein oder andere Schatz zum Vorschein.

Bregenz Die Zisterzienserabtei Wettingen-Mehrerau in Bregenz hat im November des Vorjahres eine umfangreiche Sanierung gestartet. Im ersten Bauabschnitt wird der Osttrakt revitalisiert werden, in weiteren Etappen soll unter anderem die Abteikirche renoviert und die Bibliothek erweitert werden. Pünktlich zum 800-Jahr-Jubiläum der Ordensgemeinschaft 2027 soll die denkmalgeschützte Klosteranlage dann in neuem Glanz erstrahlen.

Der Kapitelsaal erhält mit einem Lift einen barrierefreien Zugang.
Der Kapitelsaal erhält mit einem Lift einen barrierefreien Zugang.
Abt Vinzenz Wohlwend im Gespräch mit den VN.
Abt Vinzenz Wohlwend im Gespräch mit den VN.

Bei den Arbeiten im Osttrakt kam dabei schon der ein oder andere Schatz zum Vorschein, wie Abt Vinzenz Wohlwend berichtet: „Die Archäologen haben bei der historischen Bausanierung einen Fußboden sowie einen Kanal entdeckt und freigelegt. Beides stammt aus der Barockzeit.“ Ebenso wurden Scherben und Knochen entdeckt – letzteres allerdings von Speiseresten.

Die ältesten Bauteile des Klostergebäudes stammen aus dem Jahr 1097, sie zeigen Geschichte und Kulturgut. Die nun entdeckten Wasserleitungen führten vermutlich zu einem Brunnen im damaligen Barockgarten: „Diese Entdeckungen sind sehr spannend und bereichernd, auch weil sie die Identifikation der Gemeinschaft steigert. Außerdem werden bauhistorische Lücken geschlossen“, erklärt Wohlwend.

Ein Team von drei Archäologen ist mit den historischen Sanierungsarbeiten beschäftigt.
Ein Team von drei Archäologen ist mit den historischen Sanierungsarbeiten beschäftigt.
Die entdeckte Wasserleitung (Mitte) diente vermutlich als Zu- bzw. Ableitung eines Brunnens im Garten.
Die entdeckte Wasserleitung (Mitte) diente vermutlich als Zu- bzw. Ableitung eines Brunnens im Garten.

Auf Spenden angewiesen

Im Ostflügel sollen neue Gästezimmer entstehen. Der Zugang zum anliegenden Kapitelsaal, dem Versammlungs- und Gebetsraum der Mönche, wird durch einen Lift barrierefrei und ermöglicht pflegebedürftigen Brüdern ein Mitleben in der Gemeinschaft. Ebenso wird das Dach erneuert. Ein verantwortungsvoller und achtsamer Umgang spiele bei der Restaurierung eine essenzielle Rolle, betont Wohlwend. Dabei ist auch Eigenleistung gefragt: Möbel und Holzarbeiten werden so weit wie möglich in der klösterlichen Tischlerei gefertigt.

Der entdeckte Fußboden stammt aus der Barockzeit.
Der entdeckte Fußboden stammt aus der Barockzeit.
Abt Vinzenz Wohlwend: „Durch die historische Sanierung werden bauhistorische Lücken geschlossen.“
Abt Vinzenz Wohlwend: „Durch die historische Sanierung werden bauhistorische Lücken geschlossen.“

Die Kosten belaufen sich für den ersten Bauabschnitt, der Mitte kommenden Jahres finalisiert sein soll, auf sieben Millionen Euro, die Gesamtkosten auf 35 Millionen Euro. Die Klostersanierung finanziert sich durch Eigenmittel, durch Fördergelder des Landes, des Denkmalschutzes sowie durch Drittfinanzierung und Spendengelder.

Im Osttrakt und im angrenzenden Teil des Ostflügels wird zunächst das bestehende Gebälk der Zwischenböden bzw. -decken mit neuem Holz aufgedoppelt, um die Gebäudeteile statisch und bauphysikalisch auf Stand zu bringen.
Im Osttrakt und im angrenzenden Teil des Ostflügels wird zunächst das bestehende Gebälk der Zwischenböden bzw. -decken mit neuem Holz aufgedoppelt, um die Gebäudeteile statisch und bauphysikalisch auf Stand zu bringen.
 Im Erdgeschoss entstehen unter anderem Pflegezimmer für die Mönche.
 Im Erdgeschoss entstehen unter anderem Pflegezimmer für die Mönche.

„Zurückkommen ins Leben“

Unterdessen bereiten sich die 21 Mönche des Klosters Mehrerau auf Ostern vor, das wichtigste Fest im christlichen Kalender. Das Osterfest erinnert an die Auferstehung Jesu Christi, die für Christen die Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod symbolisiert.

