Warum ein Russlandplakat an der MS Wolfurt Polizeieinsatz verursachte

Es hätte ein harmloses Geografieprojekt werden sollen. Doch am Ende standen nur Emotionen.
Wolfurt Direktor Dieter Losert von der Mittelschule Wolfurt versteht die Welt nicht mehr. Wiederholt schüttelt er den Kopf, kann seinen Zorn nicht verbergen. “Was sollst du da als Direktor tun. Wir haben in unserer Deutsch-Förderklasse mit 18 Kindern aus verschiedensten Nationen ein Projekt gestartet. Die Schüler sollten ihr Heimatland vorstellen. Das haben auch die Flüchtlingskinder aus der Ukraine getan. Nicht mehr und nicht weniger.”

Putin mit Herz
Doch das hatte Folgen. Weil ein ukrainischer Bub aus einem offensichtlich prorussischen Familienumfeld ein Plakat zu Russland malte und dabei unter anderem Diktator Wladimir Putin mit einem Herz versah, kam es zu einem Riesenwirbel.
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Ukrainische Kinder der Deutschförderklasse waren empört, noch mehr deren Eltern. “Wir verstehen nicht, wie man einen ausgewiesenen Kriegsverbrecher wie Putin, der vom Internationalen Gerichtshof als solcher definiert wird und sofort verhaftet werden müsste, im Zusammenhang mit der Darstellung Russlands in einer österreichischen Schule so darstellen darf”, sagt Viktoria Olkhovska, Mutter eines 14-jährigen Buben, der diese Klasse besucht. Das Herz um Putin wurde schließlich schnell übermalt.

Direktor Dieter Losert von der Mittelschule Wolfurt versteht nicht, warum die Politik auf einmal in seine Schule kam. VN/Steurer
“Putin wie Hitler”
Die Gynäkologin und Universitätsprofessorin aus Charkiw, die vor einem Jahr von den Kriegswirren in ihrer Stadt floh und schließlich in Österreich landete, steht mit ihrer Meinung nicht alleine da. Iriyna Okhremenko, inoffizielle Sprecherin der ukrainischen Frauen-Community in Vorarlberg, wirft dem Direktor der MS vor, nicht sofort und entschieden gehandelt zu haben. “Für uns ist Putin wie Hitler. Und so scheint er bald auch für die ganze Welt zu sein.”

Auch Svetlana Pylypischenko, deren Tochter ein Plakat der Ukraine malte, hat keine Verständnis dafür, dass Putin in einem harmlosen Umfeld dargestellt wird. “Man hätte das Russland-Plakat allein abhängen müssen. Aber nicht auch das ukrainische noch dazu”, kritisiert sie.
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Der Direktor rechtfertigt sich: “Ich will keine Politik an der Schule. Wenn das Schule macht, dann werden demnächst Kurden fordern, dass die Türkei nicht dargestellt wird und umgekehrt. Wir müssen als Schule eine unpolitische Position einnehmen. Hier ging es bitte um ein Geografieprojekt.” Klarstellen möchte Losert überdies, dass er persönlich Putin als Aggressor in einem Angriffskrieg sieht.
Polizeieinsatz
Um mehr als bloß Geografie ging es offensichtlich Angehörigen jenes Buben, der für das Putin-freundliche Plakat verantwortlich zeichnete. Sie kreuzten vergangenen Samstag ungebeten bei Viktoria Olkhovska auf. Ein Anwesender berichtet: “Ein Pärchen wollte sich zu Frau Okhovska mit Nachdruck Einlass in ihre Wohnung verschaffen. Es ging dabei um das Plakat in der Schule. Wir mussten die Polizei rufen.”

Dass es vor der Wohnung der Frau tatsächlich zu einem Polizeieinsatz kam, bestätigt Polizeisprecher Rainer Fitz. “Ja, es stimmt. Es ging um dieses Plakat. Die Beamten konnten die Situation letztlich beruhigen und den Betroffenen raten, die Angelegenheit in der Schule zu besprechen.”