Die Fenster samt Sandstein-Stöcken, die Türen und die Holzböden bleiben so weit wie möglich erhalten, nur völlig desolate Bauteile werden ersetzt. 
Die Fenster samt Sandstein-Stöcken, die Türen und die Holzböden bleiben so weit wie möglich erhalten, nur völlig desolate Bauteile werden ersetzt. 

Die Osterfeierlichkeiten werden am Gründonnerstag eingeleitet, indem Abt Wohlwend den Mönchen die Füße wäscht. Mit diesem Akt erinnert die Kirche an eine einprägsame Geste Jesu vor dem letzten Abendmahl. Damit wollte er zeigen, dass der Dienst am Menschen für ihn das Wichtigste ist. Die Fastenzeit ist gerade im Kloster eine Zeit, in der wenig gesprochen und auf vieles verzichtet wird. Diese endet mit der Osternacht. Auch das Halleluja, das in der Liturgie der Fastenzeit nicht gesungen wird, erklingt in der Ostermette wieder. „Ostern im Kloster ist ein Fest, das sehr anrührt und emotional ist. Es ist ein Zurückkommen ins Leben“, erklärt der Abt. Am Ostersonntag darf dann übrigens ausgeschlafen werden. Was das in einem Kloster bedeutet? „Der Tag beginnt dann ausnahmsweise gegen acht Uhr“, verrät der Abt. Normalerweise ist bereits um fünf Uhr Tagwache.

Der Osttrakt wird kernsaniert. Hier entsteht der Wohnbereich der Mönche.
Der Osttrakt wird kernsaniert. Hier entsteht der Wohnbereich der Mönche.

Spendenkonto beim Bundesdenkmalamt zugunsten der Sanierung des Klosters Mehrerau

BAWAG-PSK

Bundesdenkmalamt 1010 Wien

IBAN: AT07 0100 0000 0503 1050

Aktionscode: A381 – bitte immer unbedingt anführen, so wird Ihre Spende der Klostersanierung zugeordnet.

Drei österliche Tage

In lateinischer Sprache heißen sie „Triduum sacrum“. Der Begriff bezeichnet

drei Tage in Jerusalem vor rund 2000 Jahren, die im Christentum von zentraler

Bedeutung sind:

» Gründonnerstag: Die christlichen Kirchen gedenken des letzten Abendmahls.

Jesus Christus versammelt in Jerusalem ein letztes Mal seine Jünger um sich,

feiert das letzte Abendmahl und fasst sein Vermächtnis in Sätze wie „Liebt

einander, so wie ich euch geliebt habe“. Am Abend wird er verhaftet.

» Karfreitag: Dem etwa 30-jährigen Mann aus Nazareth wird der Prozess

gemacht. Er wird zum Tode verurteilt, gefoltert und gekreuzigt.

» Karsamstag, Osternacht: Die Frauen unter seinen Anhängern haben den

Leichnam geborgen und bestattet. Aber wenig später finden sie das Grab leer.

Die letzten Bücher des Neuen Testaments schreiben die Geschichte von der

Auferstehung des Gekreuzigten fort. Heute ist das Christentum mit rund 2,26

Milliarden Anhängern vor dem Islam (rund 1,57 Milliarden) und dem Hinduismus (rund 900 Millionen) die weltweit am meisten verbreitete Religion.

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Zahlen, Daten, Fakten

Bauherr: Zisterzienserabtei Wettingen-Mehrerau, Bregenz

Generalunternehmer: i+R Industrie- & Gewerbebau GmbH, Lauterach

Planung: EKG Baukultur Ziviltechniker GmbH, Wien

Abschnitte Sanierung: Ostflügel (Gästezimmer), Osttrakt (Wohnbereich Mönche), Klosterkirche (Heizung, Beleuchtung, Chorgestühl, Orgelspieltisch)

Nutzflächen gesamt: 7.725 m(EG, 1. + 2. OG, DG)

Energetische Sanierung Ostflügel und Osttrakt: Dämmung Innenwände, Böden, Dachgeschoss, Fußbodenheizung

Energieversorgung: Fernwärme aus der Biogasanlage Bregenz

Baukörper: Kloster, Kirche, Schule, Tischlerei

Investitionsvolumen: ca. 35 Millionen Euro

Baustart: März 2023 (Abbrucharbeiten ab November 2022)

Geplante Fertigstellung: 2027

<span class="copyright">VN/Paulitsch</span>
VN/Paulitsch

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